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22.07.19
Asset Management

So definiert die EU Nachhaltigkeit

Die EU hat einen Entwurf ihrer Nachhaltigkeitstaxonomie vorgelegt. Sie will damit im ersten Schritt in sieben Wirtschaftssektoren einheitliche Kriterien für Investoren schaffen.

Die EU-Kommission hat den ersten Entwurf ihrer Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten vorgelegt. Ziel ist es, Investoren einen Kriterienkatalog an die Hand zu geben, der ihnen hilft, nachhaltige Investments zu identifizieren.

„In diesem Teil der Taxonomie hat sich die Gruppe mit insgesamt 67 Aktivitäten aus sieben Sektoren befasst“, erläutert Frank Sibert, der bei BNP Paribas für den Bereich Sustainable Business in Deutschland verantwortlich ist. Später sollen auch weitere Wirtschaftszweige klassifiziert werden. „Die sieben Wirtschaftszweige, die die Arbeitsgruppe jetzt betrachtet hat, sind derzeit für 93,2 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Daher liegt bei ihnen auch der größte Hebel zur Reduzierung der Treibhausgase.“

Die Taxonomie umfasst aber nicht nur Aktivitäten, die bereits einen grünen Fußabdruck aufweisen, sondern schließt auch Bereiche ein, in denen große Transformationen möglich und notwendig sind. „Anhand dieses Papiers soll es Investoren erleichtert werden zu erkennen, in welchen Sektoren der Transformationspfad erkennbar ist und durch Investitionen unterstützt werden kann“, erläutert der Experte.

Taxonomie soll größere Vergleichbarkeit bringen

Beispiel Transport: Ein Drittel des Energieverbrauchs geht auf das Konto dieses Sektors, Hauptenergiequelle ist Öl. Die EU gibt in ihrer Taxonomie an, welche Bedingungen für Aktivitäten in dem Sektor erfüllt sein müssen, damit dieser als nachhaltig angesehen wird. Bei Passagierzügen kann das etwa ein Grenzwert für den Ausstoß von CO2 pro Passagierkilometer sein. Gleichzeitig wird über die Taxonomie auch erkennbar, ob die Investition in vermeintlich nachhaltige Aktivitäten keine anderen übergeordneten Umweltschutzziele - wie etwa den Schutz von Wasser oder andere funktionierender Ökosysteme - gefährdet.

Rechtlich bindend ist das Papier allerdings nicht. Es soll Investoren lediglich den Auswahlprozess erleichtern - und deutlich machen, in welchen Bereichen Investitionen politisch gewünscht sind. Nachhaltigkeitsexperte Sibert ist überzeugt, dass die Taxonomie einen spürbaren Effekt haben wird. „Die Auswirkungen werden wir ab 2020 sicherlich sehen“, sagt er. „Wir beobachten bereits jetzt, dass Asset Manager sich das Thema sehr viel genauer ansehen und eine Menge neuer Produkte rund um das Thema Nachhaltigkeit auflegen.“ Mit der Taxonomie könnte in diesem Bereich eine größere Vergleichbarkeit Einzug nehmen.

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