Deutsche Bank

20.11.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Deutsche Bank ändert Strafzinspolitik

Für große Firmenkunden der Deutschen Bank führt künftig kein Weg mehr an Negativzinsen vorbei. Der globale Cash-Management-Chef Ole Matthiessen kündigt im Gespräch mit DerTreasurer eine neue Strafzinspolitik an.

Die Deutsche Bank bereitet ihre Firmenkunden darauf vor, dass sie bald in deutlich höherem Umfang Strafzinsen zahlen müssen als bislang. „Wir werden die Negativzinsen künftig an Konzerne und große Firmenkunden weiterreichen“, erklärt Ole Matthiessen, Leiter des globalen Cash Managements der Deutschen Bank. „Mit ihnen gehen wir intensiv ins Gespräch und sehen uns sehr genau die gesamte Beziehung an.“ Dafür hätten die Kunden, die bislang angesprochen wurden, Verständnis, so der Banker.

Bislang reicht das größte deutsche Geldhaus die Strafzinsen der EZB nur selektiv weiter, der neue Ansatz hat nun zwei Gründe: Erstens sei mit dem EZB-Zinsentscheid im September jegliche Hoffnung zerstört worden, dass es sich bei Negativzinsen nur um ein temporäres Phänomen handele, so Matthiessen: „Negativzinsen sind der neue Marktzins, damit müssen wir leben – ob wir wollen oder nicht.“

Zweitens sei die Zinsstrukturkurve inzwischen so flach, dass es selbst für Anlagen mit ein bis zwei Jahren Laufzeit keine Zinsen mehr gebe. „Deshalb ist es für Banken kaum noch machbar, ihren Kunden Euro-Einlagen zum Nullzins zu ermöglichen und dies über Fristentransformation auszugleichen“, erklärt der Banker. Seine Prognose: „In naher Zukunft wird es keinem Unternehmen mehr gelingen, Negativzinsen auf Euro-Konten komplett zu vermeiden.“ Derzeit schaffen dies immerhin noch rund zwei Drittel der deutschen Finanzabteilungen, wie das in Kürze erscheinende Treasurer-Panel zeigt.

„In naher Zukunft wird es keinem Unternehmen mehr gelingen, Negativzinsen auf Euro-Konten komplett zu vermeiden.“

Ole Matthiessen, Cash-Management-Chef Deutsche Bank

Auch andere Banken reichen Strafzinsen weiter

Mit ihren Äußerungen steht die Deutsche Bank nicht alleine da: Zuletzt hatten diverse Geldhäuser angekündigt, die Strafzinsen der EZB an ihre Kunden weiterzureichen. So will etwa die Commerzbank künftig Privatkunden mit hohen Guthaben belasten. Ähnliche Pläne gibt es bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das erklärt, weshalb die Deutsche Bank nicht fürchtet, dass ihre Ankündigung zu massiven Liquiditätsabflüssen führen wird: Viele Firmen werden künftig kaum noch Alternativen haben, ihr Cash strafzinsenfrei zu parken.

Allerdings betont Matthiessen, dass die Deutsche Bank ihren Kunden auch künftig gewisse Freigrenzen einräumen wird: „Die Höhe dieser Grenzen wiederum hängt vom Umfang der Gesamtkundenbeziehung ab.“ Zugleich biete die Bank im Dialog mit den Kunden auch Alternativen an - etwa Anlagen in Fremdwährungen oder Off-Balance-Strukturen. Bis zum Jahresende will die Bank die Gespräche mit den Kunden, die hohe Euro-Anlagevolumina besitzen, abgeschlossen haben. Die Zeit für die betroffenen Treasurer, ihre Strategie zu überdenken, drängt also.

backhaus[at]dertreasurer.de

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