Bei der diesjährigen GTB-Konferenz der Deutschen Bank diskutierten rund 150 Corporate über aktuelle Treasury-Themen.

Mario Andreya

29.03.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

„Deutsche Commerz“, Instant Payments und IT-Investitionen

Bei der jährlichen GTB-Konferenz der Deutschen Bank gab es heiße Diskussionsthemen: die Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank, Digitalisierung und die Zukunft des Zahlungsverkehrs. Transaktionsbankchef Stefan Hoops bezog vor Firmenkunden Stellung.

Die Deutsche Bank will „signifikant“ in die IT-Infrastruktur ihrer Transaktionsbank investieren. Das kündigte der seit einem halben Jahr amtierende GTB-Chef Stefan Hoops am gestrigen Donnerstag im Rahmen der jährlichen GTB-Konferenz der Deutschen Bank an. Die Investitionen sollen dazu dienen, die Stabilität der Systeme zu erhöhen, die Darstellung für die Firmenkunden im Frontend zu verbessern und Daten nutzbar zu machen.

Konkrete Zahlen über die Höhe der Investitionen wollte Hoops vor den rund 150 anwesenden Firmenkunden des größten deutschen Geldhauses nicht nennen. Nur so viel: Für das Zusammentragen von Daten und der Ableitung neuer Produkte für die Firmenkunden hat die Bank im GTB-Bereich 30 bis 40 neue Leute eingestellt. Innerhalb der kommenden drei Monate will die Deutsche Bank den Treasury-Abteilungen hier einen ersten neuen Service präsentieren, deutete Hoops an.

GTB-Chef Hoops fordert Umdenken in Europa

„Es braucht ein Umdenken in Europa.“ 

Stefan Hoops, Deutsche Bank

Das Ziel, die Zahlungsdaten der Kunden zu nutzen, um daraus neue Angebote zu entwickeln, verfolgen derzeit nahezu alle Banken – und das nicht erst seit gestern. So hat etwa die Deutsche Bank bereits vor anderthalb Jahren den ehemaligen Digitalchef der britischen Supermarktkette Tesco, Thomas Nielsen als Digitalchef für die Transaktionsbank an Bord geholt. Seine Aufgabe: Die Erfahrungen des Einzelhandels mit Big-Data-Analysen und digitalen Kunden-Services auf die Bankenbranche übertragen.

Doch trotz dieser auch von anderen Banken seit Jahren propagierten Absichten lässt die Umsetzung in konkrete Produkte für Firmenkunden bislang zu wünschen übrig. Als einen Grund dafür führen Banker das Regulierungsumfeld in Europa heran: „Der Großteil der Daten europäischer Konsumenten wird in den USA von den Paypals, Googles und Yahoos dieser Welt gesammelt – und nicht in Europa“, moniert GTB-Chef Hoops. Trotzdem sei derzeit schon der Austausch von Daten zwischen zwei unterschiedlichen Deutsche-Bank-Einheiten aus regulatorischer Sicht problematisch. Er fordert: „Es braucht ein Umdenken in Europa, wenn wir den Anschluss behalten wollen.“

„Deutsche Commerz“: Sorge um Kreditlimite

Ein Thema, das vielen Firmenkunden der Deutschen Bank derzeit deutlich stärker unter den Nägeln brennen dürfte als digitale Services, sind die laufenden Fusionsgespräche mit der Commerzbank. Ob es tatsächlich zu einem Zusammenschluss kommt, ist derzeit zwar noch offen. Dennoch gibt es unter Treasurern, die Kunden beider Häuser sind, durchaus die Angst, dass das zur Verfügung gestellte Kreditvolumen sinken könnte. 

Man wisse um diese Sorge, sagt Hoops. „Bei den allermeisten Kunden würden wir aber nicht an Limite stoßen“, versichert der GTB-Chef auf dem Podium. Mit Blick auf die laufenden Gespräche äußerte er sich zurückhaltend. Nur so viel: Die Transaction-Banking-Teams der beiden Häuser hätten bereits „produktive Diskussionen“ geführt. Für den Fall einer Fusion – was keineswegs sicher sei – würden sich die Transaktionseinheiten gut ergänzen.

„Bei den allermeisten Kunden würden wir aber nicht an Limite stoßen.“ 

Stefan Hoops zur „Deutschen Commerz“

Instant Payments bis 1 Million Euro

Auch produktseitig präsentierte die Bank im Rahmen der Veranstaltung Neuigkeiten. So wird die Deutsche Bank ab Juli Echtzeitzahlungen bis zu 1 Millionen Euro anbieten. Derzeit liegt die freiwillige Betragsobergrenze für Sepa Instant Payments bei 15.000 Euro – was den Einsatz der Echtzeitzahlungen in der B2B-Welt stark einschränkt. Zwar können Banken bilateral bereits höhere Summe vereinbaren. In den Niederlanden beispielsweise haben das einige Institute schon getan, deutsche Banken waren in dieser Hinsicht bislang jedoch zurückhaltend.


Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen geht es um den Schutz vor Betrügern. Per Instant Payment bezahlte Beträge werden dem Empfänger sofort final gutgeschrieben – damit ist es im Betrugsfall nahezu unmöglich, das Geld zurückzuerhalten. Zum anderen müssen die Banken aber auch deutlich mehr Liquidität vorhalten, um ihren Kunden große Summen per Instant Payment zu ermöglichen. Das ist wiederum in Zeiten von Negativzinsen aus Sicht des Bank-Treasury nicht erwünscht.

Instant Payments: Viele Hausaufgaben für Unternehmen

Ohnehin ist die Betragsgrenze nicht die größte Hürde für Unternehmen, wenn es um den Einsatz von Instant Payments in der Praxis geht. Vielmehr scheitert es heute daran, dass Unternehmen von ihrer Bank nicht in Echtzeit über den Eingang einer Zahlung informiert werden. Um die Definition eines Standards dieser Kunde-Bank-Schnittstelle kümmert sich der sogenannte Westhafendialog – eine von der Beratung Bearing Point ins Leben gerufene Initiative, in der sich Banken, Corporate und Systemanbieter zusammengeschlossen haben. Wie es am Rande der Veranstaltung hieß, soll die Gruppe bald eine Lösung präsentieren, die auch die automatisierte Verbuchung eingehender Instant Payments erleichtern soll.

Doch selbst wenn das Unternehmen die Information erhält, dürfte sie vielfach zunächst nicht an der richtigen Stelle ankommen. „Ich brauche diese Information ja nicht im Treasury-Management-System, sondern im Logistiksystem, um den Versand der Ware anstoßen zu können“, erklärt einer der anwesenden Finanzverantwortlichen. Hierfür wiederum müssten die Unternehmen intern ihre Hausaufgaben machen und Prozesse und Schnittstellen zukunftsfähig aufsetzen.

GPI macht Fortschritte, aber Treasurer wollen mehr

Auch der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr soll schneller und vor allem transparenter werden. Hier stand die GPI-Initiative des Finanznachrichtendienstleisters Swift im Fokus. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Deutsche Bank ihren Firmenkunden eine wichtige Verbesserung präsentieren: So läuft seit einigen Monaten eine Pilotphase, die es ausgewählten Unternehmen erlaubt, die Zahlungsverfolgung automatisiert und in einem standardisierten Format TMS abzurufen.

Ab dem Sommer will die Deutsche Bank diesen Service („GPI for Corporates“) auf alle Firmenkunden ausrollen. Das Interesse der anwesenden Treasurer war enorm: 87 Prozent der im Rahmen einer TED-Umfrage befragten Finanzveranwortlichen gab an, diese Funktionalität nutzen zu wollen. Neben der Deutschen Bank unterstützen 21 weitere Häuser GPI for Corporates.

Den anwesenden Treasurern reicht das allerdings nicht aus: So forderte etwa der Vertreter eines Dax-Konzerns, dass es auch möglich seien müsse, die Zahlungsverfolgung auch mit Lieferanten des Unternehmens zu teilen – damit diese die Ware schneller freigeben. „Die Nachverfolgung von Zahlungen in Echtzeit hätte schon vor zehn Jahren passieren müssen“, so der Payment-Verantwortliche des Unternehmens. „Jetzt sollte man groß denken.“

Backhaus[at]derTreasurer.de

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