Die Société Générale bietet Instant Payments auf der Ein- und Ausgangsseite an.

Florence Piot - stock.adobe.com

17.03.23
Cash Management & Zahlungsverkehr

Die größten Hürden für Echtzeit-Zahlungen

Gabriele Schnell, Head of Global Transaction Banking bei der Société Générale, sieht noch Verbesserungsbedarf bei Instant Payments und KYC.

 

Gabriele Schnell, Head of Global Transaction Banking bei der Société Générale, ordnet die aktuellen regulatorischen Entwicklungen ein. Die EU-Kommission will Instant Payments verpflichtend machen. Demnach sollen Banken Echtzeit-Zahlungen ab 2024 anbieten müssen.

Einige Banken, die bisher noch gar keine Echtzeit-Zahlungen zur Verfügung stellen, finden diesen Plan zu ambitioniert. Sie wollen längere Übergangsfristen von bis zu drei Jahren fordern. Auch Schnell denkt, dass zwar viele Banken gut aufgestellt sind, aber der Zeitplan für einige Häuser zur Herausforderung werden könnte. Rund 10 Prozent der Banken im Sepa-Raum dürften noch nicht in der Lage sein, Instant Payments auf der Ein- oder Ausgangsseite abwickeln zu können, weil sie noch nicht an das Clearing-System angeschlossen seien. Die Société GénéraleSociété Générale biete Instant Payments seit 2020 auf der Eingangs- und seit Herbst 2021 auch auf der Ausgangsseite an.

Instant Payments oder Sepa-Überweisung?

Bisher würden Corporates die Echtzeit- Zahlungen eher auf der Eingangsseite nutzen, vor allem im B2C-Bereich. „Einige Treasurer sehen auf der Ausgangsseite noch keinen entscheidenden Mehrwert, weil Sepa-Zahlungen auch am gleichen Tag ankommen“, sagt die Bankerin. Gerade weil Instant-Zahlungen teurer als Sepa-Überweisungen seien. Die Bank habe mit den Firmenkunden individuelle Vereinbarungen darüber getroffen, wie viel die Echtzeit-Zahlungen kosten.

Außerdem beobachtet Schnell, dass vielen Unternehmen noch der Business Case fehle. „Unternehmen, die hohe Risikopositionen haben, fragen zum Beispiel, welche Vorteile eine Echtzeit-Überweisung in US-Dollar nach 17 Uhr bringt, wenn dann niemand mehr da ist, der die Position absichern kann.“ Bis sich Echtzeit- Zahlungen in der Breite etablieren, würden noch einige Jahre vergehen, schätzt die Expertin.

Nachholbedarf bei KYC

Nachholbedarf sieht die ehemalige BASF-Treasurerin und frühere HSBC-Bankerin auch noch bei dem Thema KYC. Sowohl für Unternehmen als auch für Banken sei das Thema noch mühselig und zeitaufwendig. „KYC ist aus regulatorischer Sicht enorm wichtig, aber von der Umsetzung her oft noch ein Pain Point, den man in den Griff bekommen muss. Die Prozesse müssen dringend digitalisiert werden.“

Noch gebe es zu viele Hürden, etwa dass der Prozess von Land zu Land unterschiedlich sei und es bei den Banken noch keinen einheitlichen Standard gebe. Die Société Générale biete Unternehmen einen Self Service an. Darüber könnten Treasurer zum Beispiel digital die notwendigen Dokumente für einen KYC-Check hochladen und müssten keine Originale mehr einreichen.

s.backhaus[at]dertreasurer.de