23,3 Prozent oder 6,7 Milliarden Euro: So hoch können die Gewinnausfälle der deutschen traditionellen Banken im Zahlungsverkehr werden, hat das Beratungshaus Accenture in seinem diesjährigen World Payments Survey errechnet.

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08.10.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Banken drohen Gewinneinbrüche im Zahlungsverkehr

Bis 2025 könnten deutsche Banken mehr als 20 Prozent ihrer Erträge im Zahlungsverkehr verlieren, warnt Accenture. Neben einer sich ändernden Zahlungsinfrastruktur macht den Geldhäusern besonders die Konkurrenz zu schaffen.

Steht den gebeutelten deutschen Banken die nächste Hiobsbotschaft bevor? Das Beratungshaus Accenture hat in seinem aktuellen „World Payments Survey“ ausgerechnet, dass auf die deutschen Banken bis zum Jahr 2025 Gewinneinbußen von jährlich rund 6,7 Milliarden Euro im Zahlungsverkehr zukommen könnten.

Die Erhebung basiert auf einem Revenue-Risk-Analyse-Modell von Accenture, das Veränderungen im Zahlungsverhalten der Verbraucher sowie Veränderungen im Handel, in der Technologie und in der Regulierung abbildet. Für die Studie befragte das Beratungshaus 240 Zahlungsverkehrsexperten von Banken in 22 Ländern.

Anschließend stellte Accenture folgende Berechnung an: Der Beratung zufolge erwirtschaften die deutschen Banken derzeit insgesamt 25 Milliarden Euro im Zahlungsverkehr. In den kommenden sechs Jahren dürfte der deutsche Zahlungsverkehrsmarkt kumuliert um 15,4 Prozent wachsen. Entsprechend lägen die Gesamterträge im Jahr 2025 bei 28,83 Milliarden Euro. Davon dürften die Banken Accenture zufolge aber nur 22 Milliarden Euro einstreichen.

Banken sollten Geschäftsmodelle überdenken

Die Differenz von 6,7 Milliarden Euro verlieren die Banken durch drei zentrale Veränderungen im Zahlungsverkehr: Erstens rechnet die Beratung damit, dass die Erträge aus Konto- und Kartengebühren in den kommenden Jahren deutlich rückläufig sein werden. In Deutschland, so Accenture, werden die Gebühreneinbußen der Banken mit 19,4 Prozent besonders stark ausfallen. Damit wird allein durch den Preisdruck auf Konto- und Kartengebühren das von Accenture erwartete Wachstum im deutschen Zahlungsverkehr bis 2025 von 15,4 Prozent überkompensiert.

Zum Vergleich: Weltweit verlieren die Banken durch sinkende Konto- und Kartengebühren der Studie zufolge nur 8 Prozent ihrer Erträge. Zugleich wächst der globale Zahlungsverkehrsmarkt mit 38,5 Prozent mehr als doppelt so stark wie der deutsche.

Mehr Konkurrenz durch Nicht-Banken im Zahlungsverkehr

Als zweite Ursache führt Accenture den steigenden Wettbewerb mit reinen Direktbanken, wie zum Beispiel N26 sowie Nicht-Banken wie Paypal, Google, Amazon und Co. an. Die Beratung rechnet im Zuge dieser Konkurrenz mit Gewinneinbußen von rund 3 Prozent für die klassischen Banken. Damit schneiden die deutschen Geldhäuser aber etwas besser ab als der globale Durchschnitt mit 3,9 Prozent Ertragsverlust.

Eine große Rolle werde der Vormarsch der „virtuellen Brieftasche“ im Zahlungsverkehr spielen, so die Studie. Hier seien die neuen Konkurrenten den etablierten Geldhäusern voraus: „Im Zahlungsverkehrsmanagement stehen traditionelle Banken unter Druck und spüren den zunehmenden Erfolg der Nicht- und Digitalbanken“, erklärt Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte bei Accenture.

Accenture sieht Instant Payments als Risiko für Banken

Drittens werden Echtzeitzahlungen, sogenannte Instant Payments, auch hierzulande die klassische Kartenzahlung in bestimmten Bereichen verdrängen und Gewinneinbußen von knapp einem Prozent (global 2,7 Prozent) zur Folge haben, rechnet Accenture vor.

Es gibt jedoch auch Experten, die darauf hoffen, dass Banken von den Instant Payments profitieren könnten: Sofern die traditionellen Geldhäuser ihren Kunden Echtzeitzahlungen bequem und kostengünstig anbieten, könnten die Banken verlorene Marktanteile im Zahlungsverkehr von den Technologiekonzernen zurückerobern, lautet die Argumentation.

Ob sich dies jedoch in höheren Erträgen für die Banken widerspiegelt, ist allerdings fraglich. Schließlich würde eine Rückeroberung von Marktanteilen voraussetzen, dass Banken für Echtzeitzahlungen keine höheren Gebühren erheben als für klassische Überweisungen – während sie zugleich in den Aufbau von Instant-Payment-Infrastrukturen investieren müssen.

Auch die Antworten der befragten Banker weltweit verstärken den Eindruck, dass die Institute ihre Ertragsquellen im Zahlungsverkehr überarbeiten werden müssen: 71 Prozent gaben an, dass sie damit rechnen, dass Zahlungen in Zukunft weitgehend unentgeltlich werden. Ähnliche Antwortwerte gelten für die Instant Payments: 78 Prozent erwarten, dass Echtzeit-Zahlungen entweder bereits genutzt werden oder in den kommenden zwölf Monaten erfolgen werden.

Ploner[at]DerTreasurer.de

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