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08.01.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

China lockert Kapitalverkehrskontrollen für Renminbi

Gute Nachrichten für in China tätige Unternehmen: Die chinesische Zentralbank will den grenzüberschreitenden Transfer von Gewinnen und Dividenden in Renminbi vereinfachen. Wie weit die Entlastungen in der Praxis gehen, bleibt aber offen.

Die chinesische Zentralbank lockert den Zugriff auf in Renminbi denominierte Gewinne und Wertpapiere. So sollen ausländische Investoren ihre in China erwirtschafteten Profite ab sofort leichter aus dem Land abziehen können. Auch den Transfer von im Ausland erzielten Einnahmen in Renminbi auf das chinesische Festland will die People’s Bank of China (PBoC) vereinfachen. Das berichten verschiedene Medien unter Berufung auf ein am Freitag veröffentlichtes Statement der Zentralbank.

Mit dem Abbau der Kapitalverkehrskontrollen will China ausländische Unternehmen dazu ermutigen, den Renminbi häufiger für Direktinvestitionen zu nutzen. Deshalb habe die Notenbank lokale Banken angewiesen, den freien Transfer von in Renminbi denominierten Gewinnen und Dividenden zu ermöglichen, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Regulatoren die „notwendigen unterstützenden Dokumente“ geprüft hätten, zitiert „The Corporate Treasurer“ aus dem Statement. Was diese Entlastungen in der Praxis bringen, muss sich also erst noch zeigen.

Kehrt China auf den Liberalisierungspfad zurück?

Trotzdem dürfte die Ankündigung der PBoC für deutsche Unternehmen und ihr Cash Management in China ein wichtiges Signal sein: Die Zentralbank gibt damit ein Bekenntnis zur weiteren Liberalisierung des Renminbi ab.

Vor zwei Jahren waren daran Zweifel aufgekommen: Denn Anfang 2016 hatte China überraschend die Vorschriften für das grenzüberschreitende Renminbi-Cash-Pooling verschärft. Deutsche Konzerne waren in der Folge gezwungen, ihre teils gerade erst in Betrieb genommenen Pools auf Eis zu legen. Zudem führte China Grenzen für die Dividendenausschüttungen chinesischer Tochtergesellschaften an ihre ausländischen Mütter ein. Ab Anfang vergangenen Jahres ließ die Devisenbehörde SAFE sogar Auslandsüberweisungen für Güterimporte nach China strenger prüfen.

Der Internationalisierung des Renminbi, den der Internationalen Währungsfonds (IWF) seit Oktober 2016 als Weltreservewährung führt, versetzen diese Kapitalverkehrskontrollen einen Dämpfer: Einer Erhebung des Finanznachrichtendienstleisters Swift zufolge steht der Renminbi aktuell noch für einen Anteil von 1,75 Prozent am weltweiten Zahlungsvolumen. Zu Spitzenzeiten im Spätsommer 2015 lag die Währung schon mal bei 2,8 Prozent. Damals hatte der Renminbi zwischenzeitlich sogar den japanischen Yen überholt und sich auf Rang 4 gesetzt, aktuell liegt er auf Platz 6.

Renminbi büßt an Bedeutung im Zahlungsverkehr ein

Allerdings sind diese Statistiken nur begrenzt aussagefähig, weil sie volumenbasiert und damit vom Wechselkurs abhängig sind. Der Renminbi hat in der vergangenen zwölf Monaten 6,5 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar gewonnen. Aktuell liegt der Wechselkurs bei 6,49 Dollar/Yuan. Anfang 2017 bekam man für 1 Dollar zeitweise mehr als 6,90 Yuan. 

Damit hat die chinesische Regierung ein wichtiges Ziel der der Kapitalverkehrskontrollen erreicht: Die Abwertung des Renminbi zu stoppen. Ende 2015 hatte eine regelrechte Kapitalflucht aus China eingesetzt – die chinesische Währung  verlor in der Folge an Wert. Seit einigen Monaten stehen die Zeichen deswegen wieder auf Lockerung.

BMW bekommt Kapitalverkehrskontrollen zu spüren

Trotzdem haben deutsche Unternehmen immer noch mit den Kontrollen zu kämpfen. Das gilt nicht nur bei der Frage, wie sie ihr in China verdientes Geld außer Landes bekommen. Auch bei der Finanzierung von Neuinvestitionen gab es Einschränkungen. So erklärte etwa der Autobauer BMW jüngst gegenüber DerTreasurer, man könnte die beschafften Finanzmittel aus einer Dim-Sum-Anleihe „nur eingeschränkt zur Finanzierung der lokalen Einheiten verwenden“. Die Münchener hatten im Herbst eine Offshore-Anleihe über 1 Milliarde Renminbi (knapp 130 Millionen Euro) platziert.

Mit der aktuellen Ankündigung will die PBoC die Mittelverwendung von Offshore-Anleihen erleichtern. Ob dies die eingeschlafene Nachfrage nach Dim-Sum-Bonds wieder anregt, ist allerdings unklar. Experten glauben, dass der Onshore-Bondmarkt mit seinen sogenannten Panda-Bonds künftig an Bedeutung gewinnen dürfte.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Seit Anfang 2009 bemüht sich China um die Internationalisierung des Renminbi. Einige der Errungenschaften drehte China jedoch zuletzt zurück - zum Leidwesen der Treasurer. Die Chronologie der Ereignisse können Sie auf unserer Themenseite Cash Management in China verfolgen.