Sicherheit steht bei Treasurern bei der Geldanlage derzeit ganz oben auf der Agenda.

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13.07.20
Asset Management

Treasurer flüchten in sichere Häfen

In der Coronakrise haben Unternehmen hohe Liquiditätsbestände aufgebaut. Doch wohin damit? Für Treasurer zählt dabei nun vor allem Sicherheit.

Safe Havens spielen in Krisenzeiten eine wichtige Rolle. Qualitativ hochwertige Staatsanleihen, Gold oder Reservewährungen zählen dabei zu den Klassikern. JP Morgan Asset Management rät in einem aktuellen Report Safe Havens breiter zu definieren und auch Infrastruktur oder Immobilien nicht außer Acht zu lassen.

Das Streben nach Sicherheit zeigt sich auch bei der kurzfristigen Geldanlage von Corporate Treasurern, die in der Krise häufig besonders große Liquiditätspolster aufgebaut haben. „Hier haben wir deutlich eine Flucht in qualitativ hochwertige Produkte gesehen“, kommentiert Lutz Karl, Co-Leiter der Global Corporate Bank von JP Morgan in der DACH-Region.

Dabei habe das Rating der Banken eine große Rolle gespielt. „Treasurer haben stark darauf geachtet, wobei es nicht mit der Situation im Jahr 2008 vergleichbar war, wo ein Fokus auf die Bonitäten der Banken deutlich ausgeprägter war“, berichtet der Experte. 

Geldmarktfonds und Corporate Bonds als Alternative

Auch Geldmarktfonds hätten profitiert und seien von Treasurern stärker nachgefragt worden. Die Hauptwährungen, in denen Cash-Bestände vorgehalten wurden, waren wie gewohnt der US-Dollar und der Euro. „Hierbei konnten im US-Dollar-Raum auch in kurzfristigen Instrumenten konstant positive Renditen erzielt werden, während die Renditen in Euro denominierten Geldmarktfonds trotz kurzfristiger Zinsanstiege am Geldmarkt weiterhin deutlich negativ waren.“

Treasurer, die im mittelfristigen Anlagebereich auch auf Corporate Bonds setzen, hätten diese Investments noch verstärkt. „Unternehmen kommen bei den Banken, bei denen sie Geld anlegen, auch irgendwann an Limits. Da bieten sich gut geratete Unternehmensanleihen als Alternative an“, erklärt Karl. Mit dem Boom an Neuemissionen gab es dafür auch viele Gelegenheiten. Allerdings hätten diese Option seiner Beobachtung nach nur Unternehmen genutzt, die auch schon vor der Krise in dem Markt aktiv waren. „In der Krise hat kein Treasurer Zeit gehabt, völlig neue Anlagestrategien zu entwickeln“, so der Experte.

Insgesamt hätten sich rund 80 Prozent seiner Gespräche mit Treasurern in den vergangenen Wochen und Monaten um das Thema Finanzierung gedreht. „Erst wenn dieses Thema gelöst war, wurde debattiert, wo man die Liquidität am besten parkt“, berichtet er. Karl geht davon aus, dass sich viele Treasurer angesichts der höheren Geldbestände nun intensiver mit ihrer Anlagepolitik auseinandersetzen werden.

Koegler[at]derTreasurer.de

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