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31.10.18
Asset Management

Pensionsverpflichtungen werden unterschätzt

Mittelständische Unternehmen haben ihre Pensionsverpflichtungen nicht ausreichend im Blick. Das ist das Ergebnis einer Commerzbank-Studie zum Finanzanlageverhalten des deutschen Mittelstands.

Der deutsche Mittelstand kümmert sich nicht genug um seine Pensionsverpflichtungen. Das ist ein Ergebnis der neunten Studie zum Finanzanlageverhalten, die jährlich von der Commerzbank und der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) herausgegeben wird.

„Wenn etwas besorgniserregend ist, dann das“, kommentierte Professor Volker Wittberg von der FHM, der die Studie leitet, die Ergebnisse. Rund die Hälfte der Befragten sind Pensionszusagen eingegangen. Allerdings sind nur etwa 58 Prozent der Pensionsverpflichtungen gedeckt. Bei rund einem Drittel der Befragten geht es dabei um Beträge unter 1 Million Euro (siehe Grafik).

Deckungslücke dürfte sich in Zukunft weiter vergrößern

Mit Blick auf die Deckung zeigt sich: Nur 35 Prozent der Unternehmen erreichen einen Deckungsgrad von mehr als 75 Prozent. Bei weiteren 29 Prozent liegt der Wert bei mehr als der Hälfte der Summe, der Rest liegt darunter. Ein großes Problem: Die Mittelständler unterschätzen, dass sich die Deckungslücke in den kommenden Jahren weiter vergrößern dürfte, da der Abzinsungssatz in der Handelsbilanz mit einem zehnjährigen Durchschnittszinssatz ermittelt wird. Aufgrund des lange währenden Niedrigzinsumfelds wird er weiter sinken.

Dennoch fehlt vielen Mittelständlern die Bereitschaft, die Rückstellungen aufzustocken, erklärt Volker Wittberg und fordert: „Wichtig ist, hier die Augen vor der Realität nicht zu verschließen und nach Lösungen zu suchen, um die Deckungslücke zu schließen.“

Interesse an Pensionsmanagement steigt langsam

Ein zaghaftes Zeichen, dass das Thema bei den Mittelständlern auf der Agenda nach oben rutscht, gibt es allerdings: Der Anspruch, dass die Geldanlage zur Ausfinanzierung von Pensionsrückstellungen geeignet sein muss, hat an Bedeutung gewonnen. Während diese Eigenschaft auf der Rangskala (1 = wichtig bis 6 = unwichtig) 2017 nur einen Wert von 4,07 erzielte, lag sie in diesem Jahr bei 2,53.

Auch die Commerzbank registriert ein steigendes Interesse an dem Thema. Als Gründe sieht die Bank dafür neben dem sinkenden Diskontsatz nach HGB die steigende Lebenserwartung und die Unsicherheit über die zukünftige Inflation.

Nachholbedarf gibt es in dem Bereich im deutschen Mittelstand aber in jedem Fall: Laut der Studie gibt nur ein Drittel der Befragten an, die betriebliche Altersvorsorge vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase überprüfen zu wollen. Ein Umstand, den die Studienautoren scharf kritisieren.

Koegler[at]derTreasurer.de

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