Die Deutsche Bank geht mit einer neuen digitalen Plattform namens „Blue Port“ an den Start.

Deutsche Bank, Mario Andreya

12.07.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

Deutsche Bank bindet Fintechs in neue Digitalplattform ein

Die Deutsche Bank legt eine neue digitale Plattform auf. Kunden der Bank sollen darüber künftig ihren Zahlungsverkehr abwickeln, ihre Konten aggregieren und Zugang zu Fintech-Dienstleistungen haben.

Die Deutsche Bank baut ihr digitales Angebot für Geschäfts- und Firmenkunden aus. Ab dem 25. Juli bietet das Kreditinstitut eine digitale Plattform an, über die die 900.000 Geschäfts- und Firmenkunden der Bank zentral auf digitale Finanzdienstleistungen der Bank und ausgewählter Fintechs zugreifen können. Das kündigte Deutschlands größtes Geldhaus am heutigen Donnerstag an. Kern der digitalen Plattform namens „Blue Port“ ist die Lösung „Bankline+“, über die das Kreditinstitut künftig den täglichen Zahlungsverkehr abwickeln will.

Deutsche Bank will Firmenkunden 2019 an Blue Port anbinden

Ziel der Deutschen Bank ist es, eine digitale Plattform für alle ihre Geschäfts- und Firmenkunden zu entwickeln. „Nach dem Geschäftskundensegment und dem klassischen deutschen Mittelstand, die ab Ende Juli unsere neue digitale Plattform für den Zahlungsverkehr nutzen können, sollen die von unserer Transaktionsbank betreuten Unternehmen im Laufe des kommenden Jahres darauf zugreifen können“, sagt Kirsten Oppenländer, Spezialistin für die digitalen Firmenkundenlösungen der Bank, gegenüber DerTreasurer.

BluePort sei „webbasiert“ und soll künftig die „digitale Basis für alles sein, was wir unseren unternehmerischen Kunden anbieten wollen“, sagt die Bankerin weiter. „Auf Sicht werden unsere Geschäfts- und Firmenkunden durch ein einziges Fenster online auf unsere Angebote zugreifen können.“

Für Geschäfts- und Firmenkunden der Deutschen Bank bedeutet das zunächst einmal, dass sie sich auf eine neue Zahlungsverkehrslösung einstellen müssen, die gleichzeitig neue Möglichkeiten bietet: Mit Bankline+ kann ein Unternehmen alle seine Geschäftskonten aggregieren und von einer Stelle aus verwalten. Geschäftsführer kleinerer Unternehmen und Treasurer ist es damit möglich, online auf bankübergreifende Informationen zuzugreifen. Dazu zählen Kontoinformationen, der Zahlungsverkehr sowie Importmöglichkeiten von Zahlungsverkehrsaufträgen und eine 24-Stunden-Hotline.

Deutsche Bank kooperiert mit Fintechs

Im Zuge des neuen Angebots will sich die Deutsche Bank auch Möglichkeiten und Geschäftsmodelle von Fintechs  zunutze machen und ausgewählte Kooperationspartner an die Plattform anbinden. „Blue Port ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur digitalen Hausbank“, meint Stefan Bender, Leiter des Firmenkundengeschäfts bei der Deutschen Bank. Über diesen Zugang könne die Bank ihren Kunden in Zukunft „wesentlich schneller neue Angebote und Leistungen, auch von Anbietern außerhalb der Bank, zur Verfügung stellen“.

Zum Start können Nutzer auf die Produkte von drei Fintechs zugreifen: „Smacc“ unterstützt Unternehmen bei der Buchhaltung und den Finanzprozesse mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. „Fast Bill“ bietet kleineren Unternehmen und Selbständigen eine Plattform, mit der sie Belege und Finanzdaten zentral verwalten können, sowie passende Schnittstellen für den Datenaustausch mit Steuerberatern. Und „Twago“ vermittelt online Arbeit an freie Mitarbeiter und Agenturen aus den Bereichen Programmierung, (Web-)Design und Unternehmens-Dienstleistungen. Das Fintech „Advanon“, das Factoringlösungen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz und in Deutschland anbietet, soll in Kürze über Blue Port erreichbar sein.

Drei Preispakete: Mit den genutzten Services steigen die Kosten

Der Zugang zur digitalen Plattform Blue Port ist kostenfrei, die auf der digitalen Plattform verfügbaren Leistungen werden jedoch je nach Leistungsumfang bepreist. Zu Beginn kann der Zahlungsverkehr über alle Geschäftskonten „je nach Bedarf über drei Preispakete“ gebucht werden, heißt es seitens der Deutschen Bank.

Das kleinste Paket richtet sich Oppenländer zufolge an kleinere Unternehmen mit bis zu 10 bis 15 Mitarbeitern, bei denen lediglich zwei Personen einen Login für den Zahlungsverkehr benötigen, und kostet 4,99 Euro. Beim mittleren Paket, das 9,99 Euro kostet, sind 50 Nutzer angeschlossen. Ab Januar ist bei diesem Paket zudem eine Freigabe der Service-Rechenzentren über den FinTS-Kanal geplant. Im dritten Paket für 39,99 Euro monatlich sind neben der Freischaltung von 100 Nutzern zusätzlich beispielsweise noch Services via Ebics eingeschlossen.

Deutsche Bank reagiert mit „Blue Port“ auf PSD2

Mit der neuen digitalen Plattform reagiert die Bank auch auf die Forderungen im Rahmen der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. „Wir sind mit Blue Port PSD2-ready“, sagt Oppenländer weiter. „Das heißt, wir gehen direkt mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung an den Start.“ Diese Vorschrift tritt im Sommer 2019 in Kraft. Danach müssen Nutzer ihre Identität mit zwei der drei Faktoren Wissen, Besitz und Inhärenz bestätigen. Die Deutsche Bank hat hierfür ein Foto-Tan-Verfahren in Blue Port integriert.

Mit dieser neuen Plattform liegt die Deutsche Bank im Trend. Einer Umfrage der Denkfabrik FINANCE Think Tank unter insgesamt 14 europäischen Banken zufolge planen zwei Drittel der Befragten, in den kommenden zwölf Monaten massiv in ihr digitales Angebot für Firmenkunden zu investieren. Der Grund: Die überwiegende Mehrheit der befragten zwölf Banken hält Online-Portale für einen wichtigen oder sogar sehr wichtigen Faktor, um im hart umkämpften Firmenkundengeschäft zu bestehen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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