Jirsak/iStock/Thinkstock/Getty Images

16.10.18
Asset Management

Private Debt: Fachwissen ist sehr gefragt

Tobias Bockholt von Willis Towers Watson spricht über die Entwicklung illiquider Kreditmärkte und erklärt, wo noch Chancen liegen.

Der Run auf die Assetklasse Private Debt geht weiter. Das Volumen des Marktes hat sich dem Datenanbieter Prequin zufolge seit 2007 mehr als verdreifacht und ist von 205 Milliarden auf 638 Milliarden US-Dollar (Stand: Juni 2017) gestiegen. Dabei dürfte es nicht bleiben, denn laut Prequin wollen 42 Prozent der Investoren in dieser Assetklasse in den kommenden zwölf Monaten mehr Kapital anlegen als in den vergangenen zwölf. „Auch bei Unternehmen hat Private Debt in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen“, sagt Tobias Bockholt, der bei Willis Towers Watson Unternehmen und deren Pensionseinrichtungen bei der Geldanlage berät.

Doch die Investition in Private Debt ist keineswegs trivial. Die hohe Komplexität der Anlageklasse ist für Einsteiger in das Segment nach wie vor eine Hürde. „In vielen Treasury-Abteilungen muss dieses Fachwissen erst einmal aufgebaut werden“, so Bockholt. „Noch schwerer wiegt allerdings, dass sie ihre Anlageentscheidungen in Gremien erklären und genehmigen lassen müssen, in denen fachfremde Personen sitzen.“ Zudem gibt es einige Unternehmen, auch aus Deutschlands Leitindex Dax, die für sich die strategische Entscheidung getroffen haben, nicht in Private Debt zu investieren.

Chancen bei Private Debt vor allem in der Nische

Hinzu kommt: Man muss genau hinschauen, um bei dem Anlagedruck noch Nischen zu finden, die Chancen bieten. „Die bekannteren Bereiche werden für Investoren aufgrund des enormen Anlagedrucks immer uninteressanter“, sagt Anlagespezialist Tobias Bockholt. „Klassische Private-Debt-Produkte, wie zum Beispiel Senior Secured Loans, liegen mittlerweile so sehr im Mainstream, dass sie aus Renditesicht nicht mehr attraktiv sind.“

Interessante Investmentmöglichkeiten liegen laut Willis Towers Watson deshalb vor allem in den Nischen. „Sie entstehen zum Beispiel durch neue Regulierung“, erklärt der Experte. Ein Beispiel: Basel III hat den Druck auf Banken, vergebene Kredite weiterzugeben, deutlich erhöht: „Der Markt für die Weiterplatzierung von Kreditportfolios ist aber völlig überkauft. Bei der Vergabe von Kreditversicherungen an Banken gibt es dagegen noch interessante Möglichkeiten“, argumentiert Bockholt.

Weitere Chancen sind laut Willis Towers Watson in bestimmten Immobilienmärkten zu finden. „Grundsätzlich lassen sich Renditen vor allem dann erzielen, wenn Investoren einen First-Mover-Vorteil nutzen können und zum Beispiel wieder in Märkte gehen, die noch unter einem schlechten Image leiden“, so Bockholt.

Koegler[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.