Die Erträge in der Asset-Management-Branche werden sinken - mit bösen Folgen für manch einen Vermögensverwalter.

belekekin/istock/Thinkstock/Getty Images

31.07.18
Asset Management

Vielen Asset Managern droht das Aus

Vermögensverwalter stehen unter Druck. Die Hälfte des Asset-Management-Marktes droht, in den kommenden Jahren zu kollabieren, glaubt die Beratung Bain. Aber welche Anbieter bleiben übrig?

Auf Vermögensverwalter kommen harte Zeiten zu: Bis 2022 müssen sich Asset Manager weltweit auf weiter sinkende Erträge einstellen. In den kommenden vier Jahren dürfte der Ertrag pro verwaltetem Euro Vermögen jedes Jahr im Schnitt um 7 Prozent fallen. Zu diesem Ergebnis kommt die internationalen Managementberatung Bain & Company in einer aktuellen Studie.

Besonders hart trifft es demnach die bereits heute weniger erfolgreichen Vermögensverwalter: Die Beratung geht davon aus, dass die Gewinnspanne zwischen den zehn stärksten und den zehn schwächsten Asset Managern von 10 Basispunkten im vergangenen Jahr auf 13 Basispunkte im Jahr 2022 ansteigen wird.

Zum Vergleich: 2013 lag die Ertragskluft zwischen den Top-Performern und den Schlusslichtern bei nur 4 Basispunkten. Für einen mittelgroßen Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von 300 Milliarden Euro im Jahr 2022 bedeutet das einen Gewinnunterschied von rund 400 Millionen Euro, rechnet Bain vor.

Verändertes Anlegerverhalten setzt Asset Manager unter Druck

Die Gründe für diese Entwicklung sind einfach: Während das weltweit verwaltete Vermögen langsamer wächst, steigen gleichzeitig die Kosten. Zudem unterschätzten laut Bain viele Vermögensverwalter, wie stark staatliche Regulierung und der Technologiewandel ihr Geschäftsmodell gefährdeten. Auch das veränderte Anlegerverhalten mache den Asset Managern zu schaffen. Denn diese verglichen zunehmend Produkte, Preise sowie Services der Anbieter und entschieden sich immer seltener für aktiv gemanagte Formen der Geldanlage, heißt es seitens der Beratung.

Das gilt längst nicht mehr nur für Privatkunden. Auch Unternehmen setzen inzwischen verstärkt auf passives Management: So hat beispielsweise die Deutsche Telekom erst vor einigen Monaten das bislang an die Allianz ausgelagerte Management der Pensionsverpflichtungen über 3,6 Milliarden Euro wieder zurück ins Haus geholt. Der Grund: Die Bonner sahen die Kosten für das aktive Management aufgrund des seit Jahren herrschenden Niedrigzinsumfelds als zu hoch an. Durch das Insourcing spart der Telekommunikationskonzern eigenen Angaben zufolge jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag für Anlageberatung und aktives Management.

Aber auch der deutsche Mittelstand überdenkt angesichts des Niedrigzinsumfeldes seit einiger Zeit seine Anlagestrategie. Mittelständische Unternehmen legen weniger Geld auf die hohe Kante, stattdessen investieren sie mehr: Sie kaufen verstärkt zu oder schütten mehr Gewinne aus.

Fokus auf Nischen- oder Skalenstrategie wichtig

Dass sich sowohl Großkonzerne als auch mittelständische Unternehmen bei der Geldanlage umorientieren, spüren gerade Asset Manager, die austauschbare Standardservices anbieten, sagt Mike Kühnel, Bain-Partner und Co-Autor der Studie: „Vielen kleinen und mittelgroßen Vermögensverwaltern ohne wirkliche Alleinstellungsmerkmale droht das Aus.“ Und diese Asset Manager stünden für rund 50 Prozent des weltweiten Marktvolumens. Für die Vermögensverwalter sei es deshalb wichtig, sich entweder für eine Nischen- oder eine Skalenstrategie zu entscheiden. Nur so könnten sie überleben.

Paulus[at]derTreasurer.de

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