Auslandsüberweisungen auf dem Prüfstand

02.12.16 12:24

China bereitet Treasurern erneut böse Überraschung

Von Desiree Backhaus

Die chinesische Devisenbehörde SAFE verschärft erneut die Kapitalverkehrskontrollen: Auslandsüberweisungen ab 5 Millionen US-Dollar sollen einer strengeren Prüfung unterzogen werden. Treasurer befürchten starke Verzögerungen.

zhangyang/iStock/Thinkstock/Getty Images

Nach der Einschränkung des grenzüberschreitenden Cash Pooling verschärft China die Kapitalverkehrskontrollen erneut.

Zu Beginn des Jahres hat China ausländische Unternehmen mit einer Einschränkung des grenzüberschreitenden Cash Pooling geschockt. Jetzt gehen die Behörden noch einen Schritt weiter: Die Devisenbehörde SAFE hat zum Wochenbeginn Vertreter nationaler und internationaler Banken einbestellt, um eine schärfere Prüfung von Auslandsüberweisungen ab einer Höhe von 5 Millionen Dollar anzukündigen. Diesen Bericht der F.A.Z. haben Banker gegenüber DerTreasurer bestätigt.

Drei Arten von Zahlungsflüssen aus China heraus unterliegen demnach ab sofort strengeren Prüfungen, heißt es aus Bankkreisen: Dividendenzahlungen, unternehmensinterne Darlehen und die Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen – unabhängig davon, ob der Betrag in chinesischem Renminbi oder Fremdwährung gezahlt wird. Nicht betroffen sind dagegen Handelszahlungen. Wäre auch der Zahlungsverkehr für den grenzüberschreitenden Handel eingeschränkt, hätte dies empfindliche Auswirkungen auf die ohnehin schwächelnde chinesische Wirtschaft.

Bereits seit Jahresbeginn benötigen chinesische Tochtergesellschaften, die mehr als 50 Millionen US-Dollar Dividende an ihre ausländische Mutter ausschütten wollen, dafür die Zustimmung der Devisenbehörde SAFE Schanghai. Mit der nun erfolgten Ankündigung sinkt dieser Grenzwert deutlich – und das ausgerechnet zum (Geschäfts-)Jahresende, wo viele Unternehmen üblicherweise Dividenden ihrer Töchter einholen.

Treasurer sind verunsichert und befürchten Verzögerungen

Die neuen Regelungen greifen ab sofort, unklar ist allerdings bis wann sie gelten werden. Die Schwierigkeit: Wie bereits bei den im Januar eingeführten Kapitalverkehrskontrollen haben die Behörden auch dieses Mal keine offizielle Ankündigung veröffentlicht. Die Banken erhielten lediglich mündliche Anweisungen („Window Guidance“) von der SAFE und der chinesischen Zentralbank PBoC. Entsprechend schwer tun sich die Geldhäuser mit der Kommunikation.

Die Verunsicherung auf Seiten der Treasurer ist groß: „Wir sind mit zwei Banken konkret im Gespräch über die Auswirkungen dieser aus unserer Sicht deutlich weitergehenden Kapitalverkehrsbeschränkung und prüfen die Folgen für Dividenden und Intercompany-Darlehen“, sagt der Treasury-Chef eines MDax-Unternehmens. Unmöglich werden diese Geldflüsse durch die neue Vorschrift nicht, betonen die Banken, wohl aber komplizierter. „Wir gehen von einer Verschärfung in Bezug auf Betragshöhe und Verzögerungen im Genehmigungsprozess aus“, so der Treasurer.

Grenzüberschreitendes Cash Pooling in China eingeschränkt

Seit Mitte Januar liegt bereits das grenzüberschreitende Cash Pooling auf Eis – zumindest bei den Unternehmen, die über dieses Vehikel vor allem Cash aus China abziehen: Nettoabflüsse von Liquidität aus China heraus sind derzeit weder über den Renminbi- noch über den Fremdwährungs-Cash-Pool erlaubt.

Ursprünglich waren Transaktionsbanker davon ausgegangen, dass China diese Kontrollen nur kurzfristig aufrecht erhalten werde. Ein chinesischer Transaction-Banking-Experte hatte noch im April die Hoffnung geäußert, dass die Liberalisierung weitergehen werde, sobald der Renminbi in den Korb der IWF-Sonderziehungsrechte aufgenommen worden sei. Das ist im Oktober planmäßig erfolgt.

Nun ist jedoch das Gegenteil der Fall. Mit den verschärften Kapitalverkehrskontrollen stemmt sich China vor allem gegen Kapitalabflüsse und die folgende Abwertung des Renminbi: Die chinesische Währung hat seit Jahresbeginn 5,6 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren.

M&A-Boom: China schränkt Auslandsinvestitionen ein

Zu Beginn der Woche war zudem bekannt geworden, dass die chinesische Regierung die Auslandsinvestitionen heimischer Unternehmen einschränken will: Zukäufe mit einem Volumen ab 1 Milliarde Dollar würden nicht erlaubt, wenn diese außerhalb des Kerngeschäfts des chinesischen Unternehmens lägen, schreibt die FAZ. Investitionen chinesischer Firmen im Ausland, deren Umfang die Grenze von 10 Milliarden Dollar überschreitet, sollen bis September kommenden Jahres sogar komplett verboten werden, berichtete die in Hongkong beheimatete South China Morning Post. Damit stünden auch bereits angekündigte M&A-Deals chinesischer Unternehmen, wie etwa die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Syngenta durch ChemChina, auf der Kippe.

Backhaus[at]derTreasurer.de

China ist für viele deutsche Unternehmen ein wichtiger Markt. Nach Jahren der schrittweise Öffnung, dreht die chinesische Regierung das Rad derzeit etwas zurück. Alles Wichtige zum Thema erfahren Sie auf unsere Themenseite Cash Management in China.