Cash Management wird erschwert

06.05.14 08:00

Indien verschärft Regeln für konzerninterne Darlehen

Von Desiree Backhaus

Die indische Regierung hat die Regeln für die Vergabe und die Zinssätze von konzerninternen Darlehen weiter verschärft. Der Aufwand für deutsche Unternehmen steigt, auch das Cash Pooling ist betroffen.

Indien verschärft Regeln für konzerninterne Darlehen

Thinkstock / Getty Images

Indien ist kein einfaches Pflaster für deutsche Unternehmen. In Bezug auf Cash Pooling wird es nun noch schwieriger.

Indien legt seit dem 1. April härtere Regeln für die Vergabe und die Zinssätze von unternehmensinternen Darlehen an. Das trifft auch ausländische Unternehmen, deren indische Tochtergesellschaften konzerninterne Darlehen („Intercompany Loans“) vergeben. Sie müssen ab sofort in ihrem Geschäftsbericht weitreichende Details zu den Darlehen offenlegen, wozu etwa die Mittelverwendung beim Kreditnehmer gehört oder hinterlegte Sicherheiten.

Darüber hinaus dürfen nun keine Kredite mehr an Gesellschaften vergeben werden, an denen der Geschäftsführer des kreditgebenden Unternehmens ein „Interesse“ haben könnte. Das soll zwar Interessenskonflikte verhindern, könnte in der Realität allerdings zu Schwierigkeiten führen: Unter den Tochtergesellschaften gibt es häufig Verbindungen. „Die neuen Regelungen bezüglich Intercompany Loans sind komplizierter, der bürokratische Aufwand für Unternehmen steigt, vor allem bei der Implementierung eines Cash Pools“, sagt Andrej Ankerst, Head of Cash Management Deutschland und Österreich bei der BNP Paribas.

Indien ist beim grenzüberschreitenden Cash Management streng

Auch bei den Zinssätzen gab es Änderungen: Sie orientieren sich künftig nicht mehr am Leitzins der indischen Zentralbank, sondern an den Zinssätzen indischer Staatsanleihen.  Einige Experten vermuten nun, dass die Zinsen steigen oder zumindest volatiler werden. Ankerst sieht eine andere Entwicklung: „Die meisten Prognosen deuten auf eine Stabilisierung der Zinsen für Staatsanleihen auf eine Basis von knapp unter 9 Prozent hin. Im gegebenen Marktumfeld ist die Finanzierung über Intercompany Loans aber trotzdem vorteilhafter als über Bankdarlehen“, sagt Ankerst. Für in Indien tätige Großunternehmen sind konzerninterne Darlehen deshalb eine wichtige Finanzierungsquelle: Eine Tochter, die über große Liquiditätsreserven verfügt, vergibt Kredite an das Schwesterunternehmen, das Finanzierungsbedarf hat.

Intercompany Loans könnten auch dazu genutzt werden, Trapped Cash aus Indien herauszubekommen. Grenzüberschreitendes Cash Pooling ist in Indien verboten. Vor diesem Hintergrund dürfte auch die jüngste Verschärfung der Regeln zu verstehen sein: „Indien ist im Hinblick auf Kapitalverkehrskontrollen selbst innerhalb Asiens ein Sonderfall“, sagt Ankerst. Die beste Möglichkeit für ausländische Firmen, Cash in andere Länder zu transferieren, bleiben deshalb Dividendenzahlungen, die allerdings mit etwa 17 Prozent besteuert werden.

Backhaus[at]derTreasurer.de