Das EU-Parlament hat seine Position festgelegt.

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20.05.15
Asset Management

Neuer Vorschlag für Geldmarktfonds-Regeln

Die EU will Schattenbanken stärker regulieren – das trifft auch Geldmarktfonds. Sie sollen stärker geregelt und zum Teil auch abgeschafft werden.

Die Diskussion um eine strengere Regulierung von Geldmarktfonds geht in die nächste Runde. Die Europäische Union hat sich die Entwicklung strikter Regeln für die sogenannten Schattenbanken auf die Fahnen geschrieben, und dazu gehören auch die hauptsächlich für die kurzfristige Geldanlage genutzten Geldmarktfonds (MMFs). Vergangene Woche hat sich das EU-Parlament für eine striktere Regulierung ausgesprochen.

Während einigen Abgeordneten der Vorschlag zu lax ist, gab es kritische Reaktionen aus der Asset Management Branche. „Die Intention der Regulierung ist an sich gut, denn sie will den Investor stärker schützen“, sagt Thierry Darmon, Global Head of Treasury Management bei Amundi. „Es besteht jedoch die Sorge, dass die Regulierung zu stark ist und damit einige Money Market Funds existentiell bedroht.“

Neben einer erhöhten Transparenz sieht die Regulierung beispielsweise vor, dass Geldmarktfonds nicht mehr in andere MMFs investieren dürfen. Für Thierry Darmon ein kritischer Punkt, da viele Fonds so ihre tägliche Liquidität managen.

Einschnitte bei CNAVs geplant

Vor allem für Fonds mit stabilem Nettoinventarwert (CNAVs) würde die neue Regulierung tiefe Einschnitte bedeuten. Diese Fonds mit konstanten Nettoinventarwerten, die ihre Anteile nach einer speziellen Methodologie konstant mit 1 Euro bewerten, gelten für viele Regulatoren als systemisches Risiko im Fall einer Krise. Durch den konstanten Rückkaufwert können die Fonds Probleme bekommen, wenn auf einmal viele Anleger ihr Geld gleichzeitig zu einer im Vergleich zum aktuellen Marktpreis überhöhten Bewertung abziehen wollen. Dies ist auch als „first mover advantage“ bekannt.

Zusammen mit zwei Kategorien von Geldmarktfonds mit konstantem NAV – nämlich Retail CNAVs und Public Debt CNAVs – schlägt das EU-Parlament eine neue Geldmarktfonds-Variante vor: den Low Volatility NAV, dem die meisten heutigen CNAV-Fonds zugerechnet werden könnten. Zudem wird vom EU-Parlament anvisiert, die Existenz der LVNAV-Fonds auf fünf Jahre zu limitieren. Diese Regelung soll jedoch auf Basis einer Studie, die die Europäische Kommission vier Jahre nach Publikation der Regulation initiiert, überprüft werden.

In Deutschland gewinnen variable gepreiste Money-Market-Fonds (VNAVs) gerade als Anlagealternative an Beliebtheit, auch wenn Geldmarktfonds hierzulande nach wie vor ein Nischenprodukt sind. Vor allem die VNAVs, die in Papiere mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren investieren können, sind im Aufwind. „Durch die etwas längeren Laufzeiten können diese Fonds noch eine Rendite erzielen, während eine Reihe von kurzfristigen Geldmarktfonds (Short-Term-MMFs) nur noch negative Erträge erzielen“, erklärt Hubert Dänner, Niederlassungsleiter von Amundi Deutschland. Corporates nehmen hier gezielt ein höheres Risiko in Kauf, um negative Renditen zu vermeiden.

Koegler[at]derTreasurer.de