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03.11.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Instant Payments: EU droht mit Regulierung

Die EU-Kommission moniert, dass viele Banken ihren Kunden noch immer keine Instant Payments anbieten. Auch die Gebührenpolitik der Banken ist Brüssel ein Dorn im Auge.

Die EU-Kommission will die Nutzung von Echtzeitzahlungen vorantreiben und schreckt dabei nicht vor einer weiteren Regulierung zurück. Bis Ende 2021 solle es in der EU eine Vollabdeckung mit Instant Payments geben, erklärte die Brüsseler Behörde vor kurzem im Rahmen der Veröffentlichung ihrer Digital-Finance-Strategie.

Derzeit unterstützen nach Angaben der Kommission gut 62 Prozent aller EU-Zahlungsdienstleister, die Sepa-Überweisungen anbieten, auch die Sepa-Echtzeitzahlung. Gut ein Drittel der Zahlungsdienstleister ist also noch nicht via Sepa Instant Payment erreichbar. Die Kommission prüft deshalb, diese Erreichbarkeit gesetzlich vorzuschreiben.

„Erreichbarkeit ist der entscheidende Knackpunkt“

„Die Erreichbarkeit auf Seiten der Banken ist der entscheidende Knackpunkt für die weitere Verbreitung von Instant Payments“, meint auch Mario Reichel, Zahlungsverkehrsexperte bei der Bankberatung PPI. Das gelte gerade für die Firmenkunden: „Unternehmen, die ihren ausgehenden Zahlungsverkehr auf Echtzeitzahlungen umstellen wollen, brauchen Gewissheit, dass auch wirklich jede Zahlung sofort beim Empfänger ankommt.“ Andernfalls drohe man in Zahlungsverzug zu kommen.

Reichel zufolge ist eine vollständige Erreichbarkeit daher wichtiger als eine weitere Erhöhung der Betragsgrenze, die im Juli auf 100.000 Euro je Instant Payment angehoben wurde. „Der nächste Schritt könnte ohnehin ein kompletter Wegfall der Betragsgrenze sein.“ Daher seien nun auch Unternehmen gefordert „ihre Hausaufgaben zu erledigen und Systeme echtzeitfähig zu machen“. Dabei geht es neben den Zahlprozessen vor allem um nachgelagerte Logistik- oder Vertriebsprozesse.

Instant Payments sollen günstiger werden

Auch bei einer anderen Sache kommt die EU-Kommission den Unternehmen entgegen. Sie fordert, dass Banken für Instant Payments die gleichen Gebühren verlangen wie für gewöhnliche Sepa-Überweisungen. Heute sind Instant Payments für Konsumenten in der Regel teurer, weshalb sie seltener genutzt werden. Das kritisieren auch Treasurer, deren Unternehmen im B2C-Geschäft tätig sind und die Privatkunden dazu bewegen wollen, per Instant Payment zu bezahlen.

Zwar könnten die Banken zusätzliche Gebühren erheben, so die Kommission. Diese sollten aber mit besonderen Services verknüpft sein. Explizit nennt Brüssel dabei Rückbuchungen. Das ist bei Instant Payments bisher nicht üblich, soll der Kommission zufolge aber erwogen werden, damit Echtzeitzahlungen gegenüber Kartenzahlungen attraktiver werden.

buchholz[at]derTreasurer.de