03.09.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

Cash Pooling im Fokus der Steuerbehörden

Die OECD hat ihren lange erwarteten Diskussionsentwurf zu Verrechnungspreisen bei konzerninternen Finanzierungen veröffentlicht. Treasurer können aus dem Papier einige Erkenntnisse ziehen.

Drei Jahre haben Steuerexperten darauf gewartet, dass die Industrieländerorganisation OECD ihren Entwurf für Verrechnungspreise bei grenzüberschreitenden Finanzierungen vorlegt. Jetzt ist das Papier da: 43 Seiten widmen sich der steuerlichen Behandlung von konzerninternen Darlehen und Cash Pools.

Doch gibt es zwei Haken: Zum einen stellt das Papier viele Punkte nur zur Diskussion. Zum anderen bildet die Veröffentlichung - obwohl vieles noch unentschieden ist – keinen Konsens aller OECD-Staaten. „Ich bin daher skeptisch, ob es überhaupt endgültige Leitlinien geben wird, die von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden“, sagt Dirk Elbert, Experte für internationales Steuerrecht bei den Wirtschaftsprüfern von BDO.

Finanzierungsgesellschaften werden kritisch geprüft

Dennoch lassen sich aus dem Papier drei grundsätzliche Erkenntnisse für Treasurer ableiten. So ist der OECD-Entwurf erstens ein Beleg dafür, dass die Substanzanforderungen an ausländische Finanzierungsgesellschaften steigen. „Unternehmen sollten genau dokumentieren, welche Leistungen vor Ort erbracht werden“, sagt Elbert. Ist der Betriebsprüfer von der Substanz vor Ort nicht überzeugt, wäre die Finanzierungstochter nicht berechtigt, die Zinsdifferenz zwischen Intercompany- und Refinanzierungszins zu kassieren. Es drohen Steuernachzahlungen in Deutschland.

Die Deutsche Bahn hat daher kürzlich als erstes deutsches Unternehmen seine Finanzierungsgesellschaft nach Deutschland verlagert. Weitere Firmen prüfen DerTreasurer-Informationen zufolge solche Umzüge. Laut Elbert gibt es aber auch Konzerne, die in der Folge Substanz im Ausland festigen: „Hier gibt es keinen klaren Trend.“

„Unternehmen sollten genau dokumentieren, welche Leistungen vor Ort erbracht werden.“ 

Dirk Elbert, Steuerexperte bei BDO

Substanzanforderungen an Cash Pools steigen

Zweitens: Auch bei Cash Pools steigen die Substanzanforderungen. Nur wenn der Cash-Pool-Führer mehr als rein administrative Aufgaben ausübt, darf er den Zinsspread kassieren. Zudem schauen die Steuerprüfer kritisch auf langfristige Cash-Pool-Salden. „Diese werden häufig in Darlehen umqualifiziert, was einen anderen Zinssatz nach sich zieht“, weiß Elbert.

Drittens könnten Unternehmen dazu gezwungen werden, künftig für jede Tochter, die konzerninterne Darlehen erhält, ein eigenständiges Rating vorzunehmen. „Das wäre administrativer Wahnsinn, weshalb ich hoffe, dass am Ende der Pragmatismus siegt und es aus Vereinfachungsgründen als vertretbar angesehen wird, wenn ein angepasstes Konzern-Rating herangezogen wird“, so Elbert.

In Zeiten von Niedrigzinsen sind diese Faktoren weniger kritisch. Sollten die Zinsen aber steigen, könnte es für einige Firmen teurer werden.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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