wutwhanfoto/iStock/Getty Images

14.05.20
Cash Management & Zahlungsverkehr

Liquiditätsplanung: Darauf kommt es nach Corona an

Die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig eine solide Liquiditätsplanung ist. Für Unternehmen, die nun den Cash Forecast verbessern wollen, hat Treasury-Berater Alexander Odenthal einige Ratschläge.

So lange Cash im Überfluss vorhanden war, genoss die Liquiditätsplanung in vielen deutschen Unternehmen keine besonders hohe Priorität. Die Coronakrise hat dies schlagartig geändert – und zugleich Mängel beim bestehenden Cash Forecasting offengelegt: „Die meisten Modelle waren auf solch extreme Schocks nicht vorbereitet, sie kamen an ihre Grenzen“, beobachtet Alexander Odenthal, Corporate-Treasury-Experte bei der Unternehmensberatung Bearing Point.

Deshalb gelte es nun, nachdem der erste Schock überwunden ist, die Liquiditätsplanung zu verbessern: „Viele Unternehmen haben in den vergangenen Wochen mit Notfalllösungen gearbeitet“, so Odenthal. „Damit haben sie eine Basis geschaffen, die nun aber operationalisiert und verfeinert werden muss.“

Liquiditätsplanung häufiger aktualisieren

Als Lehre aus der Coronakrise sollten Treasury-Abteilungen den Planungszyklus dauerhaft verringern, rät Odenthal: „Vor der Krise aktualisierten viele Unternehmen ihre Liquiditätsplanung nur monatlich.“ In den vergangenen Wochen haben viele Treasury-Abteilungen die Frequenz der Forecasts bereits erhöht. Sie erheben die Daten nun wöchentlich oder gar täglich, um die neuesten Erkenntnisse über die Liquiditätsentwicklung einfließen zu lassen.

„Die Schwierigkeit ist jedoch, dass durch die höhere Frequenz auch der Aufwand für die Erstellung der Planung wächst“, weiß der Berater. „Das ist manuell anhand von Desktop-Kalkulationsprogrammen kaum noch durchführbar.“ Daher sei die Nachfrage nach professionellen Planungstools gestiegen, die den Forecast automatisieren, so Odenthal. Darauf haben auch einige Anbieter von Treasury Management Software (TMS) reagiert: Sie stellen ihre Module für das Cash Management derzeit kostenlos oder vergünstigt zur Verfügung.

Cash Forecast mit externen Daten anreichern

Zudem sollten Unternehmen externe Daten in die Liquiditätsplanung einbeziehen, so Odenthal. Das könnte etwa der Konsumklimaindex, der Ölpreis, branchenspezifische Indizes oder künftig unstrukturierte Daten wie Twitter-Posts sein. „Oftmals stützen sich die Planungen nur auf interne Ist-Daten wie Kontostände oder Debitoren- und Kreditoren-Zahlungen“, so der Berater. „Das kann aber nur der erste Schritt sein.“

Mittelfristig müsse es gelingen, externe Daten miteinzubinden, um die Treffergenauigkeit der Planung zu erhöhen: „Externe Daten werden künftig an Bedeutung gewinnen, denn nur so ist eine wirklich vorausschauende Planung und eine Szenarioanalyse möglich“, ist der Berater überzeugt. Das setzt allerdings voraus, dass die Technologien zur Analyse dieser Daten – Stichwort Big Data – weiter ausreifen. Gerade bei unstrukturierten Textdaten ist das eine Herausforderung.

Berater Odenthal: Cloud ist besser als integrierte Tools

Die Einbindung externer Daten in die Liquiditätsplanung hat wiederum auch einen Einfluss auf die Auswahl des richtigen Forecasting-Tools: „Es ist wichtig, dass das Treasury die Infrastruktur so aufstellt, dass man sich der Einbindung externer Datenquellen nicht verschließt“, meint Odenthal.

Der Berater rät deshalb zu offenen Cloud- oder Software-as-a-Service-(SaaS)-Lösungen: „Zukünftig wird es Tools geben, die eine Vielzahl externer Datenquellen bereits standardmäßig angeschlossen haben.“ Für in ERP-Software integrierte Planungstools sieht der Berater dagegen künftig weniger Bedarf: „Eigene Finanzdaten werden künftig nur noch ein Teil von vielen in der Liquiditätsplanung sein. Integrierte Planungstools, die ausschließlich auf unternehmensinterne Daten setzen, werden in Zukunft nicht ausreichen, um Diskontinuitäten zu erkennen und frühzeitig ihre Prognosen anzupassen.“ 

„Eigene Finanzdaten werden künftig nur noch ein Teil von vielen in der Liquiditätsplanung sein.“

Alexander Odenthal, Treasury-Experte bei Bearing Point

Treasurer sollten deshalb genau prüfen, welches Tool für sie das richtige sei: „Wer jetzt ins Regal greift und das erstbeste System einführt, der ärgert sich womöglich später, weil entscheidende Funktionen fehlen“, so Odenthal. Wichtig sei daher, zunächst intern das Zielbild zu definieren. „Wer sich diese Gedanken jetzt macht, spart später Geld, Zeit und Aufwand.“

Backhaus[at]dertreasurer.de


Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos unser E-Magazin und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen im Treasury auf dem Laufenden.