China dämmt mit Kontrollen die Kapitalflucht ein.

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21.06.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

China: Kapitalverkehrskontrollen führen zu Misstrauen

Immer mehr mittelständische Unternehmen aus Deutschland nutzen den Renminbi. Aber die Dynamik lässt nach. Daran ist auch die chinesische Regierung schuld.

Die Akzeptanz des Renminbi im deutschen Mittelstand steigt. Das legt eine Umfrage der Commerzbank nahe, an der 260 international tätige Firmenkunden der Bank teilgenommen haben. Demnach stellt rund ein Drittel der befragten Unternehmen mittlerweile Rechnungen in der chinesischen Währung aus. Bei der vorhergehenden Umfrage im Jahr 2016 waren es lediglich 17 Prozent. Neben Zahlungsverkehr (89 Prozent) und FX-Geschäften (68 Prozent) investiert jeder zweite Befragte, der in der chinesischen Währung fakturiert, jetzt auch in Renminbi-Festgelder. Auf Tagesgeld lassen sich der Commerzbank zufolge Zinsen von 3 bis 4 Prozent erreichen.

Nur noch wenige Firmen wollen Chinageschäft auf Renminbi umstellen

Allerdings scheint ein gewisser Sättigungsgrad einzusetzen: Planten 2016 noch 15 Prozent der Befragten eine Umstellung ihres Chinageschäfts auf Renminbi, sind es aktuell nur noch 5 Prozent. Bei 64 Prozent wird die Nutzung der chinesischen Währung derzeit nicht diskutiert. Als Hinderungsgründe für die Fakturierung in Renminbi geben die Befragten vor allem „etablierte Vorgehensweisen“ (59 Prozent) sowie eine „Präferenz des Handelspartners für Euro beziehungsweise US-Dollar“ (41 Prozent) an.

Jedoch sorgt auch das teilweise Zurückdrehen der 2009 begonnenen Öffnungspolitik für Verunsicherung: So geben 13 Prozent der Befragten an, kein Vertrauen in die Nachhaltigkeit des Renminbi zu haben. 12 Prozent wollen aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen nicht in der chinesischen Währung fakturieren. „Diese deutliche Reaktion auf die von der chinesischen Regierung verhängten Restriktionen hat uns überrascht“, sagt Michael Rugilo, Asienexperte der Commerzbank.

Grenzüberschreitendes Cash Pooling in Einzelfällen möglich

Um die Kapitalflucht zu stoppen, haben die chinesischen Behörden Anfang 2016 einige Liberalisierungen revidiert. Das erst kurz zuvor erlaubte grenzüberschreitende Cash Pooling wurde stark eingeschränkt, Dividendenausschüttungen ins Ausland unterliegen nun wieder Grenzwerten und Prüfungen. Eindeutige Vorgaben gibt es aber nicht.

Das bekommen auch die Commerzbank-Kunden zu spüren: In einigen Fällen sei es der Bank und den Unternehmen in Gesprächen mit den Regulatoren gelungen, die auslaufenden Einjahresverträge für grenzüberschreitendes Cash Pooling zu verlängern, in anderen nicht, berichtet Rugilo: „Es gilt die Methode Trial-and-Error.“ 7 Prozent der befragten Firmen betreiben grenzüberschreitendes Cash Pooling, 37 Prozent sind daran grundsätzlich interessiert. Dividendentransfers haben bereits 56 Prozent durchgeführt.

Der Commerzbank zufolge dürfte die chinesische Regierung auf den Liberalisierungspfad zurückkehren, diesen aber langsamer gehen als zwischen 2009 und 2016. „Langfristig braucht China Kapitalexporte, damit keine heimischen Blasen entstehen“, sagt Ulrich Leuchtmann, FX-Experte der Commerzbank. Zugleich gelte es, eine neuerliche Kapitalflucht zu vermeiden. „Diesen sehr schmalen Pfad zu treffen und das Vertrauen der ausländischen Unternehmen nicht zu verspielen, ist die große Herausforderung.“

Backhaus[at]derTreasurer.de

Seit Anfang 2009 bemüht sich China um die Internationalisierung des Renminbi. Einige der Errungenschaften drehte China jedoch zuletzt zurück - zum Leidwesen der Treasurer. Die Chronologie der Ereignisse können Sie auf unserer Themenseite Cash Management in China verfolgen.