Die schwarze Null wollen viele erreichen, längst nicht alle schaffen es. Und auf einen Zinsanstieg müssen sich die Treasurer nun auch vorbereiten.

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04.07.18
Asset Management

Treasurer kämpfen weiter mit „Strafzinsen“

Das Niedrigzinsumfeld hat die Treasurer noch fest im Griff. Doch die Diskussionen über eine mögliche Zinswende sind in vollem Gange. Wie Treasurer sich darauf vorbereiten können.

Die EZB wird ihr Anleihekaufprogramm zum Jahresende beenden. Während einige darin den ersten Schritt zu einer strafferen Geldpolitik sehen, werten andere es eher zurückhaltend. Die Experten sind sich jedenfalls einig: Vor Sommer 2019 erwarten sie keine Zinsanhebung.

Treasurer sind noch skeptischer. In einer Umfrage auf dem Cash Management Campus vergangene Woche gaben 47 Prozent an, erst 2020 einen Zinsschritt zu erwarten. Immerhin 27 Prozent kämpfen mit Strafzinsen. Einige vermeiden sie noch durch geschicktes Umschichten, ganz umfahren kann sie aber nicht jeder.

Wenige bereiten sich auf Zinswende vor

Damit sind Treasurer momentan mehr beschäftigt als mit den Folgen einer mögliche Zinswende, meint Ulrich Zwanzger, zuständig für die institutionellen Großkunden bei dem Asset Manager Union Investment: „Während einige wenige sich bereits intensiv damit auseinandersetzen, spielt es bei anderen eine sehr untergeordnete Rolle“, erklärt er. Ein Grund dafür liege auch darin, dass sich viele Treasurer bewusst keine Marktmeinung bilden wollen.

Zwanzger rät dennoch, sich bereits jetzt sowohl im kurz- als auch im langfristigen Bereich auf die Zinswende vorzubereiten. Wegen der Strafzinsen, die viele Banken an ihre Kunden weiterreichen, haben viele Unternehmen ihre kurzfristige Anlage auf mehrere Monate bis zu einem Jahr ausgeweitet.

„Im kurzfristigen Bereich empfehlen wir jetzt, die Duration der Anlagen wieder etwas zu reduzieren“, so der Anlageexperte. „Neben den Einlagen bei der Bank sind zudem geldmarktnahe Fonds empfehlenswert, die auf einen hohen Anteil an Floating Rate Notes setzen“, so Zwanzger. Durch die variable Verzinsung können Unternehmen sich besonders gegen schnell steigende Zinsen absichern.

Hohe Kursverluste drohen

Im langfristigen Bereich sollten Unternehmen sich insbesondere bei festverzinsten Anleihen, denen hohe Kursverluste drohen können, gegen die Risiken eines Zinsanstiegs absichern. Eine Stellschraube, um das abzufangen, kann ebenfalls eine kürzere Duration sein. „Dazu kommt, dass der beste Schutz nach wie vor ein breit diversifiziertes Portfolio ist“, sagt Tobias Löschmann, Chef des institutionellen Bereichs beim Asset Manager Amundi.

In dem Bereich hätten Kunden in den vergangenen Jahren bereits einiges getan, diese Entwicklung sollten sie fortsetzen. „Gerade Assetklassen und Strategien, die unkorreliert zu Aktien- und Rentenmärkten sind, können sinnvoll sein“, so der Experte. Auch Private Debt und Loans können einen Blick wert sein, da sie häufig variabel verzinst sind.

Koegler[at]derTreasurer.de

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