Ist das schon die Zinswende?

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29.05.15
Asset Management

Zinswende oder temporäres Phänomen?

Plötzlich steigt die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen wieder. Über die Gründe wird viel spekuliert. Und darüber, ob der Wandel auch anhält.

Ist das die Zinswende? Die Frage beschäftigt seit Anfang Mai die Experten für den Anleihemarkt, als die Rendite der zehnjährigen Deutschen Bundesanleihen wieder gestiegen ist. Aktuell pendelt sie rund um 0,6 Prozent. Experten reagierten überrascht, nachdem es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit gewesen zu sein schien, bis auch diese länger laufenden Bonds eine negative Rendite aufweisen.

Als Grund für die Renditesteigerung gilt unter anderem, dass die Konjunkturerwartungen in der Euro-Zone besser geworden sind. Außerdem rechnen viele Marktteilnehmer mit einer steigenden Inflation, auch weil der Ölpreis zuletzt wieder gestiegen ist. Eine andere Ursache sehen viele in den Äußerungen einiger einflussreicher Akteure, die sich für Wetten gegen Bundesanleihen ausgesprochen haben.

Tobias Bockholt, Leiter Institutionelle Kunden bei BNP Paribas Investment Partners, sieht in dem Trend zu sinkenden Kursen und steigenden Renditen bei langlaufenden Staatsanleihen noch keine dauerhafte Zinswende: „Ich würde es weiterhin als temporäres Phänomen betrachten – die Fed steht ja in den Startlöchern, die Zinsen wieder anzuheben, was auch Auswirkungen auf europäische Anleihen haben wird. Außerdem zieht die EZB nicht umsonst ihr Anleihekaufprogramm vor, um aktuell noch mehr Liquidität in den Markt zu geben.“ Von DerTreasurer befragte Finanzexperten aus Unternehmen rechnen erst gegen Ende 2016 mit einer nachhaltigen Trendwende. Der 3-Monats-Euribor ist ebenfalls nach wie vor negativ.

EZB verstärkt Anleihekauf

Die EZB will ihr QE-Programm in den nächsten Wochen verstärken und dafür in den schwachen Monaten Juli und August weniger Anleihen kaufen. Die Ankündigung führte zu heftigen Marktbewegungen, der Euro beendete seinen Aufwärtstrend und verlor deutlich gegenüber dem Dollar. Für Unmut sorgte außerdem, dass einige ausgewählte Marktteilnehmer schon früher von der temporären Ausweitung des Programms erfahren hatten.

Koegler[at]derTreasurer.de