Handelsfinanzierungen sind wieder gefragter. Derzeit für die Commerzbank im Trade-Finance-Bereich.

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14.12.23
Cash Management & Zahlungsverkehr

Die Top-Banken im Trade Finance 2023

Die Commerzbank besetzt weiter den Thron im Trade-Finance-Bereich. Andere Banken holen aber langsam auf.

 

Handelsfinanzierung ist gerade in unsicheren Zeiten ein gefragtes Thema bei Treasurern. Welche Banken können hier mit dem besten Angebot und den besten Services punkten? In Deutschland setzen die meisten Großunternehmen auch 2023 wieder auf die Commerzbank. Zu diesem Ergebnis kommt eine jährliche Umfrage der Beratung Coalition Greenwich.

Demnach belegt die Commerzbank auch in diesem Jahr wieder den 1. Platz bei der Marktdurchdringung im Trade-Finance-Bereich in Deutschland. 71 Prozent der Umfrageteilnehmer setzen auf die gelbe Bank. Das Beratungshaus hat 444 europäische Unternehmen mit einem Umsatz ab 500 Millionen Euro, davon 42 in Deutschland, befragt.

Auf Platz 2 landet in diesem Jahr Unicredit, die die Deutsche Bank von dieser Position verdrängt hat. 67 Prozent der Befragten setzen auf Unicredit. Die Deutsche Bank rangiert mit 57 Prozent auf Platz 3.Auf dem vierten Platz positioniert sich HSBC als wichtigste Auslandsbank in diesem Feld. Es folgt mit der LBBW die erste Landesbank auf Platz 5 und dicht dahinter BNP Paribas auf Platz 6.

Auffällig sei, dass der Vorsprung der Commerzbank immer geringer werde, meint Tobias Miarka, Head of Corporate Banking bei Coalition Greenwich. 2022 wurde die Commerzbank bei einer ungefähr gleich großen Studienteilnehmerzahl noch von 84 Prozent genannt, das waren 13 Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr. Der Abstand zur damals zweitplatzierten Bank (Deutsche Bank) war im vergangenen Jahr größer.

Die Commerzbank muss aufpassen

Auch wenn die Deutsche Bank insgesamt auf den dritten Rang abgerutscht ist, hat sie in der Kategorie „Quality Leader“ die Nase vorn. „Die Commerzbank sollte sich auf der Qualitätsseite verbessern, um langfristig nicht abgehängt zu werden“, empfiehlt Miarka. Dass die Deutsche Bank erneut Quality Leader ist, aber nicht bei der Marktdurchdringung gewinnt, erklärt sich der Studienautor so: „Die Deutsche Bank fokussiert sich auf weniger Unternehmen, baut dafür aber tiefgehende Beziehungen auf.“ Die Kunden seien dann vor allem große Unternehmen. Zudem würde die Deutsche Bank im Gegensatz zu anderen nationalen Banken mit ihrem internationalen Netzwerk punkten, besonders in Asien.

International gut aufgestellt ist die auf Platz 4 positionierte HSBC Bank. „Gerade in Asien und dem Mittleren Osten verteidigt HSBC ihr Alleinstellungsmerkmal. Dieses Jahr verzeichnen wir aber auch deutliche Steigerungen in der Nutzung der Bank für Lateinamerika sowie Nordamerika“, so der Bankenexperte. Das könnte auch der Grund sein, warum viele Unternehmen mit der Bank zusammenarbeiten, obwohl diese im Bereich Qualität nicht auf den vorderen Plätzen genannt wird. 2022 rangierte sie neben der Deutschen Bank noch als Quality Leader, in diesem Jahr ist sie aus dem Ranking der Qualitätsführer rausgefallen.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren zeigt sich deutlich, dass die US-Banken für deutsche Unternehmen bei der Handelsfinanzierung nur eine geringe Rolle spielen. Unter den zehn meistgenannten Banken bei der Marktdurchdringung taucht nur die Citi Bank auf dem zehnten Platz auf. Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Unternehmen ist, dass die Preisgestaltung stimmt, gefolgt vom internationalen Netzwerk einer Bank.

BNP ist Marktführer in Europa

Der jährliche Banken-Survey von FINANCE kam allerdings – bei 162 Befragten – zu etwas anderen Ergebnissen als Coalition Greenwich: Hier rangiert die Deutsche Bank auf Platz 1 vor der Commerzbank, Hypovereinsbank/Unicredit und der LBBW sowie HSBC. Auffällig ist, dass mit Ausnahme der Reihenfolge die Top-Banken nahezu identisch sind. BNP Paribas schafft es in der FINANCE-Umfrage ebenfalls auf den sechsten Platz.

Dafür hat die französische Großbank bei der europäischen Marktdurchdringung weiterhin die Nase vorn. „BNP Paribas ist absoluter Marktführer und konnte ihre Position gerade in den Heimatmärkten Benelux, Italien und Frankreich weiter stärken“, sagt Miarka. Nur in Deutschland und den Niederlanden habe das Bankhaus die kontinuierlichen Steigerungen, die es in Westeuropa gebe, nicht replizieren können. Im Verhältnis zu anderen Märkten entwickle sich BNP Paribas im TradeFinance-Bereich in Deutschland „nicht so stark“.

BNP, HSBC und Unicredit in Europa vorn

Die beiden Nachfolger in Sachen Marktdurchdringung in Europa sind HSBC und Unicredit, die diesmal die Plätze tauschten. Unicredit nannten 30 Prozent, HSBC 29 Prozent der Befragten, die beiden Institute bleiben damit auf Augenhöhe. Auch im vergangenen Jahr hatte HSBC nur einen marginalen Vorsprung mit 2 Prozentpunkten.

Bei der Frage, wer auf europaweit Quality Leader bei der Handelsfinanzierung ist, liegen in diesem Jahr BNP Paribas, Crédit Agricole CIB, HSBC und Santander vorn. Im Jahr 2022 waren es Crédit Agricole, Santander und Unicredit. Weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank können auf europäischer Ebene punkten. Zudem ist auffällig, dass bei den „Greenwich Excellence Awards“, die Banken auf europäischer Ebene in Bezug auf besondere Stärken bei Produkt- und Service-Kategorien bewerten, auch keine der deutschen Banken zu finden ist.

s.backhaus[at]dertreasurer.de