Wettbewerb durch Fintechs

14.06.18 10:59

Bain: Die Preise im Transaction Banking werden sinken

Von Desiree Backhaus

Deutsche Bank, Société Générale, HSBC – viele Banken hegen ambitionierte Wachstumsziele für ihr Transaction Banking. Die Unternehmensberatung Bain mahnt nun: Die Erwartungen sind überzogen, der Wettbewerb durch digitale Angebote nimmt zu.

Viele Banken möchten im Transaction Banking wachsen.

Meinzahn/Thinkstock/Getty Images

Viele Banken möchten im Transaction Banking wachsen.

Während im Investmentbanking die Erträge bröckeln, rückt das Transaktionsgeschäft mit seinen stabilen Erträgen in den Fokus vieler Banken – zu vieler, glaubt die Unternehmensberatung Bain. „Die Preise werden angesichts des zunehmenden Wettbewerbs sinken“, prognostiziert Bain-Partner und Bankenexperte Jan-Alexander Huber anlässlich einer neuen Studie, die die Beratung vorgelegt hat.

Die Wachstumspläne vieler Banken im Geschäft mit Cash Management, Zahlungsverkehr und Trade Finance sind durchaus ambitioniert: So will etwa die Société Générale ihre Einnahmen im Transaction Banking in den kommenden drei Jahren weltweit um 350 Millionen Euro steigern. Auch Deutschland soll dazu beitragen. Die HSBC erwartet, dass ihr Transaction Banking mit 20 Prozent Rendite auf das von der Bankenaufsicht voll anerkannte Eigenkapital (ROTE) deutlich profitabler wirtschaftet als das übrige Firmenkundengeschäft. Und bei der Deutsche Bank soll das Geschäfte mit Cash Management, Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierung künftig etwa einen Ertragsanteil von etwa 15 Prozent für die Gesamtbank beisteuern.

Aber es sind nicht nur die global tätigen Banken, die ihr Transaktionsgeschäft ausbauen wollen. Bain zufolge machen auch lokale und regionale Finanzinstitute den Großbanken Firmenkunden abspenstig – vor allem im mittelständischen Kundensegment. Zumindest mit Blick auf das Cash Management lässt sich diese These der Beratung allerdings nicht bestätigen: In einer jährlichen Umfrage der US-Beratung Greenwich unter Treasurern und Finanzverantwortlichen bauen die Großbanken seit Jahren sukzessive ihren Vorsprung gegenüber den kleineren Instituten aus. Ein Grund dafür dürften die Anstrengungen vieler Unternehmen sein, ihr Treasury stärker zu zentralisieren und Bankbeziehungen zu rationalisieren.

Technologiekonzerne und Fintechs erhöhen den Druck

Zudem drängen auch immer mehr Technologiekonzerne und Fintechs ins Transaction Banking. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis digitale Anbieter traditionellen Banken deren Markt strittig machen“, meint Bain-Partner und Bankenexperte Christian Graf. Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, die Banken zur Öffnung ihrer Systeme für Drittanbieter verpflichtet, dürfte diese Entwicklung beschleunigen.

Exemplarisch nennt die Beratung etwa die Bestrebungen der E-Commerce-Giganten Alibaba oder Amazon, sich als Finanzier ihrer Marktplatzteilnehmer zu etablieren. Auch den Ansatz des Fintechs Ripple, mit Hilfe der Blockchain-Technologie grenzüberschreitende Zahlungen in Echtzeit zu ermöglichen, hält die Beratung für vielversprechend.

Bain: Blockchain sorgt für massive Einsparung in Trade Finance

In der Handelsfinanzierung sieht Bain ebenfalls großes Potential durch die Blockchain: Der Beratung zufolge kann die Technologie die Kosten von Handelsfinanzierungen um 50 bis 80 Prozent reuzieren. Abwicklung, Rechnungsstellung und Bezahlung werden künftig nahezu zeitgleich erfolgen – und die Preise entsprechend sinken.

Es ist allerdings nicht so als würden Banken dieser Entwicklung nichts entgegensetzen. Den Ratschlag von Bain, Partnerschaften mit Technologieanbietern zu suchen, verfolgen viele Institute bereits: So kooperieren etwa Standard Chartered, Santander und die SEB mit Ripple. Auch im Bereich der Handelsfinanzierung haben einige Banken die Flucht nach vorne angetreten. Hier bauen gerade gleich drei Konsortien aus Banken und Technologieanbietern Blockchain-basierte Plattformen auf. Als erstes ging Mitte April die Plattform Batavia mit Transaktionen von Audi und Lenzing an den Start. Mitte Mai wickelte dann die HSBC ein Akkreditiv für eine Schiffsladung Sojabohnen per Blockchain ab.

Fraglich ist allerdings, wie die Banken in dem neuen Umfeld künftig Geld verdienen werden. Bain rät den Banken sich auf neue Abrechnungsformen im Transaction Banking einzustellen: Kleinteilige, rein transaktionsgetriebene Gebührenstrukturen sollen durch Pauschalgebühren für die Bereitstellung umfassender Lösungen ersetzt werden.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Auf der Themenseite Blockchain bleiben Sie über die aktuellen Entwicklungen in der Nutzung der Zukunftstechnologie informiert. Wie Banken sich im Moment im Transaction Banking aufstellen, erfahren Sie auf der Themenseite Transaction Banking im Wandel.

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