kite_rin_stock.adobe.com

19.11.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Boom im E-Commerce fordert das Treasury

E-Commerce wird als Absatzkanal immer wichtiger. Corona und der Bilanzskandal beim Zahlungsabwickler Wirecard erhöhen den Druck auf das Treasury, aktiv zu werden.

Der Online-Handel boomt: Allein in den ersten neun Monaten ist der E-Commerce-Umsatz in Deutschland um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Gut 56 Milliarden Euro wurde von Januar bis September online abgesetzt, rechnet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel vor. Corona hat diesen Trend befeuert: Nicht nur der Modehändler Zalando oder der Essenslieferdienst Delivery Hero, die ihre Produkte seit jeher digital absetzen, profitierten. Auch stationäre Händler wie Ceconomy („Media Saturn“) konnten ihr E-Commerce-Geschäft ausbauen.

Für das Treasury der betroffenen Firmen ist das eine neue Herausforderung. Denn mit der steigenden Bedeutung des E-Commerce gewinnen auch Bezahlmethoden wie Paypal, Apple Pay und Co. an Bedeutung. „Das Treasury muss diesen Prozess mitgestalten und sicherstellen, dass der eingehende Zahlungsverkehr weiterhin effizient organisiert ist“, sagt Max Neukirchen, Chef der Merchant-Services-Einheit bei JP Morgan. „Je größer der E-Commerce-Anteil wird, umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Kanäle, über die Zahlungen hereinkommen, miteinander zu verzahnen.“

Zahlungsabwicklung im E-Commerce ist lukrativ

Diese Diagnose ist zwar nicht neu. Doch die Coronakrise und der Bilanzskandal beim insolventen Zahlungsabwickler Wirecard erhöhen den Druck auf das Treasury, aktiv zu werden. Der Fall Wirecard habe vor allem Großkunden vor Augen geführt, wie wichtig es sei, verlässliche Partner zu haben, berichten Transaktionsbanker.

„Je größer der E-Commerce-Anteil wird, umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Kanäle zu verzahnen.“

Max Neukirchen, Chef der Merchant-Services-Einheit bei JP Morgan

Die Geldinstitute freut das. Denn während die Margen im klassischen Zahlungsverkehr sinken, gibt es bei der Abwicklung von Online-Zahlungen noch Geld zu holen. Gerade hat sich die spanische Santander das europäische Geschäft „Acquiring & Issuing“ von Wirecard geschnappt. Doch der Markt bleibt umkämpft: In Europa setzen Konkurrenten wie Worldline aus Frankreich oder Adyen aus den Niederlanden den Banken zu. In Asien ist es die Alibaba-Tochter Ant Financial.

Henkel-Treasury mischt bei E-Commerce mit

Auch im Treasury von Henkel beobachtet man diese Entwicklungen mit Interesse. Der Konsumgüterhersteller erzielt inzwischen 15 Prozent Umsatz über digitale Kanäle, Tendenz stark steigend. Der Konzern rollt gerade einen B2B-Web-Shop für das Segment Professional Beauty Care aus. „Eine der wichtigsten Aufgaben der Treasury-Abteilung war dabei die Wahl des passenden Payment Service Providers“, sagt Treasury-Chef Ulrich Borgstädt. „Wir haben uns diverse Fintechs und Bankpartner angeschaut.“

Welche Kriterien Borgstädt dabei anlegte und wie sich das Arbeiten im Treasury bei Henkel verändert, erfahren Sie im aktuellen E-Magazin.

buchholz(*)dertreasurer(.)de