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16.05.19
Asset Management

Sorge vor japanischen Verhältnissen wächst

Eine Zinswende ist nicht in Sicht, darauf haben sich Investoren bereits eingestellt. Nun laufen Diskussionen um einen Staffelzins.

Die Hoffnung auf eine baldige Zinswende ist schon lange begraben. Doch auch langfristig betrachtet, ist das Umfeld für Anleger mehr als schwierig. Die Fed hat ihre zuletzt anziehende Geldpolitik wieder gelockert. Eric Stein, Portfoliomanager bei dem Asset Manager Eaton Vance, spricht von einer starken „dovishen“ Wende. Grund dafür: Trotz Vollbeschäftigung verzeichneten die USA eine niedrige Inflationsrate. Bis sich das ändert, dürfte die Fed nach Ansicht von Stein bei den niedrigen Zinsen bleiben.

In Europa sieht die Lage nicht anders aus: Eigentlich war mit einer ersten Zinserhöhung im Laufe des Jahres gerechnet worden. Doch die ist vom Tisch - zu stark ist die sich abzeichnende konjunkturelle Schwäche im Euro-Raum. „Die Angst ist inzwischen da, dass wir in ein Japanszenario gerutscht sind“, berichtet Chefvolkswirt Edgar Walk von Metzler Asset Management. Wenn das so wäre, dann würden die Zinsen für lange Zeit auf diesem niedrigen Niveau stagnieren. Möglich sei allerdings auch, dass die Lage wesentlich weniger dramatisch ist und die Unternehmen und andere Marktteilnehmer aus Furcht vor einer neuen Rezession nur sehr vorsichtig agieren, meint er. Welches Szenario tatsächlich zutrifft, lässt sich derzeit für Walk noch nicht absehen.

Strafzinsen in der Kritik

In der jetzigen Diskussion rückt das Thema Strafzinsen in den Fokus. Einige Marktteilnehmer fordern, dass die EZB den negativen Einlagenzins möglichst bald anhebt, da er die Profitabilität europäischer Banken erheblich belaste. „Alternativ wird auch über die Einführung eines Staffelzinses diskutiert“, erklärt Walk. Bei dieser Methode, die in Japan bereits angewandt wird, werden Gelder erst ab einer bestimmten Summe mit dem negativen Einlagenzins belegt. Banken geben den negativen Zins in vielen Fällen an Kunden weiter. Walk ist wenig optimistisch, dass sich daran bald etwas ändern könnte: „Zuletzt hatten sich Mitglieder der EZB aber wieder ablehnend über die Einführung eines Staffelzinses geäußert.“ Bis auf weiteres werde man bei der Geldanlage für einen Ertrag über -0,4 Prozent Risiko eingehen müssen, meint er.
 
Auch bei der langfristigen Geldanlage gehören negative Renditen seiner Ansicht nach zur neuen Normalität. „Es ist ein Faktum des Anlegerdaseins, dass es Jahre wie 2018 geben wird, in denen über alle Anlageklassen hinweg Verluste verzeichnet werden“, betont Walk. Für 2019 erwartet er wieder eine deutlich bessere Performance - sowohl im Anleiheuniversum als auch bei Aktien könnten attraktive Renditen erzielt werden.

Koegler[at]derTreasurer.de

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