Geldregen: Deutsche Firmen haben zu viel Cash.

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16.03.18
Cash Management & Zahlungsverkehr

LBBW: Unternehmen halten zu viel Liquidität

„Cash is King“: Viele deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Liquiditätspolster aufgestockt. Sowohl Konzerne als auch Mittelständler haben es damit aber zu gut gemeint, wie eine aktuelle Studie der LBBW zeigt, die DerTreasurer exklusiv vorliegt.

Deutsche Unternehmen halten im historischen Vergleich zu viel Liquidität. Viele CFOs und Treasurer haben damit die Lehre aus der Finanzkrise, ihre Cash-Polster aufzustocken, überspannt. Dieses Fazit zieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer aktuellen Analyse, die DerTreasurer exklusiv vorliegt.

Demnach hielten die 130 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax im vergangenen Jahr zusammen 209 Milliarden Euro Liquidität vor, 2012 lag ihr Kassenbestand lediglich bei 143 Millionen Euro. Dazu zählen die LBBW-Analysten neben den Zahlungsmitteln und -äquivalenten auch die kurzfristigen Anlagen, die innerhalb von maximal 365 Tagen in Cash wandelbar sind. In Relation zum Umsatz liegt der Kassenbestand der Dax-30-Konzerne damit im Median bei 12 Prozent.

Zählt man freie Kreditlinien hinzu, können die Bluechips 22 Prozent ihres Jahresumsatzes durch verfügbare liquide Mittel abdecken. Mit Blick auf das aktuelle Niedrigzinsumfeld empfiehlt die Stuttgarter Landesbank daher, einen Teil des Cashs langfristiger anzulegen, um eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Dies würde die Zahlungsfähigkeit nicht gefährden.

Auch im Mittelstand wächst das Cash schneller als der Umsatz

Im Mittelstand sind diese Quoten zwar etwas geringer. Doch auch dort legten die Liquiditätsreserven von 2012 bis 2016 schneller zu als die Unternehmen gewachsen sind. Der Analyse zufolge kletterte das Verhältnis von Kassenbestand zu Bilanzsumme innerhalb von vier Jahren von 7 auf 8,3 Prozent, die Quote Cash zu Umsatz stieg von 5,3 auf 6,2 Prozent. Die LBBW hat dafür die Bilanzen von über 800 Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von 5 bis 250 Millionen Euro unter die Lupe genommen.

Besonders zu denken gibt dem LBBW-Analysten Martin Dresp, dass „eine nicht unwesentliche Zahl der Unternehmen Liquidität [aufbaut], ohne dabei einen direkten zukünftigen Verwendungszweck im Blick zu haben“. Denn viele Unternehmen müssten den Liquiditätspuffer gar nicht erhöhen. Sie wissen schlicht nicht, wohin mit dem im operativen Geschäft erzielten Cash.

So gaben in einer Umfrage unter 270 LBBW-Firmenkunden 40 Prozent an, ihre Liquidität in den vergangenen sechs Monaten erhöht zu haben. Fast jeder zweite davon benötigt das Cash für geplante Investitionen, aber mehr als jeder vierte gibt den Mangel an Anlagenmöglichkeiten als Grund an. Insgesamt sieht derzeit ein Fünftel der Befragten Anlagenbedarf. Die Mehrheit investiert nur in Sicht- und Termineinlagen, mit denen sich aktuell bestenfalls die Nulllinie halten lässt.

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