Deutschlands zweitgrößte Bank kooperiert mit Bank of China

14.11.14 13:35

Commerzbank startet Renminbi-Clearing in Frankfurt

Von Sabine Paulus

Nun hat auch die Commerzbank mit der Bank of China in Frankfurt vereinbart Renminbi-Zahlungen direkt am Finanzplatz Frankfurt abzuwickeln. Ob solche Kooperationsverträge für Treasurer allerdings einen echten Mehrwert bringen werden, bleibt abzuwarten.

Auch die Commerzbank kooperiert beim Renminbi Clearing mit der Bank of China.

Julia Schwager/Commerzbank AG

Auch die Commerzbank kooperiert beim Renminbi-Clearing mit der Bank of China.

Nach der Deutschen Bank kooperiert nun auch die Commerzbank beim Renminbi-Clearing mit der Bank of China. Eine entsprechende Vereinbarung über die direkte Abwicklung von Renminbi-Zahlungen am Finanzplatz Frankfurt hat Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus mit der Bank of China unterzeichnet. Die Commerzbank biete ihren Firmenkunden damit eine neue, weitere Möglichkeit, die chinesische Währung ohne Umweg über Hongkong direkt in das chinesische Festland zu zahlen, teilte die deutsche Bank mit.

„Mit dem Start des Renminbi-Clearing in Frankfurt wird sich unserer Einschätzung nach der Anteil der im Handel mit China den Renminbi nutzenden deutschen Mittelständler deutlich über die bisherigen 10 Prozent steigern,“ sagt Frank-Oliver Wolf, Bereichsleiter Cash Management und International Business. „Wichtig ist auch der psychologische Effekt. Die deutschen Unternehmen sehen, dass die Clearingbank in Frankfurt ihnen näher ist. Damit wird es vielen Firmenkunden leichter fallen, sich mit diesem Währungsthema zu befassen.“

Eine solche Kooperation zwischen der Commerzbank und Bank of China hatte sich schon im Sommer angekündigt. Damals hatte FINANCE, eine Schwesterpublikation von DerTreasurer, erfahren, dass sich die Delegation rund um den Präsident der Bank of China, Chen Siqing, Ende August auch mit Vertretern der Commerzbank und der DZ Bank, getroffen haben soll, um über das Clearing zu sprechen. 

Kooperationsverträge für den Erfolg der Clearingbank wichtig

Die Deutsche Bank war die erste deutsche Bank gewesen, die eine entsprechende Kooperationserklärung mit der Bank of China Ende August vereinbart hatte. Inzwischen haben laut Bernd Meist, Deutschland-Geschäftsführer der Bank of China, eine zweistellige Zahl von Banken Renminbi-Clearing-Konten eröffnet. Darunter seien kleine, regionale Banken aber auch international operierende Geldhäuser – wie eben unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Für den Erfolg der Clearingbank in Frankfurt sind solche Kooperationen wichtig, denn je mehr Banken in Deutschland und im Rest der Eurozone das Center unterstützen, umso ein höheres Volumen wird künftig in Frankfurt abgewickelt. Die Bank of China lockt daher mit einem besonderen Angebot: Bis Mitte 2015 will sie komplett auf die Erhebung von Transaktionsgebühren verzichten, kündigte Meist in der vergangenen Woche bei dem Hessen-Shanghai Business Forum an. Lediglich für Reklamationen würden Gebühren erhoben.

Treasurer geben Clearingcenter in Frankfurt Vertrauensvorschuss

Die von DerTreasurer im Rahmen des Treasurer-Panels befragten Treasurer räumen dem Renminbi-Clearingcenter in Frankfurt schon einen gewissen Vertrauensvorschuss ein. 36 Prozent rechnen damit, dass Renminbi-Zahlungen künftig schneller abgewickelt werden können, 31 Prozent gehen von sinkenden Kosten im grenzüberschreitenden Renminbi-Zahlungsverkehr aus. Nur gut ein Viertel geht nicht von nennenswerten Vorteilen aus.

Die Bankenwelt ist hinter vorgehaltener Hand noch skeptisch, ob das Renminbi-Clearing in Frankfurt den Treasurern und CFOs wirklich einen Mehrwert bietet. Ein mit der Materie vertrauter Banker sagte vor einigen Wochen zu DerTreasurer, der am häufigste angeführte Vorteil – eine schnellere Abwicklung von Renminbi-Zahlungen – treffe nicht zu. Da die Bank of China in Deutschland keinen direkten Zugang zum chinesischen Clearing-System CNAPS habe, gäbe es in Frankfurt faktisch kein Clearing. Die Bank of China müsse die Zahlung nach Erhalt und Prüfung an ihr Head Office in Peking weitergeben. Erst dort könne sie dann gecleart werden: „Rechnet man die Zeitverschiebung mit ein, wird ein gleichtätiges Clearing kaum möglich sein“, sagte der Banker weiter.

Selbst die Deutsche Bank rechnet nur bedingt mit unmittelbar positiven Auswirkungen für Unternehmen. „Voraussetzung ist, dass die Volumina im Clearing steigen, um Kostenvorteile zu erzielen“, sagt Lothar Meenen, Head of Trade Finance und Cash Management Deutschland bei der Deutschen Bank. „Wann das genau der Fall sein wird, ist derzeit noch schwer zu beurteilen.“ Treasurer und CFOs werden also noch etwas warten müssen, um den für sie entstehenden Mehrwert der Renminbi-Clearingbank in Frankfurt abschätzen zu können.

Paulus[at]derTreasurer.de