Union Investment

05.09.18
Asset Management

Skepsis bei Aktienanlagen nimmt zu

Es mehren sich die Zeichen, dass sich die Aktienmärkte langsam abkühlen. Das dürfte auch Folgen für die Unternehmensgewinne haben, glaubt Union-Investment-Experte Michael Herzum.

Lange gab es an den Aktienmärkten fast nur den Weg nach oben. Inzwischen mehren sich aber die Zeichen einer Abkühlung - zumindest, wenn man die USA aus der Betrachtung herausnimmt, wo sich die Aktienkurse weiterhin sehr gut entwickeln.

„Noch sind wir insgesamt in einer sehr positiven Situation, aber die Fragezeichen nehmen zu“, glaubt auch Michael Herzum, der bei Union Investment für die Multi-Asset-Strategien zuständig ist. „Der Handelskrieg bringt eine erhöhte Unsicherheit mit sich, dazu kommt eine schwierige Situation in den Schwellenländern, die unter dem starken Dollar leiden“, sagt der Experte.

Herzum: „Unternehmen bekommen ein Kostenproblem“

Ob sich die Dynamik an den Aktienmärkten aber wirklich zeitnah abschwächen wird, ist noch nicht ausgemacht. „Wir sehen, dass es in einigen Bereichen noch großen Optimismus gibt. So erwarten Investoren zum Beispiel in fast allen Regionen eine Ausweitung der Gewinnmargen, die Unternehmen erzielen können“, erklärt Herzum. „Wir sehen das allerdings skeptisch. In einer so spätzyklischen Phase wie jetzt werden die Unternehmen früher oder später ein Kostenproblem bekommen.“

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Denn die Lohnkosten würden, nachdem sie lange Zeit niedrig blieben, aufgrund der angespannten Lage an den Arbeitsmärkten steigen, so der Experte. „Damit wird der Druck auf die Unternehmensgewinne zunehmen.“ Möglicherweise bereits ein Indikator dafür: Zuletzt war die Zahl der deutschen börsennotierten Unternehmen, die eine Gewinnwarnung abgeben mussten, laut einer Analyse des Wirtschaftsprüfers EY auf ein neues Rekordniveau gestiegen.

In Emerging Markets Abflüsse aus Aktien-ETFs

Investoren beginnen deshalb die Aktienmärkte bereits kritischer zu betrachten. „Bei den hohen Ständen an den Märkten müssen Investoren bereit sein, Risiko zu nehmen, wenn sie in Aktien investieren. Hier sehen wir eine wachsende Zurückhaltung“, sagt Herzum. Eine Union-Investment-Analyse zu den Zu- und Abflüssen in Aktien-ETFs bestätigt dies. „In Europa war der Wahlsieg von Emmanuel Macron der letzte Zeitpunkt, an dem Zuflüsse zu verzeichnen waren. Danach ließen die Zuflüsse nach, zuletzt gab es sogar deutliche Abflüsse“, berichtet Herzum.

Im Bereich Emerging Markets sind seit dem zweiten Quartal dieses Jahres, beschleunigt durch die Türkei-Krise, ebenfalls Abflüsse zu sehen. Doch Herzum schränkt ein: „Diese Ergebnisse sprechen vor allem auch für regionale Präferenzen der Investoren und spiegeln nicht nur ihr Interesse an der Assetklasse Aktie wider.“

Koegler[at]derTreasurer.de

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