Seit 1. Oktober ist der neue Referenzzinssatz Estr live, seit dem 2. Oktober ist der alte Eonia an den neuen gekoppelt.

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07.10.19
Asset Management

Neuer Referenzzins Estr ist da

Am 2. Oktober wurde der neue Referenzzinssatz Estr erstmals veröffentlicht und bringt einige Änderungen mit sich. Worauf müssen Treasurer nun achten?

Die Eurozone hat den ersten Schritt bei der Umstellung der Referenzzinssätze hinter sich gebracht. Am 2. Oktober wurde der neue Referenzzins Estr erstmals veröffentlicht, der den Eonia langfristig ablösen soll. Der Estr basiert auf den Transaktionen des Vortags. Ebenfalls seit heute gibt es den Eonia nicht mehr in seiner bisherigen Form. Er ist nun an den Estr gekoppelt.

Treasurer, die sich noch nicht mit dem Thema Referenzzinsumstellung befasst haben, müssten zwar nicht in Aktionismus verfallen, meint Christian Storck, Kapitalmarktrechtler bei Linklaters. Sie sollten sich aber einen Überblick darüber verschaffen, in welchen Vertragsdokumenten auf einen Referenzzins zurückgegriffen wird, und sich bei laufenden Verträgen mit den Finanzierungspartnern auf das weitere Vorgehen einigen.

Neue Berechnungsmethode für Euribor

Anders als der Eonia wird der Euribor auch zukünftig bestehen bleiben, allerdings mit einer anderen Berechnungsmethode. Storck warnt davor, diese Umstellung im Hintergrund zu unterschätzen. „Wirtschaftlich betrachtet, ist der neue Euribor nicht der gleiche wie der alte“, erklärt Storck. „Durch die neue Berechnungsmethode kann bei Euribor-Verträgen, die unverändert bleiben, für eine Partei ein finanzieller Vorteil und für die andere ein Nachteil entstehen.“

Auch bei Währungsgeschäften und der Geldanlage kann die Umstellung der Zinssätze Treasurer treffen: „Für alle Benchmarks, die von der EU nicht als signifikant eingestuft werden, gilt die verlängerte Übergangsfrist bis 2021 nicht. Finanzprodukte dürfen bereits ab 2020 nicht mehr auf solche Nischenindizes zurückgreifen, wenn diese nicht in der EU registriert sind“, so Storck. Wer kleinere Indizes nutzt, sollte prüfen, ob dies der Fall ist.

Derivatemarkt ändert Zinssätze

Ebenfalls sollten Treasurer das Kräftemessen zwischen dem Derivate- und dem Finanzierungsmarkt nicht aus den Augen verlieren. Es gibt von Seiten des Derivatemarktes den Vorstoß, vergangenheitsbezogene Zinssätze einzusetzen, statt wie bisher zukunftsgerichtete. Bei vergangenheitsbezogenen Zinssätzen steht die Höhe der Verzinsung erst am Ende der Zinsperiode fest.

„Treasurer, die variabel verzinste Finanzierungsinstrumente über einen Swap in eine fixe Finanzierung wandeln wollen, sind darauf angewiesen, dass Swap und Finanzierung zusammenpassen und auf dieselben Zinssätze zurückgreifen“, erklärt der Anwalt. Deshalb sei es zentral, dass sich an der bisherigen Praxis nichts ändere.

koegler[at]DerTreasurer.de

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