ESG-Faktoren rücken bei der Geldanlage in den Fokus.

Olivier Le Moal/iStock/Thinkstock/Getty Images

17.04.19
Asset Management

Regulierung: ESG-Kriterien bei der Geldanlage

Die EbAV-II-Richtlinie zwingt Pensionskassen und Fonds, offenzulegen, wie sie ESG-Faktoren bei ihrer Geldanlage berücksichtigen. Treasurer sollten sich auf steigenden regulatorischen Druck vorbereiten.

Die EU will mit einem umfassenden Aktionsplan den Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaft vorantreiben. Das Ziel, dafür mehr Kapital zu mobilisieren, trifft auch Treasurer im Hinblick auf die betriebliche Altersversorgung. Eine entsprechende EU-Richtlinie hat der deutsche Gesetzgeber Anfang dieses Jahres in der EbAV-II-Richtlinie umgesetzt. „Der EU-Aktionsplan diffundiert jetzt schrittweise in viele Einzelgesetze“, erläutert Kai Beckmann, Experte für Governance, Risk und Compliance bei Mazars.

„Pensionskassen und Pensionsfonds müssen künftig darüber Auskunft geben, ob und wie sie ESG-Faktoren bei der Geldanlage berücksichtigen.“ Über kurz oder lang kämen Investoren grundsätzlich nicht darum herum, das eigene Portfolio einer ESG-Analyse zu unterziehen, also auf Fragen hinsichtlich der Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie der Unternehmensführung zu untersuchen. Dafür sollten Treasurer, die langfristige Geldanlagen tätigen, schon jetzt die notwendigen Systeme und Kompetenzen aufbauen. Seiner Beobachtung nach seien die meisten Unternehmen noch kaum auf die bevorstehenden regulatorischen Entwicklungen vorbereitet.

Treasurer bei ESG-Anlage noch ganz am Anfang

Auch Florian Sommer, Leiter des Nachhaltigkeitsresearch bei Union Investment, sieht Pensionsfonds und -kassen bislang in ESG-Hinsicht noch am Anfang. Er erwartet, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten weiter steigen wird - auch wenn mit der Richtlinie kein direkter Zwang einhergeht, nachhaltig anzulegen.

„Wir spüren ein wachsendes Interesse bei Unternehmen, wobei viele Treasurer sich nun erstmal mit den Grundfragen befassen müssen“, sagt er. „Warum sollte ich überhaupt ESG-Kriterien berücksichtigen? Könnte dabei ein finanzieller Nachteil entstehen?“ Die Frage nach einem möglichen Renditenachteil ist nach Ansicht des Experten inzwischen hinreichend beantwortet: Es sei zumindest kein negativer Effekt auf die Performance erkennbar. Auch die Frage nach dem Warum lässt sich laut Sommer schnell beantworten: „Institutionelle Investoren können auf diesem Weg Reputationsrisiken reduzieren, die aus ihren Anlageentscheidungen resultieren.“

Ansätze, um ESG-Kriterien in der Geldanlage einzubeziehen, gibt es viele. Der einfachste Weg ist ein Ausschluss bestimmter Sektoren, wie etwa der Kohle- oder der Waffenindustrie. „Das wird am häufigsten praktiziert. Inzwischen geht die Entwicklung aber dahin, ESG-Faktoren in der gesamten Breite des Portfolios zu berücksichtigen“, erklärt Sommer.

Koegler[at]derTreasurer.de

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