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15.02.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

China: HSBC reagiert auf Alipay und Wechat

Unternehmen, die ihre Produkte an Endkunden verkaufen, müssen eine Vielzahl an Bezahlmethoden anbieten. Gerade in China ist das für Treasurer eine Herausforderung. Eine neue Lösung von HSBC soll Abhilfe schaffen.

Mobiler Zahlungsverkehr boomt in China: 2021 werden einer Schätzung des Research-Hauses E-Marketers zufolge 80 Prozent aller chinesischen Smartphone-Nutzer mit ihrem Handy bezahlen, in Deutschland nicht einmal jeder vierte. Deutsche Firmen, die ihre Produkte an chinesische Endkunden verkaufen, müssen daher die in China populären Bezahlmethoden Alipay, Wechat und Co. anbieten.

Diese Anforderungen aus dem Vertrieb stellt die Treasury-Abteilung vor Herausforderungen. Zum einen sind diese neuen Bezahlmethoden im internen Handling häufig kompliziert. Zum anderen ist das Aufwand, mit den diversen Anbietern Konditionen zu verhandeln, hoch. Um Wildwuchs zu vermeiden, lagern viele Unternehmen das Management deshalb an externe Dienstleister aus.

HSBC startet neue Zahlungsverkehrslösung in China

Als solcher will sich nun auch die HSBC betätigen: Die Bank hat nach eigenen Angaben als erstes ausländisches Geldhaus in China einen Omnichannel Collection Service aufgebaut, der Unternehmen dabei helfen soll, sämtliche Bezahlmethoden in nur einer Lösung zusammenzufassen. „Das erhöht nicht nur Effizienz im Zahlungsverkehr, sondern schafft auch Transparenz und erleichtert so den Kontenabgleich“, sagt Lewis Sun, Regionalleiter Cash Management in der Region Asien-Pazifik bei HSBC. Das Unternehmen müsse mit HSBC nur einen Vertrag schließen, die Verhandlungen mit den Betreibern der einzelnen Bezahlverfahren führe die Bank.

„So sinkt das Kontrahentenrisiko für das Unternehmen", ergänzt Wilbert Evers, Cash-Management-Experte bei HSBC Deutschland. Das Geschäftsmodell orientiere sich am Kartenabwicklungsgeschäft („Acquiring“). Hier behält die Bank vom Händler einen festgelegten Prozentsatz des Transaktionsvolumens ein. Die konkreten Kosten wollte die Bank nicht nennen.

Einzelhändler und Konsumgüterhersteller im Fokus

Rund zehn traditionelle und digitale Zahlverfahren unterstützt der neue Service, der sowohl in bestehende Apps und Online-Shops von Unternehmen integriert als auch im stationären Handel eingesetzt werden kann. Ist letzteres der Fall, stattet HSBC die Filiale mit entsprechenden Terminals aus. Im Onlinehandel läuft die Integration dagegen über eine offene Schnittstelle (API). „Die Einführung dauert je nach Reifegrad der Apps oder Onlineshops vier bis sechs Wochen“, erklärt Sun.

Ein erstes multinationales Unternehmen nutzt die Lösung bereits, zwei weitere befinden sich nach HSBC-Angaben derzeit in der Implementierung. „Auch das Interesse deutscher Kunden ist groß“, sagt Evers. Primäre Zielgruppe seien Einzelhändler und Konsumgüterhersteller, aber auch für industrielle Unternehmen oder in der Transportbranche könnte die Lösung relevant sein.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Für deutsche Treasurer ist China vor allem wegen der Kapitalverkehrskontrollen kein einfaches Pflaster. Die aktuellen Entwicklungen können Sie auf unserer Themenseite Cash Management in China nachvollziehen.