Renditen weiter im negativen Bereich

29.05.18 09:57

Harte Zeiten für Geldmarktfonds

Von Antonia Kögler

Angesichts des derzeitigen Niedrigzinsumfeldes ziehen Investoren seit einiger Zeit Mittel aus Geldmarktfonds ab. Sie setzen stattdessen vermehrt auf geldmarktnahe Produkte.

Investoren setzen anstatt auf Geldmarktfonds derzeit eher auf geldmarktnahe Produkte.

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Investoren setzen anstatt auf Geldmarktfonds derzeit eher auf geldmarktnahe Produkte.

Das Zinsumfeld setzt den Geldmarktfonds zu. Seit mehr als einem Jahr sei die schwarze Null für diese Produkte unerreichbar, beschreibt Alexander Fagenzer, Senior-Portfoliomanager bei Union Investment, die Situation. Er sagt zwar, dass sich Geldmarktfonds „je nachdem, wie viel Unternehmen bei ihren Bankeinlagen an Strafzinsen zahlen müssen“ noch lohnen können.

Eine aktuelle Umfrage von State Street hat ähnliches beobachtet: Investoren erwarten wachsendes Interesse an Geldmarktfonds, da die Banken bei der kurzfristigen Anlage noch ablehnender agieren könnten (siehe DerTreasurer 5/2018). Doch bei Union Investment zeigt sich das derzeit nicht: „Wir beobachten seit Monaten einen Abzug von Mitteln aus klassischen Geldmarktfonds.“

Geldmarktnahe Produkte kein Ersatz für Tages- oder Festgeld

Im Aufwind sind dagegen geldmarktnahe Produkte. Da diese Fonds auch auf Papiere mit etwas längeren Laufzeiten setzen können, bringen sie einen höheren Ertrag. „Aber auch hier muss man wissen, dass die Rendite ab und an unter die Nulllinie rutschen kann“, betont Fagenzer. Ein Ersatz für Tages- oder Festgeld sind die Produkte also nicht.

Gerade in diesem Frühjahr war der Druck zeitweise enorm gestiegen. „Nach einem schwachen Start am Anleihemarkt folgten auf einen Schlag sehr viele Neuemissionen, was die Kurse am Sekundärmarkt unter Druck setzte“, erklärt der Experte. Das wiederum geht an Fonds, die auf Anleihen setzen, nicht spurlos vorbei.

Fagenzer sieht in geldmarktnahen Fonds allerdings einen Vorteil, der über die aktuelle Rendite hinausgeht: „In diesen Produkten können Portfoliomanager auf Floater mit längeren Laufzeiten setzen.“ Die variabel verzinsten Bonds, die meist von Banken ausgegeben werden, bieten den Anlegern Schutz vor den Risiken eines möglichen Zinsanstiegs. Und durch die Investition in Papiere mit längeren Laufzeiten bieten sie höhere Kupons als Geldmarktpapiere.

Durststrecke für Geldmarktfonds dürfte noch eine Weile anhalten

Bis es tatsächlich zu einem Zinsanstieg kommt, wird laut Alexander Fagenzer aber noch eine Weile vergehen. „Wir rechnen damit, dass zunächst das Anleihekaufprogramm der EZB auslaufen wird und Mitte 2019 dann der erste Zinsschritt folgt.“ Für Geldmarktfonds bedeutet dies, dass die Durststrecke noch eine Weile weitergehen wird.

Wie zurückhaltend die Zinserwartungen am kurzen Ende noch sind, lasse sich gut an den Euribor Futures ablesen, erklärt der Portfoliomanager. Für Mitte Dezember dieses Jahres erwarten die Marktteilnehmer den Euribor demnach bei -30 Basispunkten. „Das ist im Vergleich zum jetzigen Stand von -33 Basispunkten zwar nur ein kleiner Sprung, zeigt aber immerhin eine Tendenz nach oben“, sagt der Experte. Für das Jahresende 2019 liegt die Erwartung für den Euribor bei der schwarzen Null.

Koegler[at]derTreasurer.de

Was Treasurer bei Geldmarktfonds beachten müssen, und wie sich der Markt entwickelt, erfahren Sie auf der Themenseite Geldmarktfonds als Anlagealternative.