Dr. Wolfgang Leoni, CIO bei Sal. Oppenheim, über den Paradigmenwechsel im Asset Management

01.03.12 14:42

„Man sollte auf systemrelevante Häuser setzen“

Von Bastian Frien

Volle Transparenz und absolute Sicherheit. Unternehmen setzen beim Asset Management neue Schwerpunkte. Dr. Wolfgang Leoni, CIO bei Sal. Oppenheim, erklärt wie der Paradigmenwechsel zu erklären ist.

Sal. Oppenheim

Für Anleger war die partielle Illiquidität auf dem Rentenmarkt während der Finanzkrise eine neue Erfahrung.

>> Herr Leoni, wie haben Unternehmen im Asset Management auf die Krise 2008/09 reagiert?

<< Nicht alle haben ihr Verhalten verändert. Aber in der Summe kann ich schon einen Trend erkennen: Generell investieren die Unternehmen immer mehr in Produkte, die sie erstens genau verstehen und die sie zweitens nachpreisen können. Sie wollen vollständige Transparenz.

>> Deutsche Unternehmen horten mehr Geld als je zuvor. Wo soll das investiert werden?

<<
Geld, das man jederzeit brauchen könnte, muss absolut sicher angelegt werden. Bei einem Bodensatz kann man davon ausgehen, dass er kurzfristig nicht benötigt wird. Da kann man dann tatsächlich über Cash Enhancement nachdenken, um eine Verzinsung über Termingeldniveau zu erreichen. Die Frage ist natürlich immer, wo das Plus herkommen soll.

Man sollte auf systemrelevante Häuser setzen

Dr. Wolfgang Leoni

>> In der Tat. Vor ein paar Jahren hat man das Plus gern mit ABS erzielt und dafür zum Teil bitter gebüßt …

<<
Das ist richtig. Es gibt nun mal keinen Free Lunch an den Kapitalmärkten. Der einzige Free Lunch ist die Diversifikation. Das ist leider immer noch nicht in alle Köpfe gedrungen – weder bei den Anlegern noch bei den Beratern.

>> Wie reagiert man auf die Erkenntnis, dass es ein Liquiditätsrisiko gibt?

<<
Zunächst einmal muss man sagen, dass selbst in der Krise die Geldmarktprodukte liquide geblieben sind. Das gilt auch für Aktien, zumindest bei den Blue Chips. Anders war es im Rentenmarkt, wo selbst solideste Papiere illiquide wurden. Das ist eine neue Erfahrung für die Marktteilnehmer und wird in den Kursen entsprechend eingepreist werden. Die Spreads zwischen Bundesanleihen und Pfandbriefen zum Beispiel, die früher extrem eng waren, werden dauerhaft auseinanderklaffen.

>> Viele Treasurer treibt das Kontrahentenrisiko um. Wie sollten diese damit umgehen?

<<
Sie werden sicherlich nicht von mir erwarten, dass ich jetzt konkrete Namen nenne, mit denen ein Kunde kein Geschäft abschließen sollte. Aber man ist sicherlich nicht schlecht beraten, die sogenannten „systemrelevanten Häuser“ stärker zu präferieren, weil man bei ihnen davon ausgehen darf, dass sie nicht ausfallen werden.

Frien[at]derTreasurer.de