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24.02.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Brauchen Treasurer einen digitalen Euro?

In Europa wird über digitales Zentralbankgeld debattiert. Deutsche Banken und der Handel fordern den digitalen Euro. Doch die Bundesbank reagiert zurückhaltend.

Die Debatte über digitales Zentralbankgeld nimmt in Europa an Fahrt auf: Ende vergangenen Jahres forderte zunächst der Bankenverband die Einführung eines staatlich überwachten digitalen Euro, kurz darauf zog der Handelsverband nach. Der Tenor: Man dürfe Facebook mit seinem Digitalwährungsprojekt Libra nicht das Feld überlassen.

Während die Einzelhändler um den Zugang zu Kundendaten fürchten, betont der Bankenverband die Bedeutung einer programmierbaren Währung für das Internet of Things (IoT): Hier biete ein digitaler Euro gepaart mit sogenannten Smart Contracts – also Computerprotokollen, die bei Eintreten eines bestimmten Events selbständig Folgehandlungen auslösen – entscheidende Automatisierungsvorteile. Das gilt etwa für Pay-per-Use-Geschäftsmodelle oder Maschine-to-Maschine-Payments.

Schweden geht mit E-Krona im Zahlungsverkehr voran

Die schwedische Zentralbank kündigte daher Ende 2019 an, eine E-Krona zu lancieren. Auch China will einen digitalen Renminbi entwickeln, ein Pilot könnte schon in diesem Jahr an den Start gehen, glauben Experten. Die EZB zeigt sich zurückhaltender. Zwar hat die neue Chefin Christine Lagarde angekündigt, eine Task Force zu gründen, um die Einführung eines von der Zentralbank herausgegebenen digitalen Euro durchzuspielen. Doch in einem im Dezember veröffentlichten EZB-Papier heißt es, es gebe „keinen unmittelbaren Bedarf für konkrete Schritte im Hinblick auf digitales Zentralbankgeld in der Euro-Zone“.

Noch größer ist die Skepsis der Bundesbank. Präsident Jens Weidmann räumte zwar kürzlich ein, dass programmierbare Zahlungsmittel „praktisch“ seien könnten. Hier seien aber „in erster Linie die Geschäftsbanken gefordert, entsprechende Dienstleistungen anzubieten, wenn es einen Markt dafür gibt“, sagte Weidmann laut Redeprotokoll bei einer Veranstaltung Ende Januar. 

Deutsche Bank: Regulatoren müssen aufwachen

Aussagen wie diese sorgen in der Bankenwelt zum Teil für Unruhe. „Westliche Regulatoren müssen aufwachen“, forderte jüngst etwa die Deutsche Bank in einem Papier zur Zukunft des Zahlungsverkehrs. Denn ausländische Staaten – China, aber auch die USA – könnten Digitalwährungen und die daraus entstehenden Überwachungsmöglichkeiten nutzen, um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen: „Der Übergang zu digitalen Zahlungen hat das Potential, die globale ökonomische Macht zu verschieben“, glauben die Autoren.

Die Bank erwartet, dass Digitalwährungen innerhalb der nächsten zwei Jahre zum Mainstream werden könnten. Langfristig hätten Krypto-Währungen gar das Potential, Bargeld zu ersetzen.

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