Die politischen Entscheidungen in Großbritannien sorgten zwischenzeitlich für große Unruhe am UK-Bondmarkt.

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01.11.22
Asset Management

Unruhe am Bondmarkt bringt Anlagechancen

Verwerfungen am Bondmarkt haben Investoren zuletzt intensiv beschäftigt, gerade in Großbritannien waren die Auswirkungen drastisch. Mittelfristig macht das die Assetklasse wieder interessanter.

Die politischen Entscheidungen in Großbritannien, die nun wieder zurückgenommen wurden, haben den britischen Bondmarkt zwischenzeitlich auf Talfahrt geschickt. Am Eurobondmarkt war die enorme Volatilität ebenfalls zu spüren, hat sich aber nicht so massiv ausgewirkt. „Insgesamt haben wir seit Jahresbeginn einen extrem volatilen Markt“, sagt Stephan Ertz, Abteilungsleiter Credit bei Union Investment.

Volatilität habe es immer wieder gegeben, aber dass sie so lange anhält, ist neu. Für Investoren hat das gute und schlechte Seiten, je nachdem, ob das eigene Portfolio vom Sinkflug betroffen ist und deshalb erst mal Zurückhaltung bei Neuinvestitionen geübt wird oder Investoren neue Anlagechancen wittern. „Zwischenzeitlich gab es am UK-Bondmarkt Papiere, die im Vergleich zu Bonds des gleichen Emittenten in Europa, über 1 Prozentpunkt mehr einbrachten.“

Politische Entscheidungen lösten Kursstürze aus

Ein Risiko für einen Crash wie in UK, also politisch ausgelöste Kursstürze, die zudem durch Margin-Anforderungen bei Swap-Geschäften von Pensionskassen noch verstärkt wurden, sieht Ertz in Europa akut nicht, auch wenn die Gemengelage hier ebenfalls schwierig sei. „Auch in Deutschland sehen wir, dass die Zentralbank versucht, die Inflation einzudämmen, während die Politik die wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung durch Unterstützung abfedern will – sie agieren also auch konträr“, argumentiert er.

Allerdings seien die Maßnahmen deutlich überschaubarer, weshalb der Markt sie auch eher gelassen zur Kenntnis nähme. Trotz aller Unsicherheit führe die aktuelle Entwicklung an den Bondmärkten eher dazu, dass Investments in diese Assetklasse wieder interessanter würden.

Höhere Renditen locken Investoren

„Es gibt wieder Zinsen bei Staatsanleihen, es gibt wieder High Yield Bonds mit 9 Prozent Zinsen - das haben wir lange nicht gesehen“, so der Experte. Das wirke sich schon in steigenden Anfragen bezüglich Bondinvestitionen aus. „Aktuell ist die Rendite bei europäischen Investmentgrade-Unternehmensanleihen höher als die Dividendenrendite auf die großen Aktienindizes, was sehr selten der Fall ist und Unternehmensanleihen relativ attraktiv macht“, erklärt Ertz.

Auch die Risiken seien zweifellos gestiegen. „Wir sehen daher einen Trend, die Portfolios liquider zu halten, damit man auf jeden Fall eventuelle Margin-Anforderungen leisten kann.“ Das heißt mehr liquidere Assets und mehr Kasse. „Das Schöne daran ist, dass es ja auch auf Cash inzwischen wieder Zinsen gibt“, so Ertz. Die Märkte können derzeit schnell die Richtung ändern, weshalb eine gute Absicherung über Derivate, wie etwa Futures, ebenfalls besonders nachgefragt ist. "In einem schwierigen Umfeld eignen sich vor allem liquide, börsengehandelte Produkte."

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