Altersvorsorge: Am Ende soll für die Arbeitnehmer möglichst viel übrig bleiben.

Brian A. Jackson/iStock/Getty Images plus

29.11.18
Asset Management

Schreckgespenst Direktzusage?

Heubeck-Beraterin Katja Jucht spricht mit DerTreasurer über Unternehmen, die bei der Altersversorgung weiterhin auf die Direktzusage setzen. Das Nachzahlungsrisiko werde häufig überschätzt.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll dafür sorgen, dass mehr Betriebe eine bAV anbieten. Im sogenannten Sozialpartnermodell soll das in Form einer Beitragszusage erfolgen. Anstatt dem Arbeitnehmer eine feste Summe nach dem Eintritt in die Rente zu versprechen, garantiert der Arbeitgeber nur noch die Zahlung eines monatlichen Betrags bis zum Beginn des Rentenalters.

Katja Jucht, Beraterin bei dem bAV-Beratungsunternehmen Heubeck, begrüßt diese Möglichkeit, gibt aber zu bedenken, dass viele Unternehmen keinen Zugang zum Sozialpartnermodell haben, etwa, weil sie sich nicht an einen Tarifvertrag binden wollen: „In diesem Fall sollten Mittelständler bei der Direktzusage bleiben, es wird für sie im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ein Vorteil sein.“

Wenn Mittelständler aus Sorge um ihre Haftung zur reinen Beitragszusage wechseln wollen, ist das aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Dennoch werde das Risiko, selbst hohe Nachzahlungen leisten zu müssen, häufig überschätzt: „Im Zuge des Betriebsrentenstärkungsgesetzes wurden von uns und von vielen anderen Marktteilnehmern Simulationen und Analysen durchgeführt, um festzustellen, wie mögliche Verluste für den Arbeitnehmer verhindert oder möglichst gering gehalten werden können“, berichtet die Expertin.

Expertise aus Beitragszusage nutzen

Das Ergebnis der Untersuchungen: „Es ist auch im aktuellen Marktumfeld möglich, das Geld so anzulegen, dass Arbeitnehmer am Ende die Leistungen erhalten, die ihnen im alten Modell garantiert worden wären.“ Im Gegenzug bedeute das, dass auch Unternehmen in der Lage sind, dieses Ergebnis zu erzielen, wenn sie selbst in der Haftung stehen.

„Lediglich die Art, wie das Kapital angelegt wird, müssen viele Unternehmen überdenken", so die Expertin. Während Versicherungen aus regulatorischer Sicht gezwungen sind, sehr konservativ anzulegen, sind Unternehmen deutlich freier. "Sie können zum Beispiel durch Asset-Liability-Untersuchungen ihre Geldanlage verbessern."

Auch sogenannte Risikopuffer, die für Modelle der reinen Beitragszusage entwickelt wurden, können Unternehmen in ihrem Direktzusagesystem nutzen. "Wie hoch solche finanziellen Polster sein müssen, lässt sich ebenfalls genau errechnen", so Jucht.

Ganz uneigennützig sind Juchts Überlegungen natürlich nicht: "In den wenigsten mittelständischen Unternehmen dürfte das entsprechende Knowhow für diese Art der Geldanlage vorhanden sein", so die Expertin. Ohne Beratung von außen geht es also wohl selten.

Koegler[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.