Julia Schwager, Commerzbank

12.07.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

Cash Management: mehr Systeme, neue Ängste

Einer Studie zufolge setzen immer mehr deutsche Mittelständler ein Cash-Management-System ein. Doch bei der Implementierung und der Anwendung zeigen sich noch die Sicherheitsbedenken der Unternehmen.

Die Professionalisierung des Cash Managements deutscher Mittelständer schreitet voran. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der Commerzbank für die insgesamt 277 Unternehmen befragt wurden. Ein Großteil der befragten Mittelständler hat einen Umsatz von mindestens 2,5 Millionen Euro. Rund 55 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie ein Cash-Management-System verwenden, um die Steuerung der Liquidität effizienter zu gestalten. Das ist im Vergleich zu 2017 eine Steigerung um rund 13 Prozentpunkte.

„Das Thema ist im deutschen Mittelstand angekommen“, sagt der Studienleiter Volker Wittberg. Die Zeiten, in denen wilde Excel-Sheet-Konstruktionen vorherrschten, würden der Vergangenheit angehören. „Wir bewegen uns mehr in Richtung Profianwendung“, konstatiert der Wissenschaftler. 

Vermeidung von Strafzinsen treibt Implementierung

Wittberg hat vor allem zwei Treiber für den zunehmenden Einsatz von Cash-Management-Systemen ausgemacht. Zum einen sei es im aktuellen Zinsumfeld notwendig, die Liquidität möglichst intelligent anzulegen, um Strafzinsen zu vermeiden. Außerdem ermögliche es die Digitalisierung, Prozesse innerhalb der Finanzabteilung zu vereinfachen und effektiver zu gestalten. Das sehen auch die befragten Finanzverantwortlichen so. Gut 66 Prozent stufen die Digitalisierung als einen der Haupttreiber für den Ausbau ihres Cash-Management-Systems ein.

Verwendet werden die Systeme vor allem für die gleichzeitige Steuerung von mehreren Bankkonten. 55 Prozent der befragten Mittelständler gab an, dass sie mit Hilfe ihres Cash-Management-Systems mindestens fünf oder mehr Bankkonten steuern. Dabei setzen die Unternehmen den Studienergebnissen zufolge vermehrt auf Lösungen der Banken. 70 Prozent der Befragten gaben an, ein System von einem Kreditinstitut zur Steuerung ihrer Liquidität zu verwenden. Die Entwicklung eigener Lösungen spielt hingegen fast keine Rolle mehr. Lediglich 4 haben selbstgebaute Systeme im Einsatz. Immerhin jeder vierte befragte Mittelständler nutzt Angebote von Softwarehäusern.

Betrugsprävention gewinnt weiter an Bedeutung

Ein Thema, das die deutschen Mittelständler in Zeiten von Fake President und Cybercrime im Treasury zunehmend beschäftigt, ist die Sicherheit des eigenen Zahlungsverkehrs. Die Unternehmen würden hier immer aufmerksamer, was die Vorbeugung und das Erkennen von Betrugsfällen anginge, bemerkt Volker Wittberg. So verzichte der Großteil der Befragten auf Cloud- oder App-Lösungen, die gemeinhin als anfälliger für Attacken dieser Art gelten. 83 Prozent der Mittelständler haben ihr Cash-Management-System auf unternehmenseigenen Computern installiert.

Das Ergebnis überrascht insofern, als das größere Unternehmen inzwischen verstärkt auf Cloud-Lösungen im Treasury setzen. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Technologie ist gewichen, immer mehr TMS-Anbieter stellen Cloud-Lösungen zur Verfügung.

Generell rückt die Betrugsprävention auf der Agenda der Mittelständler nach oben. 78 Prozent der Befragten gaben an, dass Thema genieße eine hohe Bedeutung in ihren Unternehmen. Das heißt aber im Umkehrschluss: Knapp ein Viertel der Unternehmen nimmt die Bedrohungen nicht ernst genug. „Ein Großteil dieser Mittelständler geht davon aus, dass ihr Unternehmen ausreichend geschützt ist“, sagt Frank-Oliver Wolf, Leiter Vertrieb Deutschland Zahlungsverkehr und Auslandsgeschäft der Commerzbank und mahnt: „Dies ist jedoch häufig nicht der Fall.“

Erschwerend hinzu komme die ständige Professionalisierung der Betrugsmethoden. „Der Trend geht hin zum kleinen Chefbetrug“, stellt Wolf fest. Dabei würden die Betrüger ähnlich wie bei der Fake-President-Methode vorgehen, es jedoch auf kleinere Beträge absehen, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen. 

Mittelständler misstrauen Schnittstellen für Drittanbieter – noch

Im Zuge der Sicherheitsdebatte wird oftmals auch über die Schaffung von offenen Programmierschnittstellen (APIs) in den unternehmenseigenen Cash-Management-Systemen diskutiert. APIs sind ein Kernelement der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, um den Wettbewerb im Zahlungsverkehr zu erhöhen. Über die offenen Schnittstellen könnten unter anderem externe Zahlungsdienstleistern Zugang zu den Systemen erhalten. Hier haben die Mittelständler der Studie zufolge noch große Berührungsängste. Gut 72 Prozent würde keinem Externen den Zugang zu ihrem Cash-Management-System ermöglichen.

„Diese Ablehnung ist eher emotional als strategisch begründet“, erklärt Wittberg die Ergebnisse. Denn so bald es um das Thema Liquidität gehe, würden die deutschen Mittelständler besonders vorsichtig agieren. Doch Wittberg und Wolf rechnen damit, dass sich die strikte Ablehnung gegenüber der Schaffung von Schnittstellen in naher Zukunft wandeln wird. „Im Zuge des Generationenwechsels ändert sich auch der Typus des Treasurers“. Die jüngeren Finanzer seien oftmals offener gegenüber technologischen Neuerungen.

Mehring[at]derTreasurer.de

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