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23.01.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Kontoeröffnung: Treasurer fordern elektronische Identifizierung

Wenn Privatkunden ein Konto eröffnen wollen, können sie sich elektronisch identifizieren. Für Firmenkunden sind die bisherigen Verfahren aber zu unsicher, kritisiert der Verband Deutscher Treasurer. Er setzt auf eine andere Lösung.

Die Identität eines Geschäftspartners festzustellen und Verträge zu autorisieren, soll bei den Banken künftig elektronisch ablaufen. Das fordert der Verband Deutscher Treasurer (VDT). „Im Zeitalter der Digitalisierung kann es nicht sein, dass Geschäftsführer oder Prokuristen sich persönlich in der nächsten Bankfiliale vorstellen müssen oder das papierhafte Postident-Verfahren nutzen müssen, um sich zu legitimieren“, sagt Sabine Brüggemann aus dem Treasury der Alba Group und Mitglied des Cash & Liquidity Ressorts beim VDT.

Gemeinsam mit VDT-Vorstandsmitglied Regina Deisemann (Vorwerk) engagiert sie sich deshalb in einem Arbeitskreis der Bundesbank, der die Nutzung elektronischer Identifizierungsmittel (e-ID) im Zahlungsverkehr und bei der Kontoeröffnung fördern möchte. Zwar gibt es solche e-ID-Lösungen längst. So hat etwa 2017 eine Gruppe von Unternehmen um die Deutsche Bank und die Telekom das Online-Authentifizierungsportal Verimi ins Leben gerufen. Zudem bieten einige Banken ihren Kunden an, sich per Video zu identifizieren.

VDT: Identitätslösungen müssen fälschungssicher sein

Doch diese Initiativen adressieren vor allem Privatkunden, nimmt VDT-Vorstandsmitglied Deisemann wahr: „Für uns Treasurer ist es wichtig, dass diese Lösungen nicht nur elektronisch und bequem sind, sondern vor allem zu 100 Prozent fälschungssicher.“ Bei Videoident-Verfahren sei diese Sicherheit allerdings nicht gegeben.

Deshalb setzt der Verband auf staatliche Identifizierungslösungen – allen voran die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises. Diese gibt es in Deutschland seit zehn Jahren, in der Praxis hat sie sich aber bislang nicht durchgesetzt. Nicht einmal die Hälfte der Personalausweisinhaber hat diese Funktion aktiviert. Das liegt vor allem daran, dass es hierzulande kaum E-Government-Angebote gibt – anders als etwa in Estland oder Schweden.

Erleichterung für eBam und KYC

Im Zahlungsverkehr will die Arbeitsgruppe der Bundesbank nun ein breiteres Angebot für die Online-Ausweisfunktion schaffen. Zugleich will die Bundesbank aber auch private e-ID-Angebote fördern, wie sie in einem kurz vor Weihnachten veröffentlichten Papier betont. Darauf dürfte etwa der Handel gedrungen haben, denn für E-Commerce-Zahlungen gilt die Online-Ausweisfunktion als zu kompliziert.

Corporates hoffen derweil, dass die Online-Ausweisfunktion perspektivisch die Kontoeröffnung sowie den Abschluss von Verträgen im Cash Management erleichtern wird. „Die e-ID ist eine logische Fortsetzung unserer Bemühungen rund um die elektronische Bankkontensteuerung, kurz eBam, und den Umgang mit KYC-Vorgaben“, sagt Brüggemann.

backhaus[at]dertreasurer.de