Die Commerzbank ist auch in diesem Jahr an der Spitze bei den Top Banken im Cash Management.

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07.04.22
Cash Management & Zahlungsverkehr

Die Top-Banken im Cash Management 2022

Die Commerzbank liegt bei der Marktdurchdringung im Cash Management in Deutschland weiterhin vorne. Doch das könnte sich ändern.

Die Commerzbank ist nicht vom Thron zu stoßen: Auch in der aktuellen jährlichen Befragung der US-Beratung Coalition Greenwich liegt das Bankhaus bei der Marktdurchdringung im deutschen Cash Management für Großkunden weiterhin auf dem ersten Platz. 73 Prozent der Befragten setzen auf die Gelben, im vergangenen Jahr waren es 69 Prozent.

Befragt wurden im europäischen Raum über 400 CFOs und Treasurer aus Unternehmen ab 2 Milliarden Euro Jahresumsatz, im deutschen Raum waren es knapp 130 Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz. Wie auch im vergangenen Jahr liegen in Deutschland bei der Frage danach, welchen Cash Management Provider Finanzverantwortliche in Deutschland nutzen, die Deutsche Bank mit 63 Prozent auf Platz 2 und Unicredit mit 59 Prozent auf Rang 3.

Die Deutsche Bank ist Quality Leader

Wenn es um die zweite große Frage, die nach der Qualität im Cash Management in Deutschland, geht, liegt allerdings die Deutsche Bank vorne. Zusammen mit Unicredit ist die blaue Bank „Quality Leader“ Die Commerzbank, die bei der Marktdurchdringung ganz vorne ist, wird hier wie auch schon im vergangenen Jahr nicht genannt. Europaweit liegt hier BNP Paribas vorne, gefolgt von der Citi Bank und JP Morgan.

„Wir haben auch gefragt, wonach Unternehmen Banken aussuchen. Ganz wichtig ist die Produktkompetenz. Das hiesige Cash Management gehört zu den Kernaufgaben der Banken. Um zu selektieren, achten Unternehmen deshalb immer mehr auf Qualität“, erklärt Tobias Miarka, Managing Director bei Greenwich Associates.

Auch ein weiterer Punkt dürfte den deutschen Markt bewegen, besonders in der aktuellen Situation. „Die internationale Aufstellung einer Bank wird vermutlich noch wichtiger“, schätzt Miarka. Mit der internationalen Aufstellung könnte speziell die Deutsche Bank punkten, während die Commerzbank im Zuge der Restrukturierung im vergangenen Jahr viele Standorte im Ausland aufgegeben hat. Auch Landesbanken sind im Vergleich international weniger gut aufgestellt, das würde bei ihnen laut Miarka aber auch keiner erwarten.

Das Auswahlkriterium „wettbewerbsfähige Preisgestaltung“ ist in der EU zurückgegangen, gerade vergangene Krisen hätten Treasurern gezeigt, dass Qualität mehr wert sei als der Preis. Weiterhin liegt nur in Deutschland das Pricing auf Platz 1 bei den Auswahlkriterien. Das könnte laut Miarka auch erklären, warum zum Beispiel die amerikanischen Banken in Deutschland noch nicht so breit vertreten sind. Diese wollten sich nicht über den Preis neue Kundenbeziehungen erkaufen.

Wie geht es bei der Commerzbank weiter?

Heißt das, dass die Commerzbank die günstigsten Preise hat und deshalb weiterhin an der Spitze steht? „Nein“, sagt Greenwich-Spezialist Miarka. „Die Commerzbank ist beim Pricing nicht die günstigste. Ich denke, die Bank steht eher weiter an der Spitze, weil sie von ihren langfristigen Kundenbeziehungen profitiert.“

Denn der Wechsel zu einer anderen Bank sei im Cash Management extrem teuer, die meisten deutschen Kunden seien nicht besonders wechselwillig. „Das ist natürlich ein gefährliches Spiel und schwierig, langfristig durchzuhalten, denn der Qualitätsbedarf und die Auslandskorrespondenz - beides Punkte, bei denen die Gelben nicht weit oben stehen - nehmen immer mehr zu.“

Den Thron der Commerzbank zum Wackeln bringen könnten zudem Auslandsbanken, zu denen etwa die ING zählt. Die Niederländer drängen laut Miarka immer mehr auf den deutschen Markt. Gerade weil die ING zusammen mit der DZ Bank in Deutschland sehr gut bei den Punkten Innovation und Digital Experience abschneide, werde sie bei Kunden gut bewertet. Auch beim Thema ESG werde sie in Europa stark wahrgenommen.

In Deutschland selbst stehen bei dem Thema ESG BNP Paribas, die LBBW und Unicredit vorne. „An der Spitze hat sich in Deutschland zwar nichts verändert, aber gerade bei den hinteren Plätzen tut sich einiges. BNP Paribas und die ING könnten hier noch aufholen“, schätzt Miarka.

BNP Paribas holt sich für Europa die Krone

Europaweit sind die Top 3 dieselben wie im vergangenen Jahr: BNP Paribas, gefolgt von HSBC und der Citi Bank. Danach kommen Deutsche Bank und Unicredit. Vor allem BNP Paribas ist auf der Überholspur, wenn es um die „Excellence Awards“ geht, die Coalition Greenwich auf Basis der Angaben in bestimmten Kategorien vergibt. So steht BNP bei „Ease of Doing Business“, „Breadth of International Network“, „Quality of Advice“, „Accuracy of Operations“ und „Customer Service“ ganz oben. Die Franzosen haben in den vergangenen vier Jahren deutlich an Marktanteilen gewonnen - europaweit stärker als in Deutschland. Auch bei der Frage, mit wem die Befragten strategische Überlegungen teilen, steht BNP mit der Deutschen Bank hierzulande ganz vorne.

In den anderen Kategorien „International Product Capability“, „Innovation“, „Account Opening Process“, „Responsiveness and Prompt Followup on Requests“ sowie allen vier Subkategorien im Bereich „Digital“ liegen amerikanische Banken vorne. Die deutschen Banken wurden von den Befragten bei diesen Kriterien überhaupt nicht genannt. „Dadurch, dass Unternehmen hierzulande im Cash Management vor allem mit den deutschen Banken zusammenarbeiten, die im EU-Vergleich bei der Digitalisierung hinter den amerikanischen Banken liegen, sind wir in Deutschland bei dem Thema noch nicht so weit“, so Miarka.

Zu beachten ist laut Miarka allerdings, dass die Befragung zwischen September 2021 und Februar 2022 durchgeführt wurde, also vor dem Ukraine-Krieg. Kurzfristige Effekte aus dem Krieg sind also nicht aufgenommen.

Aber ein weiteres Thema, das viele Unternehmen betrifft, wurde abgefragt: Corona. „Wir haben Unternehmen in drei Kategorien eingeordnet: Schock, Orientierung, Erholung. Rund drei Viertel der Teilnehmer sehen sich in der dritten Phase.“ Das wäre die Erholung. Doch die Ukraine-Krise könnte die Verteilung bei der nächsten Befragung verändern, speziell bei den Anbietern. Die Auswirkungen auf Lieferketten, Energiepreise und die Inflation sind noch nicht vollumfänglich absehbar, wenn diese auch kurzfristig schon überwiegend negativ sind.

s.backhaus[at]finance-magazin.de