Banker diskutieren zur Zukunft des Zahlungsverkehrs

28.04.15 08:08

Das Transaction Banking kämpft um seine Zukunft

Von Desiree Backhaus

Mehr Wettbewerb, mehr Regulatorik, kaum Zinserträge – im Transaction Banking wird die Luft immer dünner. Für Treasurer ist das nur kurzfristig ein Grund zur Freude, wie eine Diskussion unter führenden Bankern im Zahlungsverkehr ergeben hat.

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Im Transaction Banking stehen die Margen unter Druck.

Mit der Abwicklung von Zahlungen lässt sich heute kein Geld mehr verdienen – das ist eine der zentralen Aussagen einer von BNY Mellon ausgerichteten Diskussionsrunde unter Bankern in Frankfurt. Im Inlandszahlungsverkehr ist das schon lange so. Doch spätestens mit der Sepa-Umstellung im Euro-Zahlungsverkehr lässt sich auch bei Überweisungen ins europäische Ausland nichts mehr holen, sagt Jürgen Kaczmarek von der WGZ Bank: „Eilige Euro-Zahlungen sind heute dank Sepa günstiger und schneller denn je. Mussten Unternehmen früher taggleiche Zahlungen über teure Großbetragssysteme RTGS oder Target ausführen lassen, geht dies heute über die preiswerten Massenzahlungssysteme.“

Im globalen Transaktionsgeschäft sieht es noch etwas besser aus: Bei Fremdwährungszahlungen in exotische Drittländer können Banken noch recht ansehnliche Margen verdienen. Doch das dürfte sich bald ändern: „Der Druck auf die Preise droht zuzunehmen, wenn immer mehr Drittanbieter solche Transaktionen vermeintlich kostenlos oder günstiger anbieten“, sagt Steffen Härtel von der LBBW. „Die Transparenz wird steigen.“

Treasurer freuen sich über preiswerte Zahlungen – aber wie lange noch?

Für Corporate Treasurer sind das zunächst gute Nachrichten: Ihre Kosten im Zahlungsverkehr dürften weiter sinken. Doch was passiert, wenn sich Banken aus dem klassischen Transaktionsgeschäft zurückziehen, weil sie darin keinen Business Case mehr sehen? „Wir bewegen uns in einem vollkommen veränderten Umfeld, in dem wir neu definieren müssen, wo und wie im Cash-Services-Geschäft Erträge erzielt werden können“, sagt Ingrid Weißkopf von der Commerzbank.

Die RBS hat sich in Deutschland und anderen europäischen Ländern gerade aus dem Cash Management zurückgezogen. Das erklärt sich sicher aus der Sondersituation der britischen Bank. Doch Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften erschweren den Zahlungsverkehr weiter. Stehen Unternehmen in einigen Regionen irgendwann ohne Bank? Zumindest dürften die Optionen mittelfristig geringer werden.


Damit es nicht soweit kommt, müssen Banken Alternativen finden, wie sie jenseits der reinen Zahlungsabwicklung Geld verdienen können. In Zeiten von negativen Zinsen und zunehmender Regulierung durch Basel III und die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 gibt es hier keine einfachen Antworten. Hinzu kommt der steigende Wettbewerb durch Paypal, Apple und kleine FinTech-Start-ups, die den Banken ihr klassisches Terrain streitig machen und sie zum Teil, Beispiel Privatkundengeschäft, bereits überholt haben.

Partnerschaften zwischen Bank und FinTech: Wie geht das?

Wie mit der Konkurrenz durch die neuen Anbieter umzugehen ist, bereitet den Diskutanten daher besondere Kopfschmerzen: Partnerschaften mit den FinTechs werden immer wieder als Lösung genannt. Die Commerzbank etwa hat sich an dem B2B-Zahlungsanbieter Traxpay beteiligt, die Sparkassen den Onlinezahlungsdienstleister Payone gekauft.

Doch in der Praxis gestalten sich diese Partnerschaften oft schwierig. Denn es prallen völlig verschiedene Mentalitäten aufeinander. „Wir als Bank schauen auf den Business Case. Die neuen Player denken aber zunächst gar nicht in erster Linie ans Geld verdienen. Die gehen in den Markt, investieren und ihr erstes Ziel ist es, einen großen Kundenstock aufzubauen, um Volumen zu haben. sagt Nico Frommholz von der HSH Nordbank und fügt hinzu: „Da ist es manchmal schwierig auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“ Die Banken stehen hier im Wettbewerb mit großen Venture-Capital-Gesellschaften, die sich bei Fintechs nur zu gerne als Financiers engagieren.

Basel III und PSD2 lähmen die Banken, Vorteile werden kaum erkannt

Als große Hürde der eigenen Innovationsfähigkeit sehen die Diskutanten die Regulierung: „Unsere Budgets sind zu einem erheblichen Teil fremdgesteuert durch Regulierungsvorhaben wie Basel III oder die PSD2“, sagt Kaczmarek. „Diese Kapazitäten würden wir natürlich lieber in die Produktentwicklung stecken.“ Angesichts der Fülle der Anforderungen sind diese Beschwerden sicherlich berechtigt.

Denn die Vorteile gibt es in der Tat auch: Dank des Intraday-Liquidity-Reportings, einer neuen Pflicht unter Basel III, können Banken nun genauer nachvollziehen, welcher Kunde wann im Laufe des Tages Geldein- und ausgänge verzeichnet: „Das wird Einfluss auf meine Preisgestaltung im Cash Management haben“, sagt LBBW-Banker Härtel. Denkbar sei etwa, dass Überweisungen am Morgen – die die Intraday-Liquidität der Bank schmälern – teurer werden als Überweisungen am Nachmittag. Das wäre auch für Corporate Treasurer relevant.

Big Data, Supply Chain Finance, Handelsfinanzierung

Überhaupt sitzen Banken auf jeder Menge Zahlungsdaten, Stichwort Big Data. Diese auszuwerten und Einzelhändlern Handlungsanweisungen zu geben, ist das Geschäftsmodell zahlreicher Fin Techs. Banken tun sich aufgrund der Datenschutzanforderungen damit aber deutlich schwererer.

Dennoch können es nur diese Mehrwertservices sein, mit den Banken künftig im Zahlungsverkehr noch Geld verdienen werden, sagt Daniela Eder von BNY Mellon: „Mit dem Liquiditätsmanagement, Supply Chain Finance, der Verknüpfung von Zahlung und Rechnung oder neue Lösungen in der Handelsfinanzierung gibt es einige Ansätze für solche Mehrwertservices.“ Doch die Diskutanten winken fast immer ab: mangelnden Zahlungsbereitschaft der Kunden, unmöglich aufgrund der Regulierung. Was bleibt am Ende der Diskussion bleibt, ist vor allem ein Eindruck: Der Königsweg ist noch nicht gefunden.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Am 14. April diskutierten in der Frankfurter Villa Kennedy sieben Zahlungsverkehrs-Banker auf Einladung von BNY Mellon. Dabei waren: Nico Frommholz (Leiter Cash Management bei der HSH Nordbank), Steffen Härtel (Head of Product Management International Payments bei der LBBW), Ingrid Weisskopf (Head Cash Services Advisory und Product Management bei der Commerzbank), Jürgen Kaczmarek (Head of Operations im Bereich Payments bei der WGZ Bank), Andreas Thöne (Leiter Zahlungsverkehr und Dokumentengeschäft bei Berenberg), Yasmin Ulrich (Manager Banking Operations bei Western Union Business Solutions) und Daniela Eder (Managing Director Treasury Services, Business Strategy und Market Solutions bei BNY Mellon).