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29.12.17
Cash Management & Zahlungsverkehr

Instant Payments sind nur der Anfang

Zahlungsverkehr in Echtzeit dürfte in den kommenden Jahren die neue Normalität werden. Auch in anderen Bereichen beschleunigt sich das Banking. Was bedeutet das für die IT-Systeme der Banken?

Der Start der Instant Payments im Sepa-Raum vor fünf Wochen fiel mau aus. Die Volumina der Instant Payments dürften in den kommenden Monaten deutlich steigen, meint Cristina Astore, International Division Direktor von Sia, einem Spezialisten für Zahlungslösungen: „Viele Banken denken nach wie vor über profitable Einsatzmöglichkeiten nach und warten auf den Start der Echtzeitzahlungsplattform Tips von der EZB im kommenden November“, berichtet Astore. „Aber der Durchbruch der Instant Payments ist nicht aufzuhalten.“

Sia würde davon erheblich profitieren. Der Anbieter, der mehrheitlich im Besitz staatlicher italienischer Beteiligungsgesellschaften ist, steckt als Technologiepartner hinter dem paneuropäischen Clearingsystem RT1. Sia bietet den Banken mit Easyway zudem eine eigene Lösung an, die es den Banken ermöglicht, sich schnell an RT1, Tips sowie jede andere Echtzeitzahlungsplattform anzubinden. Ohne eine solche Lösung müssten vorgelagerte bankeigene Zahlungssysteme die Echtzeitverarbeitung unterstützen. „Doch eine IT-Umstellung kostet viel Zeit und Geld“, sagt Astore.

Die Sia-Lösung nimmt den Banken dies ab: Datenvalidierung, Routing und Geldwäscheprüfungen sind laut Astore innerhalb weniger Sekunden möglich. Von den 17 Banken, die RT1 bislang EBA Clearing zufolge nutzen, setzt laut Astore die Hälfte auf die Sia-Lösung.

Echtzeitsysteme: Große Umstellung oder kleine Anpassungen?

Einige Banken wollen aber ihre eigenen Systeme echtzeitfähig machen. Schließlich sind Sepa Instant Payments nur der Anfang: Das Banking dürfte künftig generell stärker in Echtzeit ablaufen. Gute IT-Systeme sind die Basis, um im Wettbewerb zu bestehen. Häuser, die diesen Argumenten folgen, nehmen in Kauf, ihren Kunden die Instant Payments erst später anbieten zu können.

Die Sia-Managerin sieht das anders: „Kernaufgabe der Banken sollte das Frontend-Geschäft mit Kunden sein.“ Leistungsfähige Systeme könnten externe Anbieter bauen, die das nötige Wissen haben und Skaleneffekte erzielen. „Die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 wird diese Notwendigkeit verstärken“, meint Astore. Es sei unklar, wie sehr sich die Zahlungsvolumina durch die Öffnung der Banksysteme für Fintechs erhöhen werden. Wenn Fintechs aber Lösungen anbieten und Systeme auslagert sind - welchen Mehrwert liefert dann die Bank im Zahlungsverkehr?

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie weit sind einzelne Banken bei der Umsetzung der Sepa Instant Payments? Und was bringen die Echtzeitzahlungen für Corporate Treasurer? Alle wichtigen Informationen finden Sie auf unserer Themenseite rund um Instant Payments.