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27.05.19
Asset Management

Mangelnde Transparenz bei Green Bonds

Es gibt keine festgeschriebenen Regeln für Green Bonds. Das führt dazu, dass nicht alle Instrumente transparent sind. Der Asset Manager Insight Investment beobachtet einige Mängel.

Nicht jeder Green Bond hält, was er verspricht. Zu dem Ergebnis kommt Insight Investment in einem aktuellen Bericht. Der Vermögensverwalter, der seit 2002 eigene ESG-Analysen vornimmt, hat 2018 insgesamt 39 Impact Bonds analysiert. In der Mehrheit sind es Green Bonds, vereinzelt auch Social und Sustainable Bonds. Insight Investment bewertet das ESG-Profil, die Struktur des Papiers ebenso wie den positiven Effekt, der aus der vorgesehenen Verwendung der Mittel entsteht. Das Urteil wird in drei Kategorien abgebildet: grün (erfüllt alle Anforderungen), gelb (entspricht ihnen teilweise nicht) und rot (entspricht den ESG-Kriterien nicht).

Auffallend: Nur 16 der 39 analysierten Papiere erhielten eine grüne Bewertung. 22 wurden dagegen gelb und ein Papier sogar rot gekennzeichnet. „Das Problem, das wir am häufigsten bei diesen Anleihen sehen, ist eine mangelnde Transparenz“, erklärt Olaf John, Head of Business Development in Europa für Insight Investment.

Das gilt vor allem für Bonds von Emittenten, die nicht groß genug sind, um automatisch von der Nachhaltigkeitsagentur MSCI bewertet zu werden. „Liegt eine solche Bewertung vor, dann können wir darauf zurückgreifen und erhalten viele Informationen, die uns ansonsten das Unternehmen zur Verfügung stellen muss“, so John. Und das geschehe nicht immer in ausreichendem Umfang.

ESG-Ratings können Vorteile bringen

John geht deshalb davon aus, dass kleinere Unternehmen von einem eigenständigen ESG-Rating profitieren können. „Diese Faktoren werden für viele Investoren immer wichtiger, Unternehmen unterschätzen das bislang häufig noch“, erklärt er. Wer Investoren die Arbeit bei ihren ESG-Analysen durch externe Ratings erleichtert, werde in Zukunft einen Vorteil gegenüber Unternehmen ohne solche Bewertungen haben. „Noch wichtiger als ein externes Rating ist allerdings nach wie vor die Zugehörigkeit zu einem ausgewiesenen Nachhaltigkeitsindex“, betont er. „So macht man sich auch für passive ESG-Investoren interessant.“ Der Weg steht aber nur den größten Unternehmen offen.

Eine enorme Verbesserung der Green Bonds erhofft sich John durch den Vorstoß der EU, einen Green-Bond- Standard zu schaffen. Auch die Entwicklung einer Taxonomie, also einer EU-weit einheitlichen Definition von nachhaltigen Aktivitäten, begrüßt er. „Letztlich sind all dies nur Instrumente zur Annäherung, aber sie können dafür sorgen, dass der Markt für nachhaltige Investmentmöglichkeiten besser vergleichbar wird, und das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

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