Kommt bald die Steuer auf den Aktienhandel?

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03.12.19
Asset Management

Transaktionssteuer wird konkreter

Die Diskussion um die Einführung einer Transaktionssteuer für den Aktienhandel nimmt Fahrt auf. Unumstritten ist sie nicht.

Über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer wird schon seit Jahren gestritten. Deutschland und Frankreich haben einen gemeinsamen Vorstoß gemacht. Sollte eine europäische Lösung scheitern, erwägt Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Steuer gegebenenfalls nur auf nationaler Ebene einzuführen. Jetzt sollen jedoch zehn Länder Medienberichten zufolge bereit sein, diese Steuer einzuführen. Die Aktien von in diesen Ländern ansässigen Unternehmen wären betroffen, wenn ihre Marktkapitalisierung 1 Milliarde Euro überschreitet.

Zwischen 0,2 und 0,3 Prozent könnte der Fiskus ab 2021 pro Aktienhandel verlangen. „Die Steuer soll nur Aktien betreffen, für Optionsscheine, Derivate und andere spezielle Finanzinstrumente (wie CDS) soll keine Steuer anfallen“, so Cornelia Wiendl, Steuerberaterin und Fachanwältin für Steuerrecht bei CMS. Allerdings seien es gerade diese Instrumente, die für kurzfristige Spekulationen genutzt werden, die wiederum durch die Steuer eigentlich unattraktiver gemacht werden sollen. Ebenfalls ausgenommen werden wohl das sogenannte Intraday Trading mit Aktien und Börsengänge.

„Grundsätzlich ist die Lenkungsfunktion, also die Eindämmung von Spekulationen über eine solche Steuer, höchst umstritten und sie wirft zahlreiche rechtliche Fragen auf“, so Wiendl. „Aus meiner Sicht führt eine einseitige Belastung eines einzelnen Produkts eher zu einer Marktverzerrung.“ Wenn überhaupt sollte eine entsprechende Steuer auch auf andere, insbesondere spekulative Produkte ausgedehnt werden, so die Anwältin. Sonst könnte die Aktie als Anlageinstrument an Attraktivität verlieren, die bei deutschen Privatanlegern ohnehin nicht so hoch im Kurs steht wie in anderen Ländern. Davor warnen Kritiker des Vorstoßes gerade in Zeiten niedriger Zinsen.

Details über Finanztransaktionssteuer noch offen

Ebenfalls offen ist, ob Altersvorsorgeeinrichtungen von der Steuer ausgenommen wären. Aus Wiendls Sicht wäre es sinnvoll. Andernfalls würde die Steuer statt Spekulanten eher Privatanleger treffen, deren Rendite bei der Kapitalanlage für die Rente weiter sinken würde.

Noch sind sehr viele Details über die konkrete Umsetzung der Steuer offen. Wiendl rät Treasurern aber, die Diskussion genau zu verfolgen. „Auch wenn seit Jahren über die Einführung einer solchen Steuer diskutiert wird, könnte der aktuelle Vorschlag auch in einer tatsächlichen Umsetzung münden“, argumentiert sie. Der Zusammenschluss von Deutschland und Frankreich in dieser Sache, ebenso wie die deutsche Spitze der EU-Kommission könnten den Weg dafür freimachen.

Koegler[at]derTreasurer.de


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