Staatspapiere zum Schutz vor Inflationsrisiken: ILBs können als Beimischung bei der langfristigen Geldanlage helfen.

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01.09.17
Asset Management

Inflationsindexierte Anleihen als Versicherungsprodukt

Investoren, die sich gegen Inflation schützen wollen, können dafür auf inflationsindexierte Anleihen zurückgreifen. Für wen die Bonds geeignet sind und was Treasurer beachten sollten.

Mit einer extrem lockeren Geldpolitik versucht die EZB, die Inflation anzutreiben. Wenn Anleger davon ausgehen, dass die Zentralbank über ihr Ziel hinausschießen könnte oder die Inflation stärker ansteigen wird als der Markt derzeit erwartet, kommen inflationsindexierte Anleihen als Beimischung im Portfolio in Frage. Seit 2006 emittiert auch Deutschland solche Papiere. „Die Inflation-Linked-Bonds (ILBs) können Investoren als eine Art Versicherungsprodukt vor Inflationsrisiken schützen“, erklärt Stefan Klein, Portfoliomanager bei Nomura Asset Management Deutschland.

Grundsätzlich ist die Anleihe, die meist von Staaten begeben wird, strukturiert wie ein herkömmliches Papier. Der Unterschied: Der Bond hat eine teilweise variable Verzinsung, die an die Inflation gekoppelt ist. Sie besteht aus einem fixen Kupon und einer Inflationsthesaurierung. Zudem ist auch der Rückzahlungswert des Bonds zum Ende der Fälligkeit an die Inflation gebunden. Wenn sie steigt, erhält der Investor also mehr Rendite. „Das Instrument ist deshalb vor allem für den langfristigen Kapitalerhalt gedacht, für Renditejäger ist es nicht geeignet“, sagt der Experte. Der Zins liegt nämlich bei gleichem Risiko deutlich unter dem von herkömmlichen Staatsanleihen. „Die Differenz ergibt sich aus der am Markt erwarteten Inflation, der sogenannten Break-even-Inflation“, so Klein.

ILBs zum langfristigen Kapitalerhalt

Im vergangenen Jahr haben einige Investoren allerdings damit gerechnet, dass die Inflation überraschend stark ansteigen könnte. „Politische Entwicklungen wie der Brexit oder auch die Wahl von Trump haben bei einigen Investoren Inflationsängste geschürt“, berichtet Klein. „Deshalb haben wir in dieser Zeit starke Zuflüsse in die Assetklasse gesehen, mittlerweile hat die Entwicklung wieder nachgelassen.“ Allen voran interessieren sich Pensionskassen für die Papiere, da sie sehr langfristig denken und realer Kapitalerhalt ganz oben auf der Agenda steht. Inflationsindexierte Anleihen haben im Schnitt eine Laufzeit von 12 bis 13 Jahren.

Für Investoren, die mit geringer Inflation oder sogar einer Deflation rechnen, ist das Instrument weniger geeignet. „Der Kurs der Anleihe kann bei einer unwahrscheinlichen Deflation vorübergehend deutlich unter den Nennwert sinken“, sagt Klein. „Wer die Bonds bis zum Ende der Fälligkeit hält, bekommt aber in den meisten Fällen den ursprünglichen Nennwert zurück, solche Deflation-Floors haben sich mittlerweile etabliert.“

Inflationsindexierte Anleihen können für langfristig ausgerichtete Investoren also als Beimischung sinnvoll sein. „Sie stehen dabei in Konkurrenz zu Real Assets wie Immobilien, Rohstoffen oder Beteiligungen“, so Klein. Wie bei diesen Assetklassen gilt auch bei inflationsindexierten Bonds: Investieren sollte nur, wer das nötige Knowhow mitbringt. „ILBs mit gleicher Restlaufzeit reagieren auf Marktentwicklungen zum Beispiel anders, wenn sie  kürzer oder bereits länger am Markt sind“, so Klein. Zudem wird die Inflation von globalen Entwicklungen beeinflusst, die Anleger nicht aus dem Blick verlieren dürfen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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