Die Zinsentscheidungen der EZB werden auch dieses Jahr ein wichtiges Thema sein.

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22.01.24
Cash Management & Zahlungsverkehr

Die Treasury-Herausforderungen 2024

Zinsen, Regulatorik, Geopolitik. Diese bekannten und neuen Aufgaben warten auf Treasurer in diesem Jahr.

Sie waren das Mega-Thema des vergangenen Jahres und werden wohl auch 2024 prägen: die Zinsen. Im vergangenen Jahr stiegen die Leitzinsen in historischem Ausmaß, am Ende des Jahres legten die Zentralbanken aber eine Atempause ein. Kommen nun die erhofften Zinssenkungen? Angesichts der rückläufigen Teuerung antizipieren die Märkte das bereits mit deutlich gesunkenen langfristigen Zinsen. 

„Es werden Zinssenkungen durch Zentralbanken erwartet und in die Zinskurven eingepreist, somit werden die Sicherung von Zinserträgen bei Geldanlagen und die Absicherungsmöglichkeiten von künftigen Finanzierungen eine wichtige Rolle spielen“, glaubt Ole Matthiessen, Leiter Cash Management der Deutschen Bank, und weist auf inverse Zinskurven hin.

Zinsen sind zurück im Treasury

Damit bleibt eine Treasury-Kernkompetenz wichtig, die in der langen Niedrigzinsphase eingestaubt war: „Die Unternehmen haben zehn Jahre kein Zinsmanagement betrieben. Das ändert sich jetzt“, beobachtet etwa Volker Anhäuser, Global Markets Experte von BNP Paribas. Fälligkeiten von Finanzierungen würden stärker in den Blick genommen, Pre-Hedging und Swap-Optionen hätten zugenommen, berichtet er.

Zinsen sind aber nur eines der Themen, die das Jahr prägen werden. Die Herausforderungen sind mannigfaltig. Auch wenn Prognosen immer mit Unsicherheit behaftet sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, und in den vergangenen Jahren etwa durch die Corona-Pandemie oder den Ukraine-Krieg schnell zunichtegemacht wurden, lohnt sich ein Ausblick. Dafür hat die Redaktion von DerTreasurer Marktexperten befragt.

„Die Unternehmen haben zehn Jahre kein Zinsmanagement betrieben. Das ändert sich jetzt.“

Volker Anhäuser, Global Markets Experte von BNP Paribas

Finanzierung ist Kernthema

Dabei zeichnet sich eine zweite große Herausforderung für Treasurer in diesem Jahr ab: die Finanzierung. Nach Jahren der wirtschaftlichen Stabilität und der niedrigen Zinsen wird der Markt für die Aufnahme von Kapital nun rauer. Banken schauen nach höheren Insolvenzzahlen stärker auf Risiken, Unternehmensaussichten haben sich teils eingetrübt.

„2024 rechnen wir insgesamt mit einer schwierigeren Finanzsituation vieler Unternehmen, weil sie Probleme bei der Prolongation bestehender Kreditlinien bekommen könnten“, glaubt Alfons-Maria Gracher, Geschäftsführer des gleichnamigen Kreditversicherungs- und Kautionsmaklers. Kautionsversicherer, Warenkreditversicherer und Factoringgesellschaften stünden aber auch in dieser Zeit zur Verfügung, allerdings nicht immer zu den gleichen Preisen wie 2023.

Soft Landing?

Das Preisniveau dürfte gerade für Unternehmen mit hoher Verschuldung eine Herausforderung werden. Die weitere konjunkturelle Entwicklung ist für sie entscheidend. Laut Experten von SEB preise der Markt derzeit eine sanfte Landung der Industrie ein. „Wenn das nicht passiert, werden die Märkte reagieren und sich die Spreads im Kapitalmarkt ausweiten“, glauben die Banker.

Viele Unternehmen können mit dem raueren Finanzierungsumfeld umgehen und höhere Kosten verkraften, allerdings nur, wenn die eigene Strategie nicht zu sehr auf Kante genäht ist. BNP-Experte Volker Anhäuser prognostiziert, dass sich Treasurer in diesem Jahr mit der Sicherung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit beschäftigen. „Eine Lehre aus den vergangenen Jahren war, dass der Kapitalmarkt nicht immer verfügbar ist, wenn man ihn braucht.“ Daher rät der Banker zu Vorsichtskassen und einer Diversifizierung der Finanzierungsquellen, um für volatile Kapitalmärkte gewappnet zu sein.

Dies ist nur ein Auszug. Wie sich Geopolitik, Inflation und Digitalisierung auf die Arbeit im Treasury auswirken können, lesen Sie im vollständigen Artikel. Dieser ist im DerTreasurer E-Magazin erschienen.