Immer mehr Unternehmen betroffen

21.10.14 08:00

Strafzinsen: Wie Treasurer reagieren

Von Antonia Kögler

Immer mehr Unternehmen werden von Banken mit negativen Zinsen konfrontiert. Einige Treasurer haben bereits reagiert und ihre Anlagestrategie verändert.

Die Liste der Unternehmen, die mit negativen Zinsen kämpfen, wird immer länger.

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EZB-Neubau in Frankfurt am Main: Die Zinslandschaft bleibt für Anleger anspruchsvoll.

Der Edelmetallkonzern Heraeus wurde schon von zahlreichen Kernbanken mit negativen Zinsen konfrontiert und hat deshalb einige Veränderungen vorgenommen. „Es hat eine Umschichtung von Overnight-Geschäften zu Termingeldern stattgefunden, allerdings mit kurzfristiger Laufzeit des Termingeldes“, sagt Thomas Frank, Head of Corporate Treasury bei Heraeus. Außerdem nutze das Treasury von Heraeus nullverzinste Kontokorrentkonten, um negative Zinsen zu vermeiden.

Die Deutsche Post konnte angedrohten negativen Zinsen bisher entgehen und setzt als Alternative vor allem auf laufende Konten mit 3-Monats-Basiszinssätzen. Andere weichen auf Geldmarktfonds oder Commercial Papers aus.

Bei allen Problemen, äußerten die von DerTreasurer befragten Finanzspezialisten aus Unternehmen Verständnis für die Lage der Banken. Die meisten empfinden die negativen Zinsen nicht als Strafe, sondern sehen sie als Ergebnis politischer Entscheidungen. Es sei eine „paradoxe Situation, die durch die Liquiditätsschwemme der EZB entsteht“, findet etwa Group Treasurer Markus Müller von der Messer Group. „Banken als Kapitalsammelstellen wollen oder können kein Kapital mehr sammeln.“ Der Messer Group selbst seien bisher allerdings keine negativen Zinsen für Anlagen angedroht worden.

Banken vermeiden klare Aussagen

Auf Seiten der Banken zeigt sich kein einheitliches Bild. Wenige haben sich wie die HypoVereinsbank vehement dagegen ausgesprochen. Andere, die derzeit keine negativen Zinsen erheben, äußern sich zurückhaltender zu dem Thema. Paul Hagen, Risikovorstand der HSBC in Deutschland, sagte gegenüber DerTreasurer, die Bank sehe derzeit keine Notwendigkeit, gegenüber mittelständischen Firmenkunden negative Zinsen zu erheben. Er betont allerdings: „Wir verfolgen aber die Entwicklung der Geldmarktsätze in der Eurozone weiterhin und werden gegebenenfalls reagieren.“

Auch die Commerzbank schließt negative Zinsen für die Zukunft nicht aus. Ob es zu diesem Schritt kommen werde, hänge von den weiteren Entscheidungen der EZB ab. Einige haben bereits Konsequenzen aus den negativen Einlagenzinsen der EZB gezogen und geben sie in Einzelfällen an Firmenkunden weiter. Die ING gibt sie derzeit nur an Finanzdienstleister weiter. Die DZ Bank betont, dass sie nach Möglichkeit unter Berücksichtigung der Kundenbeziehungen keine negativen Zinsen erhebe. Die LBBW lässt lediglich verlauten, dass grundsätzlich im kurzfristigen Bereich keine negativen Zinsen vorgesehen seien, es aber einzelvertragliche Regelungen gebe, zu denen man sich nicht äußern wolle.

Auch der Branchenprimus Deutsche Bank dementiert die Erhebung von „Strafzinsen“ in Einzelfällen nicht. Für institutionelle Kunden biete sie „Anlagealternativen an, um auf das geänderte Zinsumfeld reagieren zu können“. Negative Zinsen könnten in Zukunft verstärkt Druckmittel sein, um Unternehmen zur Änderung des Anlageverhaltens zu bringen. Solange die Situation sich nicht ändert, werden Treasurer sich nach riskanteren Alternativen umschauen oder die Strafzinsen im Zweifel zähneknirschend in Kauf nehmen müssen.

Koegler[at]derTreasurer.de