Kapitalverkehrskontrollen werden verschärft

02.02.16 08:05

China schränkt Cash Pooling ein

Von Desiree Backhaus

Grenzüberschreitendes Cash Pooling ist in China noch nicht lange erlaubt. Jetzt kassiert die Zentralbank einige Liberalisierungen wieder – zum Ärger von Bankern und Treasurern.

iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Mauer wird verstärkt: China wehrt sich gegen Kapitalflucht und schränkt das grenzüberschreitende Cash Pooling ein.

Die chinesische Zentralbank PBoC hat überraschend die Vorschriften für das grenzüberschreitende Renminbi-Cash-Pooling verschärft. In einer Videokonferenz am 18. Januar wurden Banken darüber informiert, dass ab sofort kein Nettoliquiditätsabfluss mehr über den Cash Pool erlaubt ist. „Wie lange diese Einschränkung gilt, wissen wir nicht“, ist aus einer internationalen Bank zu hören. Die Kommunikation der PBoC lasse derzeit keinen Schluss zu.

Bei Cash-Pool-Strukturen, die über einen negativen Saldo verfügen, sind die Banken angehalten, so lange nur noch Cash-Zuflüsse nach China zu erlauben, bis der Saldo mindestens ausgeglichen ist. Mit anderen Worten: Unternehmen, die über den Mechanismus überschüssige Liquidität aus China abziehen wollen, schauen nun in die Röhre. Bei automatisierten, täglichen Sweeps muss der Mechanismus ausgesetzt werden, manuelle Pools werden schlicht eingefroren.

China wehrt sich gegen Arbitragehändler und Kapitalflucht

China ist eigentlich nicht dafür bekannt, bereits eingeleitete Liberalisierungen wieder rückgängig zu machen. Es ist erklärtes Ziel des Landes, Kapitalverkehrskontrollen abzubauen. Nun hat wohl die Abwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar dafür gesorgt, dass die PBoC die Notbremse zieht. Wie „The Corporate Treasurer“ unter Berufung auf chinesische Medien berichtet, hätten Arbitragehändler den Cash-Pool-Mechanismus für ihre Zwecke genutzt. Mit Hilfe fingierter Dokumente hätten sich die Händler die Genehmigung der Devisenbehörde SAFE erschlichen, Renminbis in Dollar zu tauschen – und wegen der Abweichung des Onshore- vom Offshore- Wechselkurs Gewinne eingestrichen.

China könnte aber auch die Kapitalflucht eindämmen wollen, die angesichts der Börsen-Turbulenzen und den schwächeren Wirtschaftsdaten zuletzt gestiegen ist. Laut Bloomberg floss 2015 etwa 1 Billion US-Dollar aus China ab, so viel wie noch nie seit Beginn der Messung im Jahr 2006. Statt weiter Devisenreserven zur Stützung des Renminbi zu verpulvern, verschärft China offenbar die Kapitalkontrollen.

Rückschritt beim Cash Management in China

Die Entscheidung der PBoC, das grenzüberschreitende Cash Pooling lahmzulegen, sorgt für Verstimmung. „Im Hinblick auf Planungssicherheit und das Image Chinas ist das schlecht“, sagt der Treasury-Chef eines betroffenen Unternehmens. Er ist dennoch froh, den Aufwand für die Aufsetzung des Pools betrieben zu haben: „Unser Ziel. die Liquidität herauszuholen, haben wir erreicht.“ Die Einbindung der chinesischen Töchter in das globale Liquiditätsmanagement wird allerdings erschwert.

Backhaus[at]derTreasurer.de