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10.12.15
Asset Management

Kurzfristige Geldanlage: Treasurer akzeptieren mehr Risiko

Das Marktumfeld setzt Treasurer bei der Geldanlage immer stärker unter Druck. Gerade im kurzfristigen Bereich sind Treasurer bereit, für mehr Rendite auch mehr Risiko zu akzeptieren.

Der Druck auf die kurzfristige Geldanlage wächst weiter. Wie DerTreasurer in der Ausgabe 22/2015 berichtete, unterscheiden Banken immer stärker zwischen guter und schlechter Liquidität. Die aktuelle „Investment Peerview“-Umfrage von J.P. Morgan Asset Management zeigt, dass viele Unternehmen bereits von ihren Banken aufgefordert wurden, die sogenannte nicht-operative Liquidität abzuziehen. „Operative Liquidität, also Geldbestände in Konten von denen zum Beispiel laufende Zahlungen erfolgen, werden von den Regulatoren als stabiler eingestuft“, sagt Sven Lorenz von J.P. Morgan Asset Management. „Reine Anlageliquidität gilt dagegen als täglich abrufbar, was für die Banken nach Basel III höhere Kapitalanforderungen mit sich bringt.“

Viele Unternehmen wollen deshalb ihre Asset-Allokation ändern. Derzeit sind in Europa 44 Prozent des kurzfristigen Investmentportfolios bei Banken angelegt. 26 Prozent der Unternehmen wollen diesen Anteil reduzieren.

Geldmarktfonds als Alternative bei der kurzfristigen Geldanlage

Eine der Asset-Klassen die dadurch gewinnt, sind Geldmarktfonds. Derzeit legen Unternehmen rund 34 Prozent ihrer kurzfristigen Anlagegelder in Geldmarktfonds an. Etwa 25 Prozent der Befragten wollen ihr Engagement in der Asset-Klasse erhöhen. Einige Treasurer denken allerdings auch darüber nach, ihren Anteil an Geldmarktfonds, speziell denen mit stabilem Nettoinventarwert, herunterzufahren. „Das kann zum einen daran liegen, dass Unternehmen der strengeren Regulatorik, die für diese Fonds erwartet wird, vorgreifen“, meint Sven Lorenz. „Andererseits könnte die Motivation auch darin liegen, dass sie die Geld lieber verstärkt in Kurzläufer-Anleihe-Fonds investieren zu wollen.“ Neben diesen Fonds steige auch die Beliebtheit von Spezialfonds, die maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Investoren bieten, und von Repo-Geschäften.

Insgesamt kritisch beobachtet Sven Lorenz eine Tendenz hin zu mehr Risiko, um negative Renditen zu vermeiden. „Wir sehen in Europa, und auch in Deutschland, dass etwa ein Fünftel der Unternehmen höhere Kontrahentenrisiken akzeptieren und in längere Laufzeiten investieren.“ Interessant dabei ist, dass der Druck laut der Umfrage bei den mittelgroßen Unternehmen am stärksten ist. Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen Euro und 999 Millionen Euro gehen am häufigsten in risikoreichere Anlageformen.

Da die Umsetzung der Basel-III-Richtlinie erst am Anfang steht, wird sich der Druck auf die Banken weiter erhöhen. Für Treasurer könnte die Situation in der kurzfristigen Geldanlage damit auf absehbare Zeit komplizierter werden.

Koegler[at]derTreasurer.de