Sind alle Schäfchen im Trockenen? Anleger fragen verstärkt Wertsicherungsstrategien nach.

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27.05.20
Asset Management

Steigende Nachfrage nach Wertsicherung

In der Krise wächst das Sicherheitsbedürfnis bei Anlegern, Wertsicherungsstrategien sind gefragt. Mathias Weil von Metzler AM rechnet mit einem Umdenken bei Risiko und Rendite.

Die Coronakrise ist ein Härtetest für Anlagestrategien. Nachdem im Niedrigzinsumfeld die Suche nach Rendite die größte Herausforderung war, streben Investoren nun nach mehr Sicherheit. „Wir haben über alle Kundengruppen hinweg seit Beginn der Krise eine steigende Nachfrage nach Wertsicherungsstrategien erlebt“, berichtet Mathias Weil, Leiter des Teams Absolute Return & Wertsicherung bei Metzler Asset Management.

Diese könnten wie ein „künstlicher sicherer Hafen“ fungieren. Zwar hätten auch viele Wertsicherungsstrategien in der Krise deutliche Verluste verzeichnet. „Die Wertuntergrenzen konnten bei uns aber eingehalten werden und wir haben sogar Risikobudget behalten, um an Erholungen partizipieren zu können“, betont Weil.

Auch unter Treasurern wachse das Interesse, gerade für die Anlage eines Teils der Sockelliquidität. In den vergangenen Wochen haben sich viele Unternehmen wieder dickere Liquiditätspolster zugelegt. Im Schnitt zögen Treasurer die Wertuntergrenze bei Spezialfonds meist bei 98 Prozent ein, also mit 2 Prozent Risikobudget. „Im Niedrigzinsumfeld gab es allerdings viele, die den Wert auf 97 Prozent herabgesenkt haben.“

Wertsicherungsstrategien müssen Cash-Lock vermeiden

Zentral für die Funktionsweise der Wertsicherungsstrategien in einer Marktkrise ist es für Weil, dass das Risikobudget nicht vollständig ausgeschöpft wird.„Passiert das, landen sie schnell in einem Cash-Lock. Sie haben Verluste eingefahren, können aber an einer Erholung des Marktes nicht teilnehmen, da sie kein Risikobudget mehr haben.“ Deshalb sollte auch in Extremszenarien alles getan werden, um den Risikopuffer nicht komplett aufzubrauchen.

Zudem legt Weil Wert darauf, dass Wertsicherungsfonds nur aus liquiden Papieren bestehen sollten. „Wir setzen bei den Wertsicherungsstrategien im Rahmen der Liquiditätsanlage auf Futures auf Staatsanleihen und liquide Aktienindizes“, so Weil. Unternehmensanleihen dagegen gehören nicht dazu. „Diese Papiere werden in Krisenzeiten zu schnell illiquide und eignen sich daher nicht zur Einhaltung einer festen Wertuntergrenze“, sagt er.

Weil erwartet, dass die Krise für viele im Hinblick auf die Anlagestrategie ein Weckruf sein könnte. „Auf der Suche nach Rendite haben viele Anleger ihre Risikobudgets deutlich ausgeweitet und auch verstärkt in exotischere Anlageklassen investiert. Ich gehe davon aus, dass es hier wieder zu einem stärkeren Umdenken kommen wird und im Verhältnis von Risiko und Rendite der Risikofaktor wieder stärker ins Gewicht fallen wird.“

Koegler[at]derTreasurer.de

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