Wie weit sind die Banken bei dem Thema E-Signaturen?

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20.05.21
Cash Management & Zahlungsverkehr

E-Signatur: der große Bankenüberblick

Deutsche Bank und Unicredit forcieren eine erweiterte Nutzung von E-Signaturen. Die BayernLB hinkt bei dem Thema noch hinterher.

Kreditverträge, Kontoeröffnungen und Garantien - für all diese Geschäftsvorfälle sind Dokumente notwendig, die Treasurer am liebsten elektronisch unterschreiben möchten. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie und dem Umzug ins Home Office sind Treasurer auf E-Signaturen angewiesen. Diese sind nicht nur deutlich effizienter, sondern in der Regel auch sicherer. Intern können Unternehmen E-Signatur-Prozesse bei Bedarf einführen. Aber wie sieht es in der externen Kommunikation mit Banken aus?

DerTreasurer hat zwölf Geldhäuser mit einem Fragenkatalog zu ihrer E-Signatur-Fähigkeit kontaktiert. Sieben Institute haben geantwortet: BayernLB, Commerzbank, Deutsche Bank, HSBC, ING, LBBW und Unicredit. DZ Bank, HCOB, BNP Paribas, NordLB und Helaba haben an der Umfrage nicht teilgenommen.

Dabei fällt auf: Nahezu jede Bank erklärt, das eigene Angebot ausbauen zu wollen. Die bestehenden Fähigkeiten variieren zwischen den Banken allerdings zum Teil stark. Zwar bieten sechs von sieben Häusern eigenen Angaben zufolge E-Signaturen grundsätzlich an – lediglich die BayernLB beantwortet die Frage nach einem eigenen Angebot mit Nein. Im Detail unterscheidet sich die Abdeckung allerdings zum Teil deutlich.

Deutsche Bank bietet E-Signatur in 39 Länder an

Die größten Unterschiede gibt es unter den Banken bei den Einsatzgebieten von E-Signaturen. Hier zeigt sich, dass einige Banken Nachholbedarf haben und viele Bereiche noch nicht anbieten. Dabei hat die EU mit ihrer Verordnung e-IDAS bereits 2016 die Rechtsgrundlage für digitale Unterschriften geschaffen.

Relativ weit vorn ist auf Basis der Umfrage die Deutsche Bank. So können Treasurer Angaben der Bank zufolge zum Beispiel Kontoeröffnungsdokumenten, Kreditverträge, Produktvereinbarungen, Firmenunterlagen sowie Bankgarantien digital unterschreiben. Insgesamt sei das in 39 Ländern möglich, etwa in UK, den USA oder Singapur, wo die Bank die höchste Nachfrage spürt. In den nächsten Monaten sollen weitere 31 Länder dazukommen.

Auch die ING ist bei den Einsatzgebieten weit vorne und bietet die E-Signatur für Kontoeröffnungen, Zahlungsverkehrsmodalitäten und auch bei Standardkreditverträgen oder ausgewählten Dokumenten im Rahmen des KYC-Prozesses an. Das gilt bisher für die Niederlande, UK, Spanien, Frankreich, Tschechien, Bulgarien, Ungarn, Irland sowie Portugal, weitere europäische Länder sollen folgen.

Auch Unicredit, die einigen deutschen Firmenkunden seit kurzem eine vollständig digitale Kontoeröffnung anbietet (siehe DerTreasurer 07/2021), hat aufgerüstet: Grundsätzlich könnten „alle Verträge für sämtliche Geschäftstätigkeiten elektronisch“ unterschrieben werden. Der Fokus liege aber auf Dienstleistungen im Cash Management und dem FX-Geschäft. Dabei bietet das Bankhaus die Signaturart nicht nur in Deutschland, sondern auch in Hongkong, Singapur und Großbritannien an. Weitere Länder sollen demnächst dazukommen.

HSBC fokussiert auf Trade Finance

HSBC wählt bei ihrem Angebot eine andere Stoßrichtung als Unicredit: Die Bank bietet E-Signaturen im Bereich Guarantees, Trade & Receivables Finance an, also zum Beispiel bei Garantieaufträgen oder Bestätigungsschreiben.

Einen ähnlichen Produktfokus hat die Commerzbank: Hier können Kunden bisher Dokumente im Bereich Aval- und Trade Finance digital unterschreiben. Das gelte für Unternehmen in Deutschland und „den meisten Auslandslokationen“. Allerdings plant die Bank eine Erweiterung ihres Angebots auf die Kontoeröffnung und auf Kreditverträge – jedoch ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen.

Diesen Plan verfolgt eigenen Angaben zufolge auch die LBBW: Man prüfe derzeit einen Rollout von E-Signaturen für Kontoeröffnungen und Electronic-Banking-Vereinbarungen, erklärten die Stuttgarter. Bisher seien digitale Unterschriften bei „ausgewählten“ Dokumenten im Rahmen von bilateralen Kredit- und Sicherheitsverträgen sowie Treuhandfreigaben im Wertpapier- und Zahlungsverkehr möglich. Die BayernLB bietet für E-Signaturen dagegen keine eigene Lösung an. Dennoch könnten Firmenkunden „in überwiegenden Fällen“ elektronisch unterzeichnen. Nur bei Geschäftsvorfällen mit Schriftformerfordernis, die weniger als 5 Prozent ausmachten, erfolge die Unterschrift aktuell in Papierform. Zudem werde die Einführung einer eigenen Lösung aktuell geprüft.

Meisten Banken nutzen Docusign

Überwiegend bieten die Banken die sicherste Form der E-Signatur an, nämlich die qualifizierte elektronische Signatur, die ein qualifiziertes Zertifikat benötigt, das die Echtheit einer elektronischen Signatur bescheinigt und als Nachweis der Identität dient. Lediglich die Deutsche Bank bietet im Normalfall nur die fortgeschrittene E-Signatur an (ohne qualifiziertes Zertifikat). Nur in Ländern mit höheren regulatorischen Anforderungen sollen auch qualifizierte elektronische Signaturen möglich sein.

Mit Blick auf die Anbieter zeigt sich dagegen ein klarer Favorit: Fast alle Banken nutzen Docusign. Das Programm wird von Unicredit, Deutscher Bank, Commerzbank und LBBW eingesetzt. HSBC dagegen nutzt Adobe Life Sign, akzeptiert aber auch mit Docusign signierte Unterschriften. ING akzeptiert ebenfalls Unterschriften mit Docusign, nutzt für den vollständigen digitalen Unterschriftenprozess das Programm AdobeSign.

Da die BayernLB beim Thema E-Signaturen noch hinterherhinkt und keinen speziellen Anbieter nutzt, werden nur Signaturen über den Adobe Acrobat Reader akzeptiert. Jedoch kann eine E-Signatur auch ohne Anbieter erfolgen, dabei geht es nur um das Tool, wo unterschrieben wird.

Das müssen Treasurer für E-Signaturen bezahlen

Und wer bezahlt für den Einsatz von Docusign und Co., die je nach Transaktion oder Zahl der Unterschreibenden abrechnen? Unicredit, Deutsche Bank, ING und HSBC geben an, dass keine Transaktionskosten für die Kunden anfallen. Bezahlen müssen Unternehmen dagegen bei der Commerzbank, zumindest „teilweise“, wie die Bank ohne nähere Beschreibung angibt. Auch bei der LBBW fallen transaktionale Entgelte für E-Signaturen an. Die Erstellung und Verwendung einer Signatur in Adobe Acrobat Reader wie bei der BayernLB ist kostenlos.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

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