Nicolas Mackel spricht mit DerTreasurer über den Faktor Nachhaltigkeit am Finanzplatz Luxemburg.

Luxembourg for Finance

01.10.19
Asset Management

Luxemburg positioniert sich im Green-Finance-Markt

Nicolas Mackel von der Finanzplatzinitiative Luxembourg for Finance spricht mit DerTreasurer über aktuelle Green-Finance-Initiativen am dortigen Finanzplatz und die regulatorischen Entwicklungen.

Der Luxemburger Finanzplatz will sich als Vorreiter im Bereich des noch jungen Green-Finance-Marktes etablieren. Warum?
Luxemburg ist bereits seit langem Vorreiter bei diesem Thema. So hat die Europäische Investitionsbank (EIB) im Jahr 2007 den weltweit ersten „Green Bond“ an der Luxemburger Börse notiert. Zudem hat die dortige Börse mit dem Luxembourg Green Exchange die erste ausschließlich auf Green Bonds spezialisierte Börse weltweit initiiert und den Green Bond Channel ins Leben gerufen.


Sprechen wir zunächst über den Green Bond Exchange: Wie stark wird die Börse genutzt und wie sind die bisherigen Erfahrungen damit?
Seit der Einführung im Jahr 2016 hat sich das Volumen der an der Luxembourg Green Exchange gelisteten Wertpapiere mehr als verdreifacht. Es umfasst mehr als 300 einzelne Titel, die in insgesamt 21 Währungen denominiert sind. Mehr als die Hälfte aller börsennotierten Green Bonds weltweit sind dort gelistet. Das Volumen beträgt aktuell mehr als 150 Milliarden US-Dollar.

Im vergangenen Herbst haben die Börse in Schanghai und die Luxemburger Börse zudem einen Green Bond Channel ins Leben gerufen. Was genau verbirgt sich dahinter?
China ist schon heute einer der wichtigsten Märkte für Green Bonds weltweit und seine Bedeutung wird wachsen. Luxemburg wiederum ist seit mehreren Jahrzehnten ein bevorzugter Standort für die Europa-Aktivitäten chinesischer Banken.

Der Green Bond Channel baut auf dieser Basis auf. Über die gemeinsame Plattform der Luxemburger Börse und der Börsen in Schanghai und Shenzhen können Anleger aktuelle Kursdaten zu den in dort gehandelten Green Bonds einfach abrufen. Ferner bündelt der Green Bond Channel englischsprachige Informationen zu grünen, in Shanghai und Shenzhen gehandelten Finanzprodukten. So verschafft er europäischen Anlegern einen leichten Zugang zu diesem Markt.

„Finanzmärkte basieren auf Vertrauen“

Wie sind die Erfahrungen bislang damit, europäischen Investoren den Weg zu chinesischen Green Bonds zu erleichtern? Wie stark wird das in Anspruch genommen?
Diese Frage können wir als Finanzplatzinitiative nur allgemein beantworten, da es sich nicht im Detail zurückverfolgen lässt, welcher Investor einen chinesischen Green Bond zeichnet, nachdem er sich zuvor über den Green Bond Channel informiert hat. Aber grundsätzlich erleichtert die einfache Verfügbarkeit von Marktdaten und weiteren Informationen natürlich die Investitionsentscheidung, indem sie Transparenz und damit Vertrauen schafft.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr von Green Washing bei Bonds von Unternehmen ein, die Investoren weniger gut kennen?
Finanzmärkte basieren auf Vertrauen. Das gilt auch für Green Finance. Wenn Anleger befürchten, dass sich als „grün“ gelabelte Anlagen bei näherem Hinsehen als nicht grün erweisen könnten, werden sie nicht investieren. Deshalb ist es so wichtig, dass wir klare und verlässliche Standards haben. Die von der EU auf den Weg gebrachte Taxonomie mit einheitlichen Definitionen ist hier ein wichtiger Schritt. Wir in Luxemburg haben mit der unabhängigen Labelling-Agentur LuxFLAG, die unter anderem auch ein Label für Green Bonds vergibt, auch auf nationaler Ebene wichtige Voraussetzungen für das erforderliche Vertrauen geschaffen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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